Blog

Klartext zu Krise, Zahlen und Führung.

Kurz, praktisch, ohne Beratersprech – zum Nachlesen, was im Podcast und in der Beratung funktioniert.

1. Oktober 2026

Die Kopfschüttel-Methode

Was ist Dein Unternehmen eigentlich wert? Mit dieser Frage tun sich die meisten Unternehmer schwer – und das Problem dahinter: Es gibt keinen objektiven Unternehmenswert. Tische, Maschinen, IT kannst Du mit Marktwerten versehen. Aber beim Firmennamen, beim Kundenstamm, beim Mitarbeiterstamm wird es schwammig. Über die Stellschrauben der Bewertungsmethodik lässt sich ein Unternehmenswert in breiten Bahnen hoch- und herunterrechnen.

Wie kommst Du trotzdem zu Deiner ersten Zahl? Mit einem hochwissenschaftlichen Werkzeug, das ich entwickelt habe: der Kopfschüttel-Methode. Stell Dir vor, Du sitzt mit einem imaginären Erwerber am Tisch. Er bietet: „Hunderttausend." Du schüttelst den Kopf. „Zweihunderttausend." Kopfschütteln. „Dreihunderttausend." Kopfschütteln. Irgendwann fällt eine Zahl, bei der Du aufhörst zu schütteln und anfängst, den Kopf abwägend hin und her zu wiegen: „Na ja, das könnte ich mir vorstellen." Genau das ist die Zahl, die Du insgeheim längst im Kopf hattest – ob Du es wusstest oder nicht.

Mit dieser Zahl geht die eigentliche Arbeit los, in zwei Fragen. Erstens: Lässt sie sich mit den üblichen Bewertungsmethoden aus Deinen Unternehmenszahlen herleiten? Zweitens: Kann das Unternehmen genug Gewinn erwirtschaften, damit ein Erwerber die Bankfinanzierung für genau diesen Preis bekommt? Wenn Dein Steuerberater ausrechnet, dass keine Bank das finanziert, wird die Bank nicht anders antworten – sie macht dieselbe Rechnung.

Übrigens funktioniert das in beide Richtungen: Ich habe schon aus „Dreihunderttausend würde ich nehmen" einen Einstieg bei achthunderttausend gemacht – verkauft wurde für siebenhunderttausend.

Irgendeine Zahl hast Du längst im Kopf. Die Frage ist nur, ob Dein Unternehmen sie begründen kann.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 29 von Chefsache Krise, „Unternehmensnachfolge: So wird Dein Betrieb verkaufbar" – Jetzt anhören.
Teilen:

30. September 2026

Die Nachfolge beginnt bei der Gründung

Eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird: Wann soll ich anfangen, über meine Nachfolge nachzudenken – und das Unternehmen darauf auszurichten? Die einzig richtige Antwort lautet: bei der Gründung.

Bau Dein Unternehmen von Anfang an so, dass sich mit einem Fingerschnipp ein anderer auf Deinen Platz setzen kann. Du gibst ihm den Schlüssel fürs Büro: Auf dem Rechner sind alle Daten, im Unternehmens-Wiki stehen alle Informationen, er kann nahtlos weiterarbeiten. Ein schlüsselfertiges Unternehmen.

Das ist ein psychologischer Trick mit vielen operativen Nebenwirkungen. Wer den Nachfolger von Beginn an im Kopf hat, stellt sich selbst nicht ins Zentrum. Du machst das Unternehmen nicht inhaberabhängig. Du arbeitest keine siebzig Stunden, weil Du selbstverständlich delegierst. Du baust eine zweite Reihe auf – oder organisierst, wenn Dein Betrieb dafür zu klein ist, alles so, dass ein Erwerber von der Straße hereinkommen und weiterarbeiten könnte.

Das Gegenteil – „Ich bin hier der Chef, ohne mich läuft hier nix" – ist leider der Regelfall. Kannst Du machen. Aber dann verkaufst Du eines Tages kein Unternehmen, sondern Dich selbst. Und Du willst ja gerade aussteigen.

Deine Übung, ab morgen: Nimm ein Blatt, schreib oben drauf „Läuft nur über mich" und geh die letzte Arbeitswoche durch. Notiere alles, was ohne Dich stehen geblieben wäre – jede Entscheidung, jede Kalkulation, jeder Kontakt, jede Unterschrift. Nicht bewerten, nur sammeln. Das ist die ehrliche Inventur Deiner Inhaberabhängigkeit – und zugleich Deine Arbeitsliste.

Bau Dein Unternehmen von Anfang an für Deinen Nachfolger – dann kannst Du jederzeit gehen. Auch einfach nur in den Urlaub.

Wie aus diesem Gedanken ein verkaufbares Unternehmen wird, hörst Du in Folge 29 von Chefsache Krise: „Unternehmensnachfolge: So wird Dein Betrieb verkaufbar" – Jetzt anhören.
Teilen:

24. September 2026

Für Hoffnung bezahlt Dir niemand

Zwei Betriebe. Gleiche Branche, gleicher Umsatz, gleicher Gewinn. Der eine sagt: „Wir machen alles, was reinkommt." Der andere sagt: „Wir sind auf Wartungsverträge für gewerbliche Bestandskunden spezialisiert, sechzig Prozent des Umsatzes sind wiederkehrend – hier ist die Vertragsliste, hier die Kündigungsquote der letzten fünf Jahre."

Für welchen Laden zahlt ein Käufer mehr? Total überraschende Antwort.

Wartungsverträge mit, sagen wir, fünf Prozent Absprungquote kann ich ausrechnen: wie lange sie tragen und was ich bis dahin verdiene. Das allein hat für einen Käufer einen eigenen Wert.

Reines Projektgeschäft dagegen – und Handwerk ist reines Projektgeschäft: Wenn das Wohnzimmer gestrichen ist, ist es fertig – lebt vom nächsten Auftrag. Wenn Du nicht belegen kannst, warum die Kunden zu Dir kommen, wie Du sie erreichst und wie ein stetiger Fluss von Neukunden entsteht, hast Du kein Unternehmen. Du hast Prinzip Hoffnung. Die meisten nennen das Mund-zu-Mund-Propaganda. Dieses Geschäftsmodell gibt es nicht – es ist nichts anderes als die Hoffnung, dass die Kunden weiterhin kommen.

Und für Hoffnung bezahlt Dir niemand. Hoffnung gibt Risikoabschläge, weil sie ein Risiko in sich trägt. Das gilt beim Verkauf – und es gilt jeden Tag vorher, denn ein Betrieb, der auf Hoffnung läuft, ist nicht steuerbar. Sätze wie „Dafür sind wir in der Region bekannt" erklären, warum bislang etwas funktioniert hat. Sie erklären nicht, dass es weiter funktioniert.

Wartungsverträge kann ein Käufer ausrechnen. Hoffnung kann er nur schätzen – und geschätzt wird immer nach unten.

Das ganze Beispiel – vom Malermeister bis zur Vertragsliste – gibt es in Folge 29 von Chefsache Krise: „Unternehmensnachfolge: So wird Dein Betrieb verkaufbar" – Jetzt anhören.
Teilen:

23. September 2026

Ein Käufer bezahlt keine Vergangenheit

Warum platzen so viele Unternehmensverkäufe? Warum liegen die Preisvorstellungen von Verkäufer und Käufer so weit auseinander? Die Verkäufer fordern meistens einen überhöhten Kaufpreis – so steht es auch im DIHK-Report. Und das hat einen einfachen Grund.

Der Verkäufer verkauft Blut, Schweiß und Tränen. Er hängt ein Preisschild an die Arbeit der Vergangenheit: dreißig Jahre geschuftet, eine Halle gebaut, viele Krisen durchgestanden.

Den Käufer interessiert das dem Grunde nach nicht. Wenn das Unternehmen in der Vergangenheit viele Krisen bewältigt hat – hurra! Ihn interessiert, wie er die Krisen übersteht, die vor ihm liegen. Der Käufer stellt sich genau eine Frage: Was wirft dieser Betrieb in den nächsten zehn Jahren an Gewinn ab – ohne den heutigen Inhaber?

Der eine verkauft Erinnerungen, der andere kauft Erwartungen. Deshalb finden die beiden meistens keinen gemeinsamen Preis – oder einer ist bitter enttäuscht. Ich habe Verkäufe auf dem Weg zum Notar platzen sehen, weil der Verkäufer kalte Füße bekam: „Der Preis ist doch zu niedrig."

Die Konsequenz für Dich: Dokumentiere die Zukunft Deines Unternehmens, nicht seine Geschichte. Beantworte die Frage Deines imaginären Käufers schriftlich, in drei Sätzen: Warum ist dieses Unternehmen in fünf Jahren mehr wert als heute – ohne den Unternehmer? Drei Sätze sind schwierig. Fällt es Dir leicht, bist Du weiter als die meisten.

Ein Käufer bezahlt keine Vergangenheit. Er bezahlt belegbare Zukunft – oder er bezahlt gar nicht.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 29 von Chefsache Krise: „Unternehmensnachfolge: So wird Dein Betrieb verkaufbar" – Jetzt anhören.
Teilen:

22. September 2026

Lesefassung Folge 29: Unternehmensnachfolge: So wird Dein Betrieb verkaufbar

In Deutschland planen mehr Inhaber, ihren Betrieb abzuschließen, als ihn zu übergeben – und der häufigste Grund ist nicht der Markt, sondern der Unternehmer selbst. Wie Du mit dem Käuferblick prüfst, ob Dein Unternehmen verkaufbar ist, und warum sich das gerade dann lohnt, wenn Du nie verkaufen willst: die komplette Lesefassung von Folge 29.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

17. September 2026

Ideen werden nie alleine geboren

Ideen werden nie alleine geboren. In einem sehenswerten TED Talk erklärt Richard St. John, wie Ideen entstehen: durch Hören, durch Sehen, durch Lesen, durch Sprechen. Deine Ideen bauen sich also aus dem auf, womit Du Dich fütterst – und die besten Anregungen für Dein Unternehmen kommen oft aus Bereichen, die mit Deinem Fach gar nichts zu tun haben. Jony Ive hat über das iPhone gesagt: Wahre Einfachheit besteht nicht darin, Dinge wegzulassen, sondern darin, Komplexität zu ordnen und dadurch beherrschbar zu machen. Ein Satz aus der Produktentwicklung – und zugleich die beste Beschreibung dessen, was gute Unternehmensführung und gute Beratung leisten.

Daraus folgen zwei praktische Konsequenzen.

Erstens: Wähl Deine Mentoren – notfalls aus der Ferne. Niemand kommt mit seinem Wissen auf die Welt. Neben echten Mentoren, die Dir auf die Sprünge helfen, kannst Du Dir auch welche suchen, die Dich nie kennenlernen werden: Von Steve Jobs und Richard Branson kannst Du alles konsumieren, was es gibt – Bücher, Videos, Interviews. Die Entscheidung dahinter: Das sind die Leute; wenn ich davon ein bisschen was übernehmen kann, ist das super.

Zweitens: Kontrollier, was reinkommt. Viel lesen hilft viel – aber nur, wenn Du die richtigen Dinge liest und guckst, statt auf Instagram zu scrollen. Ein einfacher Trick: alle Social-Media-Apps außer LinkedIn vom Haupt-Handy verbannen und ein separates Social-Media-Handy führen. So verplemperst Du Deine Zeit nicht mit dem Endlos-Feed, sondern schaust lieber den nächsten TED Talk.

Hören, Sehen, Lesen, Sprechen – das ist keine Freizeitgestaltung. Das ist die Rohstoffversorgung Deines Unternehmens.

Deine nächste gute Idee steckt nicht in Deinem Kopf – sie steckt in dem, womit Du ihn fütterst.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Das Jubiläumsgespräch in Folge 28 von Chefsache Krise – „Du bist nicht allein – warum nicht alles an Dir liegt. Mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

16. September 2026

Warum Dir Dein Umfeld die Wahrheit nur gefiltert sagt

Du überlegst, eine zweite Filiale aufzumachen, und besprichst das mit Deinem Ehepartner. Die Antwort: „Noch eine Filiale? Dann hast Du ja noch weniger Zeit." Also lässt Du es. Vielleicht wäre es aber betriebswirtschaftlich eine gute Idee gewesen.

Das ist kein böser Wille. Aber wer eine eigene Agenda mit Dir im Kopf hat – und sei es die liebevollste –, kann Dir die Dinge oft nur gefiltert sagen. Das gilt für Ehepartner und Freunde. Und es gilt, unangenehm genug, auch für manchen Berater: Wer die nächste Beratungsstunde verkaufen will, ist tendenziell nicht ehrlich zu Dir.

Ehrliches Sparring sieht anders aus. Es braucht jemanden ohne Agenda, der seine Meinung sagt und dabei riskiert, rauszufliegen – der nicht berät, um den nächsten Auftrag zu bekommen, sondern um einen guten Job zu machen. Dass so ein Sparringspartner branchenfremd ist, ist kein Nachteil, sondern hilfreich: Er kocht nicht in derselben Suppe und hat deshalb Ideen, auf die einer, der in der Suppe schwimmt, nicht kommt.

Und wie arbeitet guter Sparring? Wie ein guter Psychologe. Der sagt Dir nicht, was Du tun sollst – er stellt Fragen, bis Du selbst darauf kommst. Meistens geht es genau darum: Im Kopf ist es wuselig, und durch die richtigen Fragen kommt Ordnung in die Komplexität.

Ehrlichkeit ist dabei nicht immer angenehm, aber immer nötig. Denn bestimmte Dinge lassen sich nicht wegsprechen: Du kannst Zucker und Zimt auf den Kuhfladen streuen – es bleibt ein Kuhfladen mit Zucker und Zimt.

Wer eine Agenda mit Dir im Kopf hat, gibt Dir keinen Rat – er gibt Dir eine gefilterte Version davon.

Wie so ein Sparring in der Praxis abläuft – zwei Stunden, ein Zettel voller Ideen –, erzählt Olaf in Folge 28 von Chefsache Krise: „Du bist nicht allein – warum nicht alles an Dir liegt. Mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

10. September 2026

Alle ziehen an Dir – such Dir einen Kreis, der nichts von Dir will

Stell Dir das mal bildlich vor: Du stehst in der Mitte, und alle Menschen um Dich herum haben einen Tampen um Dich gebunden – und jeder zieht in eine andere Richtung. Deine Mutter will, dass es Dir gut geht. Dein Ehepartner will, dass Du um siebzehn Uhr zu Hause bist und etwas mit den Kindern machst. Dein Steuerberater will die Unterlagen für die Steuererklärung, Dein Banker will etwas von Dir, das Finanzamt sowieso. Jeder Stakeholder hat seinen eigenen Film mit Dir im Kopf.

Genau deshalb ist es für Dich als Unternehmer so erholsam, Dich in einen Kreis zu begeben, in dem niemand etwas von Dir will – außer Austausch und frischen Ideen. Bau Dir solche Unternehmerkreise auf. Und wenn Du die Wahl hast: gern Netzwerke aus Menschen, die es schon geschafft haben oder eine Wirtschaftsstufe über Dir stehen, damit Du von ihnen lernen kannst. Alle großen Unternehmer waren nie allein – Warren Buffett hatte einen Mentor, Richard Branson, Steve Jobs: Alles, was Weltliga ist, hatte immer jemanden, der mitgezogen hat.

Ein Netzwerk ist allerdings kein Selbstläufer. Auf jeder Unternehmerveranstaltung gibt es die Tische, an denen zwei Stunden lang besprochen wird, wie schlimm, hoffnungslos und furchtbar alles ist. Das zieht Dich runter – und runterziehen kannst Du Dich allein viel besser, da weißt Du genau, wie es geht. Der einfache Trick von Podcast-Produzentin Birgit Eschbach: aufstehen, „ich hole mir noch mal was vom Buffet" – und sich an einen anderen Tisch setzen. Achte aktiv darauf, was Du mitnimmst.

Du hast genug Menschen, die an Dir ziehen. Was Dir fehlt, ist ein Kreis, der nichts von Dir will.

Das komplette Jubiläumsgespräch über Netzwerke, Mentoren und Sparring hörst Du in Folge 28 von Chefsache Krise: „Du bist nicht allein – warum nicht alles an Dir liegt. Mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

9. September 2026

Gerade jetzt planen: In der Krise ist Planung dreimal wichtiger

In einer wachsenden Wirtschaft, mit einem Bankkonto voller Geld, könntest Du auf den Gedanken kommen, Dich zurückzulehnen: Läuft ja alles. Diese Wirtschaft haben wir gerade nicht. Und genau deshalb gilt: Alles, was mit Planung zu tun hat, ist jetzt umso wichtiger – allen voran die Finanzplanung.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, den viele unterschätzen: Die Banken sind restriktiver geworden. Nicht, weil sie doof wären, sondern weil der Gesetzgeber es so erfordert. Deine Möglichkeit, als Unternehmer Geld zu bekommen, ist heute deutlich schwieriger als noch vor drei, vier, fünf Jahren. Und wann brauchst Du Geld? Wenn Du Geld brauchst – das heißt im Zweifel: in der Krise. Je früher Du zur Bank gehst, desto größer ist Deine Chance, noch etwas zu bekommen. Sind die Konten leer und die ersten Pfändungen da, wägt jede Bank ab – möglicherweise sogar zu Recht.

Früh zur Bank gehen kannst Du aber nur, wenn Du früh erkennst, dass es so weit kommt. Genau das leistet die Planungsrechnung:

  • Soll-Zahlen, damit Du weißt, wo Du hinwillst.
  • Ist-Zahlen dagegengestellt, damit Du siehst, ob Du dort ankommst.

Geht der Trend nach unten, musst Du kein Raketentechniker sein, um auszurechnen, wann das Licht ausgeht. Oder Du hast eine Umsatzsteigerung geplant und stellst fest: Der Umsatz stagniert. Ohne Planungsrechnung siehst Du davon nichts – Du merkst es erst, wenn es weh tut.

Gerade jetzt, wo Geld knapp ist, Umsätze sinken und Kaufzurückhaltung auf allen Ebenen herrscht, ist die Unternehmensplanung dreimal wichtiger. Das klingt hart, aber: Wer das negiert und planlos durch die Gegend rennt, darf sich nicht wundern, wenn er vor die Wand knallt.

Man muss kein Raketentechniker sein, um auszurechnen, wann das Licht ausgeht – aber Du brauchst Zahlen, an denen Du es ablesen kannst.

Dieser Appell stammt aus dem Jubiläumsgespräch in Folge 28 von Chefsache Krise: „Du bist nicht allein – warum nicht alles an Dir liegt. Mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

8. September 2026

Lesefassung Folge 28: Du bist nicht allein – warum nicht alles an Dir liegt

Sitzt Du morgens am Frühstückstisch und fragst Dich: Liegt es an mir – oder läuft in dieser Wirtschaft etwas schief? Zum einjährigen Jubiläum dreht Birgit Eschbach den Spieß um und befragt Olaf Rosenbaum: über Netzwerke, ehrliches Sparring, das deutsche Steuerrecht, gebeutelte Branchen und den einen Appell, der gerade jetzt zählt.

Weiterlesen – 11 Minuten

Teilen:

3. September 2026

Das Fehler-Logbuch: eine Liste, die Muster sichtbar macht

Eine 5-Why-Analyse nach einem Knall ist gut. Aber Fehler dauerhaft abstellen braucht keinen guten Vorsatz, sondern ein System. Motivation löst kein Führungsproblem – ein System löst ein Führungsproblem. Drei Bausteine reichen:

Baustein eins: das Fehler-Logbuch. Eine simple Liste – Datum, was ist passiert, welche Sofortmaßnahme. Eine Zeile pro Fehler, jeder darf eintragen, nichts wird bewertet. Warum das Gold wert ist: Wiederholungsfehler erkennst Du nicht am Einzelfall, sondern am Muster. Wenn zum dritten Mal in vier Monaten „Material fehlte beim Kunden" in der Liste steht, ist das kein Bauchgefühl mehr, sondern ein Faktum – Zahlen, Daten, Fakten. Im Kopf siehst Du dieses Muster nie.

Baustein zwei: der feste Warum-Termin. Einmal im Monat, dreißig Minuten, mit den Menschen nah am Problem. Ihr nehmt Euch ein bis zwei Einträge vor – Priorität hat, was sich wiederholt – und zieht die Warum-Kette bis zur Wurzel. Am Ende stehen zwei Sätze auf dem Papier: wo die Ursache wohnt (Strategie, Operating Model oder Controlling) und die eine Maßnahme, mit Name und Datum. Eine Maßnahme, nicht fünf.

Baustein drei: die Wiedervorlage. Jede Maßnahme kommt nach dreißig Tagen automatisch wieder auf den Tisch, mit einer einzigen Frage: Ist der Fehler seitdem noch einmal aufgetreten? Wenn nein – Haken dran, und zwar feierlich. Wenn ja – noch eine Runde Warum.

Das gilt auch für Einzelkämpfer: Führ die Liste für Dich selbst. Ich habe als Angestellter meine Lieblingsfehler in eine Checkliste geschrieben und vor jeder Abgabe gegengeprüft – es war praktisch immer einer drin.

Leg die Liste heute an. Eine Tabelle, drei Spalten, für alle zugänglich. Mehr kostet der Anfang nicht.

Folge 27 von Chefsache Krise liefert Dir die komplette Anleitung – Logbuch, Warum-Termin, Wiedervorlage: Folge anhören. Umsetzen kannst Du noch diese Woche.
Teilen:

2. September 2026

Ein gemeldeter Fehler kostet nichts. Ein vertuschter alles.

Über jeder Fehler-Methode steht eine Regel, die Du selbst vorleben musst, sonst funktioniert nichts davon: Bei uns kostet ein gemeldeter Fehler nichts – ein vertuschter Fehler alles.

Das ist keine Kuschelpädagogik, das ist Ökonomie. Je später ein Fehler entdeckt wird, desto teurer wird er – als Faustregel verzehnfachen sich die Kosten pro Stufe. Ein vertuschter Fehler ist per Definition ein spät entdeckter Fehler. Wer Meldungen bestraft, kauft sich die teuerste Variante jedes Fehlers.

Du bekommst in Deinem Betrieb entweder Ehrlichkeit oder vermeintliche Ruhe – beides zusammen gibt es nicht. Wenn auf jede Fehlermeldung Schimpfen folgt, hören die Meldungen auf. Die Fehler nicht.

Wenn jemand mit einem Fehler zu mir kommt, ist mein erster Satz immer derselbe: „Gut, dass Du damit kommst. Lass uns herausfinden, warum das möglich war." Zehn Worte. Keine Schuldfrage, kein Drama. Wenn Du diese zehn Worte ernst meinst, passiert nach ein paar Monaten etwas Bemerkenswertes: Du bekommst Meldungen über Beinahe-Fehler – Fehler, die fast passiert wären. Das ist die höchste Stufe. Und irgendwann regelt Dein Team die Fehler selbst und Du erfährst nur noch von denen, für die es Dich wirklich braucht.

Wir lernen nur durch Fehler – Fehler sind Leitplanken. Ein Betrieb, der das Melden bestraft, hat sich selbst das Lernen verboten.

Du entscheidest mit Deiner Reaktion auf die nächste Fehlermeldung, welche Firma Du hast: eine, die lernt – oder eine, die schweigt.

Wie Du aus Fehlern ein System machst – Logbuch, Warum-Termin, Wiedervorlage – erzähle ich in Folge 27 von Chefsache Krise: Hier anhören, 20 Minuten Klartext.
Teilen:

27. August 2026

Fünfmal Warum: von der Sicherung zum Sieb

Eine Maschine steht still. Die Sicherung ist durchgebrannt. Was macht Dein Betrieb jetzt?

Die meisten wechseln die Sicherung. Toyota fragt fünfmal Warum – das Originalbeispiel von Taiichi Ohno, dem Erfinder der Methode:

  1. Warum steht die Maschine? Die Sicherung ist durchgebrannt – Überlastung.
  2. Warum war die Maschine überlastet? Die Lager waren nicht ausreichend geschmiert.
  3. Warum waren die Lager nicht geschmiert? Die Schmierpumpe fördert zu wenig Öl.
  4. Warum fördert sie zu wenig Öl? Die Pumpenwelle ist kaputt.
  5. Warum ist die Pumpenwelle kaputt? Es fehlt ein Sieb – Metallspäne sind eingedrungen.

Fünf Fragen, und aus „Sicherung wechseln" ist „Sieb einsetzen" geworden. Die Sicherung zu wechseln behandelt das Symptom – nächste Woche brennt sie wieder durch. Das Sieb beseitigt die Ursache – der Fehler ist tot.

Das funktioniert nicht nur an Maschinen. Das fehlende Teil auf Deiner Baustelle, die zu späte Bestellung, die Freigabe, auf die alle warten mussten, weil nur Du freigeben darfst und auf einer Messe warst: Fünfmal Warum führt Dich von der scheinbar schlampigen Arbeit zum fehlenden Prozess. Und woran erkennst Du das Ende der Kette? Frag Dich bei der letzten Antwort: Wenn ich genau hier ansetze – kann derselbe Fehler trotzdem noch einmal passieren? Wenn ja, frag weiter.

Wer Sicherungen wechselt, hat jede Woche Arbeit. Wer Siebe einsetzt, hat Ruhe.

Das komplette Beispiel – inklusive Deines Montagmorgens – hörst Du in Folge 27 von Chefsache Krise: Zur Folge. Perfekt für die nächste Autofahrt.
Teilen:

26. August 2026

Frag nie, wer es war

Wenn in Deinem Betrieb etwas schiefgeht – was ist die erste Frage, die fällt? In den meisten Unternehmen lautet sie: „Wer war das?"

Ich habe diese Frage bei uns abgeschafft. Aus zwei Gründen.

Erstens: Im Zweifel war immer ich es. Nach außen ist es meine Kanzlei. Ob ein Mitarbeiter den Fehler gemacht hat oder ich – für den Mandanten, für den Kunden ist es derselbe Fehler desselben Hauses.

Zweitens, und das ist der wichtigere Grund: Die Antwort ist wertlos. Wenn Du einen Schuldigen gefunden hast, ist der Fehler immer noch nicht weg. Du hast dann einen Namen, ein schlechtes Gespräch und einen Mitarbeiter, der beim nächsten Mal lieber vertuscht als meldet. Der Fehler kommt trotzdem wieder – nur erfährst Du es später.

In dem Moment, wo ein Name fällt, ist die Analyse tot. Die Frage, die weiterführt, lautet: Warum war das möglich? Sie führt weg vom Menschen und hin zum Prozess – zur fehlenden Vertretungsregelung, zum fehlenden Abgleich, zur fehlenden Checkliste. Dinge, die Du ändern kannst. Einen Charakter kannst Du nicht ändern, einen Prozess schon.

Ein Schuldiger beruhigt Dein Gemüt. Eine Ursache rettet Dein Geld.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 27 von Chefsache Krise: „Fehler dauerhaft abstellen – die 5-Why-Methode für Unternehmer". Die ganze Folge – 20 Minuten, die Dir viele Montagmorgen ersparen: Jetzt anhören.
Teilen:

25. August 2026

Lesefassung Folge 27: Fehler dauerhaft abstellen: Die 5-Why-Methode für Unternehmer

Dieselbe falsche Rechnung, derselbe geplatzte Termin, dieselbe Reklamation. Du hast den Fehler schon zehnmal abgestellt – und beim elften Mal ist er wieder da. Warum das so ist, warum es meistens nicht an Deinen Leuten liegt und wie Du mit fünfmal Warum jeden Wiederholungsfehler an der Wurzel packst: die komplette Lesefassung von Folge 27.

Weiterlesen – 8 Minuten

Teilen:

20. August 2026

Dein Controlling beginnt mit einer Excel-Tabelle

Du musst für Dein Controlling nicht zur Volkshochschule und keinen Kurs machen. Ist das Unternehmen klein genug, reicht eine Excel-Tabelle. Genau so gehe ich in jedem Unternehmen vor, in das ich zur Beratung komme – und genau so kannst Du anfangen.

Oben die zwölf Monate, Januar bis Dezember, hinten eine dreizehnte Spalte für die Jahreswerte. Links untereinander:

  • Umsatzerlöse – aus der BWA abgelesen, Monat für Monat eingetragen.
  • Wareneinkauf – sofern Dein Unternehmen einen hat. Umsatz minus Wareneinsatz ergibt den Rohertrag.
  • Personalkosten – fast überall ein signifikanter Faktor. Rohertrag minus Personalkosten ergibt den vorläufigen Ertrag.
  • Alle restlichen Kosten in einer Zeile. Die meisten Unternehmen haben nur drei nennenswerte Kostenblöcke: Ware, Personal, Rest.
  • Unten das vorläufige Ergebnis – es muss mit der BWA übereinstimmen.

Ein Blatt, und Du siehst auf einen Blick, was in dem Unternehmen los ist. Ist das Jahr noch nicht um, schreibst Du über die fertigen Monate IST und füllst die restlichen mit SOLL-Zahlen: Den Umsatz schätzt Du, den Materialeinsatz leitest Du prozentual aus den Vormonaten ab, Personalkosten und Rest bleiben meist gleich. Schon hast Du Deine erste Planungsrechnung – und eine Idee, wo Dein Unternehmen am Jahresende steht.

Der eigentliche Gewinn kommt später: Wenn Du die Ist-Zahlen über die Soll-Zahlen schreibst, siehst Du, ob Deine Planung hingekommen ist. Zweihunderttausend Euro Umsatz geplant, hundertdreißigtausend gekommen – wie kommt das? Wer sich diese Frage stellt, ist voll im Controlling.

Wenn Du nicht weißt, wie Du anfangen sollst: Schreib mir an or@rosenbaum-consulting.de, dann schicke ich Dir ein leeres Muster. Und wenn Du keine Zeit dafür hast, ist genau das Dein Problem – denn außer Dir macht es keiner.

Controlling beginnt nicht mit Software – es beginnt mit einem Blatt, zwölf Monaten und Deinen eigenen Zahlen.

Wie Du die Tabelle um Liquiditätsgrade und Kennziffern erweiterst, hörst Du in Folge 26 von Chefsache Krise: „Steuerst Du mit Zahlen – oder mit Kontostand und Bauchgefühl?" – Jetzt anhören.
Teilen:

19. August 2026

Neun Kennzahlen auf einer Seite

Für Deine Controlling-Kennzahlen gilt eine Faustformel: so wenig wie möglich, so viel wie nötig. Warum, zeigt ein Beispiel aus meiner Praxis.

Ich wurde in ein Unternehmen in der Nähe von Magdeburg gerufen – großer Laden, weit dreistellige Millionenumsätze. Der Inhaber wollte ein neues Controlling-System, das alte funktioniere nicht. Auf die Frage, warum, griff er in die Schreibtischschublade und legte – ungelogen – einen fünf Zentimeter dicken Stapel Papier auf den Tisch. Seine Controlling-Auswertung. Alle vierzehn Tage bekam er so einen Stapel. „Da stehen nicht ganz die Zahlen drin, die ich brauche." Wundert Dich, dass das nicht funktioniert? Da steht nicht zu wenig drin. Da steht alles drin – und genau das ist das Problem.

Wir haben Folgendes gemacht: Stapel weg, Augen zu. Meine Frage: „Welche neun Zahlen brauchen Sie wirklich, um Ihrem Unternehmen eine Schulnote geben zu können?" Er konnte sie nennen – Bankbestand, Umsatz, Forderungshöhe und so weiter. Warum ausgerechnet neun? Weil sie gut auf eine A4-Seite passen: drei oben, drei in der Mitte, drei unten. Der Controller baute daraus Grafiken im Zeitablauf – wie entwickelt sich der Umsatz, wie entwickeln sich die Forderungen? Die Kennzahlenwüste haben wir weggeworfen.

Läuft an einer Stelle etwas nicht, steigst Du tiefer ein – dann darf es auch mehr Papier sein. Aber um alle vierzehn Tage draufzugucken, reichen neun Kennzahlen. Man kann sich sogar streiten, ob das nicht schon zu viele sind. Also: Miss wenig – aber miss das, was Dein Ziel misst.

Ein Stapel, in dem alles steht, zeigt Dir nichts. Eine Seite, auf der das Richtige steht, zeigt Dir Dein Unternehmen.

Das ganze Beispiel – und wie Du selbst ins Controlling einsteigst – gibt es in Folge 26 von Chefsache Krise: „Steuerst Du mit Zahlen – oder mit Kontostand und Bauchgefühl?" – Jetzt anhören.
Teilen:

13. August 2026

Ein Logbuch ist kein Kompass

„Moment mal – ich habe doch Buchhaltung, einen Steuerberater, eine BWA und einen Jahresabschluss. Ist doch alles da." Diesen Einwand höre ich oft. Und er beruht auf einem Missverständnis.

Stell Dir vor, Du fährst mit Deinem Auto über die Autobahn – aber die Frontscheibe ist mit schwarzer Folie zugeklebt. Du guckst die ganze Zeit in den Rückspiegel und gibst Vollgas. Die Frage, OB Du irgendwo gegenknallst, stellt sich nicht. Nur wann.

Genau das tust Du, wenn Du Dich auf diese drei Werkzeuge verlässt. Die Buchhaltung dokumentiert, was passiert IST. Die BWA fasst zusammen, was in der Buchhaltung passiert ist. Der Jahresabschluss testiert noch einmal, was passiert ist. Alles Vergangenheitsbetrachtung – und nicht einmal zeitnah: Die Januar-BWA kommt, wenn es schlecht läuft, im März. Der Jahresabschluss irgendwann um Pfingsten, oft anderthalb bis zwei Jahre nach Geschäftsjahresende.

Die Fragen, auf die es ankommt, beantwortet Dir keines dieser Papiere: Funktioniert mein Geschäftsmodell? Mit welchem Auftrag verdiene ich Geld, mit welchem vernichte ich Geld? Wie lange reicht meine Liquidität? Dabei ist die Rechnung simpel: Fließen jeden Monat zwanzigtausend Euro ab und liegen hunderttausend auf dem Konto, reicht das Geld fünf Monate. Das steht in keiner BWA.

Buchhaltung, BWA und Jahresabschluss sind Dokumentation, nicht Steuerung. Du brauchst den Blick zurück – um zu lernen. Aber er darf nicht Dein einziger sein. Dazu gehören zwei weitere Blickrichtungen: Wo stehe ich jetzt? Und was kommt auf mich zu?

Ein Logbuch ist kein Kompass – und mit dem Rückspiegel hat noch niemand gelenkt.

Das komplette Bild – und wie Du die Folie von der Windschutzscheibe kratzt – gibt es in Folge 26 von Chefsache Krise: „Steuerst Du mit Zahlen – oder mit Kontostand und Bauchgefühl?" – Jetzt anhören.
Teilen:

12. August 2026

Dein Kontostand ist kein Cockpit

Wie steuerst Du eigentlich Dein Unternehmen? Wenn Du ehrlich bist, lautet die Antwort vielleicht wie bei vielen Inhabern: mit Kontostand und Bauchgefühl.

Morgens einmal Online-Banking aufmachen. Ist genug Geld auf dem Konto? Hat der Kunde immer noch nicht bezahlt? Kann ich die Überweisung auslösen, auf die der Lieferant seit drei Wochen wartet? Der Bankbestand ist Dein Cockpit. Das Problem: Die Liquidität ist das Ende der Krise, nicht der Anfang. Wenn Dein Kontostand nicht mehr das zeigt, was er sollte, bist Du nicht kurz vor der Krise – Du bist mittendrin.

Und das Bauchgefühl? Nichts dagegen. Du kennst Deine Kunden, Deinen Betrieb, Deine Branche – das Bauchgefühl eines erfahrenen Inhabers ist oft erstaunlich treffsicher. Aber es hat zwei eingebaute Schwächen.

Erstens: Es meldet sich zu spät. Bauchgefühl ist ein Ge-Fühl – es schlägt erst an, wenn das Problem fühlbar ist. Und wenn Du ein Problem fühlst, ist es schon da.

Zweitens: Es lässt sich täuschen. Volle Auftragsbücher fühlen sich toll an. Ein voller Terminkalender fühlt sich nach Erfolg an – viel los, viel zu tun, das Unternehmen scheint zu brummen. Muss es aber nicht.

Deshalb die Frage: Triffst Du Deine Entscheidungen auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten – oder nach dem Motto „passt schon"? Wenn es mehr Gefühl ist, geht das bis zu einer bestimmten Betriebsgröße gut. Ab da nicht mehr. Dann brauchst Du Instrumente, die Dir zeigen, wo Du wirklich bist – nicht, wo Du glaubst zu sein.

Dein Kontostand meldet die Krise nicht an – er bestätigt sie nur.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 26 von Chefsache Krise: „Steuerst Du mit Zahlen – oder mit Kontostand und Bauchgefühl?" – die ganze Folge für den nächsten Weg ins Büro: Jetzt anhören.
Teilen:

11. August 2026

Lesefassung Folge 26: Steuerst Du mit Zahlen – oder mit Kontostand und Bauchgefühl?

Morgens Online-Banking auf, kurz aufs Konto geguckt, weiter im Tagesgeschäft – so steuern viele Inhaber ihr Unternehmen. Warum Kontostand und Bauchgefühl kein Cockpit sind, warum Buchhaltung und Jahresabschluss nur in den Rückspiegel zeigen und wie Du mit einer einzigen Excel-Tabelle ins echte Controlling einsteigst: die komplette Lesefassung von Folge 26.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

6. August 2026

Jedes Unternehmen ist ein Datenunternehmen

Ich kenne ein Unternehmen, das die durchschnittliche Schuhgröße seiner Kunden kennt. Kein Scherz. Es ist ein Freizeitpark – der Esel- und Landspielhof in Nessendorf, eine Reise wert, wenn Du kleine Kinder hast.

Dort konnte man auf Eseln reiten, und beim Ausgeben der Steigbügel wurden Strichlisten geführt: welche Steigbügelgröße wie oft rausging. Die Steigbügelgröße hängt von der Schuhgröße ab, die Schuhgröße von der Körpergröße – und schon wusste der Park, wie viel Prozent seiner Besucher Kinder und wie viel Erwachsene sind. Sie haben notiert, aus welchen Regionen die Gäste anreisen – damit sie wissen, wo sie ihre Werbung schalten müssen. Und sie führen seit zwanzig Jahren Wetteraufzeichnungen: Temperatur, Wolkenlage, Sonneneinstrahlung – und wie viele Besucher an dem Tag kamen. Wenn für Freitag bewölkte einundzwanzig Grad gemeldet sind, wissen sie heute auf zehn Leute genau, wie viele kommen werden. Danach planen sie den Personaleinsatz, die Pommes und die Esel.

Das ist der Punkt: Jedes Unternehmen ist ein Datenunternehmen. Jedes. Nicht nur der Konzern – auch der Eselhof, der Malerbetrieb, die Bäckerei. Die Frage ist nur, ob Du Deine Daten erhebst und nutzt oder ob sie ungelesen verpuffen. Dafür braucht es keine teure Software; in Nessendorf hat eine Strichliste gereicht. Es braucht die Entscheidung, hinzuschauen.

Und genau deshalb gehört die IT nicht in die Kategorie „lästiges Übel", sondern in die Kategorie Chefsache: Sie entscheidet darüber, ob Du gewinnst oder verlierst – weil Du Datenmaterial brauchst, und das kommt aus der IT.

Wenn ein Eselhof mit Strichlisten seine Besucher auf zehn Leute genau vorhersagen kann, hat Dein Betrieb bei den Daten keine Ausrede mehr.

Das ganze Beispiel – und warum IT, Daten und KI der Rahmen um Menschen, Prozesse und Produkte sind – gibt es in Folge 25 von Chefsache Krise: „Ein Unternehmen, das nur mit Dir läuft, ist kein Unternehmen" – Jetzt anhören.
Teilen:

5. August 2026

Warum bei uns Abwesenheitsnotizen verboten sind

Gerade zur Urlaubszeit bekomme ich sie ständig zurück: „Ich bin bis zum 27.8. nicht im Büro. Diese E-Mail wird nicht weitergeleitet und von niemandem gelesen." Für mich ist das ein doppeltes Signal. Erstens: Das Anliegen Deines Kunden interessiert Dich nicht – denn wer eine E-Mail schreibt, will etwas. Zweitens: In Deinem Betrieb fehlt Organisation. Es muss doch einen Stellvertreter geben.

Bei uns sind diese Autoresponder deshalb verboten. Wer nicht da ist – Urlaub, Krankheit, drei Tage Funkstille, alles in Ordnung –, hat einen festen Ansprechpartner. Man nennt das auch: Team. Die Regel:

  • Die E-Mails werden umgeleitet, eine Kopie bleibt im eigenen Postfach.
  • Der Vertreter fragt den Kunden: „Kann das warten, bis Frau XY zurück ist – oder soll ich mich vorher kümmern?" Erkennt er selbst, dass es eilt, übernimmt er direkt und sagt dem Kunden, dass er die Vertretung macht.
  • In neunzig Prozent der Fälle antwortet der Kunde: „Danke, das hat Zeit." Die restlichen zehn Prozent bearbeitet das Team.

Denn dem Kunden ist am Ende völlig egal, wer sein Problem löst – Hauptsache, sein Dienstleister löst es. Das ist die Kanzlei, nicht der einzelne Sachbearbeiter. Der Nebeneffekt: Wer aus zwei Wochen Urlaub zurückkommt, findet fünf offene Mails vor statt achthundert. Unsere Vision dahinter: ein Arbeitsplatz, von dem wir keinen Urlaub brauchen.

Aber Achtung, das funktioniert nur unter einer Bedingung, und die ist Chefsache: Meine Mitarbeiter sind bewusst nicht zu hundert Prozent ausgelastet. Es bleibt Luft für Vertretungen, auch kurzfristige, und für Projekte. Knallst Du Deine Leute bis zum Anschlag voll, sitzt da ein Sack voll Einzelkämpfer – jeder rettet sich selbst, Miteinander gibt es keins. Und das ist dann Deine Schuld.

Der Autoresponder ist kein Mail-Problem. Er ist das Zeugnis, das Deine Organisation sich selbst ausstellt.

Die Vertretungsregel ist nur ein Baustein von vielen. Das komplette Operating Model – Menschen, Prozesse, Produkte – erkläre ich in Folge 25 von Chefsache Krise: „Ein Unternehmen, das nur mit Dir läuft, ist kein Unternehmen". 20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Jetzt anhören.
Teilen:

30. Juli 2026

Wenn Du die Radnabe bist, ist Dein Unternehmen nichts wert

Zwei Vorgänge aus einer einzigen Woche meiner Beratungspraxis.

Erstens: die Bank. Ein Unternehmer bekommt keinen Kredit. Nicht, weil die Zahlen schlecht wären – sondern weil die Bank erkannt hat, dass ohne ihn das gesamte Unternehmen zusammenbricht. Ihre Logik: Wenn Sie ausfallen, funktioniert der Laden nicht, und dann ist unser Kredit gefährdet. Das Ausfallrisiko ist uns zu groß. Das ist inzwischen ein hartes Rating-Kriterium: Funktioniert das Unternehmen noch, wenn der Inhaber ausfällt? Wer klagt „Meine Bank gibt mir kein Geld", sollte auch hier nach den Gründen suchen.

Zweitens: der Verkauf. Stell Dir vor, Du willst Dein Unternehmen veräußern – und wenn Du weg bist, ist das gesamte Know-how weg. Was bitte kaufe ich da als Käufer? Ich müsste ja Dich kaufen. Und dann müsstest Du neunzig Stunden die Woche für mich arbeiten – genau das, was Du mit dem Verkauf beenden wolltest.

Stell Dir Dein Unternehmen wie ein Rad vor, und Du bist die Radnabe. Ziehst Du die Nabe heraus, plumpsen die Speichen weg, und das Rad bricht in sich zusammen. Wenn Du diese Funktion hast, hat das, was Du verkaufst, keinen Wert.

Deshalb ist „ohne mich läuft hier nichts" kein Kompliment, das Dein Betrieb Dir macht. Es ist ein Risiko mit Preisschild: Es kostet Dich Kreditwürdigkeit heute und Kaufpreis morgen. Die Gegenmaßnahme heißt Operating Model – das System, das Du baust, damit Du selbst an Wichtigkeit verlierst.

Deine Unverzichtbarkeit ist keine Stärke Deines Unternehmens. Sie ist sein größter Konstruktionsfehler – und Banken und Käufer haben das längst verstanden.

Wie Du aus der Radnabe wieder ein tragendes System machst, hörst Du in Folge 25 von Chefsache Krise: „Ein Unternehmen, das nur mit Dir läuft, ist kein Unternehmen" – Jetzt anhören.
Teilen:

29. Juli 2026

Zehn Stunden Unternehmer, dreiundvierzig Stunden Ersatzteil

Vollzeitangestellte in Deutschland arbeiten laut Statistischem Bundesamt 40,2 Stunden pro Woche. Selbstständige mit Beschäftigten – also Du, der Arbeitgeber – kommen laut einem Forschungsbericht für das Bundesarbeitsministerium auf 52,7 Stunden. Fast jeder Zweite von ihnen arbeitet regelmäßig mehr als achtundvierzig Stunden; bei den Angestellten sind das vier Prozent.

Man könnte mit den Schultern zucken: Unternehmersein heißt eben arbeiten. Aber das trifft es nicht. Es gibt einen Riesenunterschied zwischen Arbeiten und Beschäftigtsein. In über sechshundert Beratungen habe ich bei den allermeisten Betrieben dasselbe gesehen: Das sind nicht dreiundfünfzig Stunden Unternehmer-Arbeit. Das sind zehn Stunden Unternehmer-Arbeit und dreiundvierzig Stunden Ersatzteil-Arbeit. Du bist das Ersatzteil in Deinem eigenen Betrieb – Du machst alles das, was andere nicht tun.

Und dahinter steckt keine Charakterfrage, sondern eine Mechanik aus drei Sätzen:

  • Jede Entscheidung, die über Deinen Tisch läuft, läuft über Deinen Tisch, weil es keine Regel gibt, nach der jemand anderes sie treffen könnte.
  • Jede Frage, die Dir gestellt wird, wird Dir gestellt, weil die Antwort nur in Deinem Kopf existiert.
  • Jedes Mal, wenn Du einspringst, musst Du einspringen, weil es für diesen Fall keinen Prozess gibt.

Lass Dir das auf der Zunge zergehen: Du musst alles entscheiden, weil Du nicht geregelt hast, dass es jemand anderes entscheiden kann. Deshalb löst mehr Fleiß das Problem nicht. Was Du in acht Stunden nicht hingekriegt hast, wirst Du in vierzehn Stunden auch nicht hinkriegen.

Wenn Du vierzehn Stunden am Tag arbeiten musst, fehlt Dir kein Fleiß – dann stimmt etwas in Deinem System nicht.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 25 von Chefsache Krise: „Ein Unternehmen, das nur mit Dir läuft, ist kein Unternehmen" – Jetzt anhören.
Teilen:

23. Juli 2026

Eine Strategie im Kopf ist keine Strategie

In meinen Beratungen stelle ich immer wieder dieselbe Frage: „Haben Sie eine Strategie?" – „Ja, habe ich." – „Kann ich sie sehen?" – „Nein, können Sie nicht."

Dann gilt: Was nicht aufgeschrieben ist, existiert nicht. Eine Strategie, die nur in Deinem Kopf existiert, ist keine Strategie – das ist ein Gefühl. Und mit Gefühl kannst Du nicht steuern. Du kannst es nicht prüfen und nicht weitergeben. Solange Dein Ziel ein diffuses Bild ist mit dem Zeitrahmen „machen wir irgendwann mal", kannst Du nie sagen, ob Du auf Kurs bist.

Also: aufs Papier. Das schaffst Du noch in dieser Woche, in drei Schritten.

  1. Block Dir neunzig Minuten im Kalender. Ein Termin mit Dir selbst, kein anderer ist dabei, und er wird nicht verschoben. Verlass das Büro, damit niemand an die Tür klopft.
  2. Beantworte drei Fragen. Nicht zwanzig – drei. Für wen ist mein Unternehmen in drei Jahren unverzichtbar, und für wen bewusst nicht? Welchen Nutzen liefere ich besser als jeder Wettbewerber? Und was ist der eine nächste Schritt, den ich in den nächsten neunzig Tagen gehe, um genau dahin zu kommen? Keiner liest das außer Dir.
  3. Dampf die Antworten auf genau drei Sätze ein. Kein achtzigseitiges Papier – drei ehrliche Sätze auf einer halben Seite. Die kannst Du prüfen, die kannst Du weitergeben, an denen können auch andere erkennen, wohin Du willst.

Ein Umsatzziel ersetzt das übrigens nicht. „Zehn Prozent mehr als letztes Jahr" ist keine Strategie, das ist nur eine Zahl. Die strategische Frage lautet nicht wie viel, sondern wohin und wofür.

Eine Strategie im Kopf ist ein Gefühl. Erst auf dem Papier kannst Du mit ihr steuern.

Die drei Fragen für Deinen 90-Minuten-Termin habe ich Dir in Folge 24 von Chefsache Krise mitgebracht: „Steuerst Du – oder wirst Du getrieben?" – Jetzt anhören.
Teilen:

22. Juli 2026

Eine Strategie, die alles will, ist eine Wunschliste

Eine Strategie, die alles will, ist keine Strategie. Das ist eine Wunschliste.

Strategie bedeutet fokussieren – und Fokus bedeutet nicht, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Fokus bedeutet, zu allen anderen Sachen Nein zu sagen. Genau deshalb ist er so schwer.

Nein zu den falschen Kunden. Nein zu den falschen Aufträgen. Nein zu den falschen Projekten und Produkten. Du musst dafür sorgen, dass Dein Laden sauber bleibt und nicht die falschen Dinge getan werden. Das ist der unbequemste Teil jeder Strategie – und zugleich ihr Kern.

Denn Deine Zeit ist begrenzt. Jedes Ja zu einem Kunden, einem Produkt, einem Markt ist automatisch ein Nein zu einem anderen. Wenn Du Ja zu etwas Falschem sagst, hast Du keine Zeit mehr, Ja zu etwas Richtigem zu sagen. Das ist der Teufelskreis der vollen Auftragsbücher: viel zu tun, viel Umsatz – und keine Antwort auf die Frage, welche dieser Aufträge eigentlich Geld verdienen und welche Du nur machst, weil Du sie schon immer gemacht hast.

Drei Fragen bringen den Fokus zurück: Für wen wirst Du tätig – nicht für alle, sondern ganz konkret für wen? Welchen Nutzen stiftest Du, den andere so nicht stiften – der Grund, warum jemand ausgerechnet bei Dir kauft und nicht beim Wettbewerber um die Ecke? Und wogegen entscheidest Du Dich ganz bewusst?

Beantworte sie schriftlich, und aus der Wunschliste wird eine Richtung.

Jedes Ja zum Falschen kostet Dich das Ja zum Richtigen – und Deine Zeit vergibst Du nur einmal.

Wie die komplette erste Säule der Steuerbarkeit aussieht, hörst Du in Folge 24 von Chefsache Krise: „Steuerst Du – oder wirst Du getrieben?" – Jetzt anhören.
Teilen:

16. Juli 2026

Fleiß ohne Richtung führt trotzdem in die Krise

Eine Unternehmenskrise hat nicht zwingend etwas mit mangelndem Fleiß zu tun. Betriebe geraten in Schwierigkeiten, nicht weil zu wenig los war – sondern weil zu viel Falsches los war. Weil niemand entschieden hat, wohin die Reise geht.

Der Unterschied steckt in zwei Sätzen: Effektivität heißt, die richtigen Dinge zu tun. Effizienz heißt, die Dinge richtig zu tun. Klingt nach Wortklauberei, entscheidet aber über Dein Unternehmen – denn Du musst die richtigen Dinge tun, nicht nur die Dinge richtig.

Die meisten Inhaber, mit denen ich arbeite, sind Weltmeister der Effizienz. Sie arbeiten schnell, sauber, diszipliniert, sie packen an, sie machen, sie tun. Ginge es nur ums richtige Tun der Dinge, hätten wir längst eine Goldmedaille. Das ist eine große Stärke – mit einem Haken: Effizienz in den falschen Dingen bringt Dich ans falsche Ziel.

Wenn Du mit hundert Stundenkilometern in die falsche Richtung fährst, kommst Du schnell voran – nur eben in die falsche Richtung. Und dann arbeitet genau das gegen Dich, was Du am besten kannst: Dein Tempo, Deine Disziplin, Dein Handwerk. Wer auf eine Klippe zufährt, ist langsam besser dran als schnell.

Deshalb ist Strategie die erste der drei Säulen der Steuerbarkeit – vor Operating Model und Controlling. Erst die Richtung, dann das Tempo. Die Frage ist also nicht, ob Du hart genug arbeitest. Die Frage ist, ob in Deinem Betrieb irgendjemand entschieden hat, wofür.

Je besser Du in Deiner Facharbeit bist, desto schneller fährst Du vor die Wand – wenn die Richtung nicht stimmt.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 24 von Chefsache Krise: „Steuerst Du – oder wirst Du getrieben?" – Jetzt anhören.
Teilen:

15. Juli 2026

Fehlende Strategie ist stumm

Wenn Dein Konto leer ist, merkst Du das in derselben Sekunde: Die Zahlung platzt, die Bank ruft an, der Lieferant liefert nicht mehr. Liquidität schreit – und genau deshalb kümmern sich alle um sie.

Eine fehlende Strategie dagegen ist stumm. Sie tut heute nicht weh, nächste Woche nicht und nächsten Monat auch nicht. Ein kaputter Kompass macht keinen Lärm: Er piept nicht, er blinkt nicht. Er zeigt einfach still und leise in die falsche Richtung. Du merkst es erst, wenn Du irgendwo angekommen bist, wo Du nie hinwolltest.

Das Tückische: Der stumme Zustand fühlt sich gut an. Du bist beschäftigt, Umsatz kommt rein, Aufträge kommen rein, es ist Bewegung in der Firma – das fühlt sich nach Arbeit an und damit automatisch richtig. Aber beschäftigt sein ist nicht dasselbe wie auf Kurs sein. Du kannst mit voller Kraft in die falsche Richtung dampfen: Du schwitzt, Du wirst müde – und kommst dem, was Du eigentlich willst, keinen einzigen Meter näher.

Und stumm heißt nicht kostenlos. Die KfW hat den Zusammenhang untersucht: Unternehmen ohne strategische Ausrichtung sind rund sechzehn Prozent weniger produktiv als vergleichbare strategisch aufgestellte Unternehmen. Gleiche Größe, gleiche Branche. Dieser Verlust taucht auf keiner Rechnung auf und steht in keiner BWA – er passiert schleichend. Auch Dein Steuerberater kann ihn nicht sehen; die Strategiefrage steht in keiner Auswertung. Du bist der Einzige, der sie stellen kann.

Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit. Und genau hier, an der ersten Säule, beginnt er: ganz leise, lange bevor Dein Bankkonto es Dir zeigt.

Liquidität schreit, Strategie schweigt – gefährlich ist das, was schweigt.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 24 von Chefsache Krise: „Steuerst Du – oder wirst Du getrieben?" – Jetzt anhören, 20 Minuten über die erste Säule Deiner Steuerbarkeit.
Teilen:

14. Juli 2026

Lesefassung Folge 24: Steuerst Du – oder wirst Du getrieben?

Du stehst früh auf, gehst spät nach Hause – und am Ende der Woche bleibt nur das Gefühl, hinterhergelaufen zu sein. Es gibt zwei Zustände in Deinem Unternehmen: Du steuerst oder Du wirst getrieben. Was fehlende Strategie wirklich kostet und wie Du Deine Richtung in drei Sätzen festlegst – die Lesefassung von Folge 24.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

9. Juli 2026

Die U-M-F-Strichliste: eine Woche, ein Blatt Papier

Wenn jede Entscheidung über Deinen Schreibtisch läuft, bist Du der Engpass Deines Unternehmens – und verlierst genau dort Deine Steuerbarkeit. Ob das bei Dir so ist, findest Du mit einem Blatt Papier heraus.

Ab Montag liegt es eine Woche lang auf Deinem Schreibtisch. Jedes Mal, wenn jemand mit einer Frage oder der Bitte um eine Entscheidung zu Dir kommt, machst Du einen Strich und schreibst kurz daneben, worum es ging. Nicht bewerten, nur sammeln.

Am Freitag gehst Du die Liste durch und setzt hinter jede Zeile einen von drei Buchstaben:

  • U – eine echte Unternehmerentscheidung: Die konntest wirklich nur Du treffen.
  • M – eine Management-Entscheidung: Die hätte auch jemand anderes treffen können.
  • F – eine Fachkraft-Entscheidung: Die hätte Dein Team treffen müssen. Sie hätte nie bei Dir auf dem Tisch landen dürfen.

Du wirst Dich wundern, wie die Aufteilung ausfällt. Meine Prophezeiung: Echte U-Aufgaben sind es wenige, vielleicht sogar gar keine. Steht bei Dir viel U, ein bisschen M und gar kein F – Glückwunsch, Du kannst abschalten.

Gehörst Du aber wie die meisten zu denen mit weit überwiegend F, dann zähl die Striche und setz sie ins prozentuale Verhältnis. Und dann mach Dir Gedanken, wie Du diese Fachkraft-Entscheidungen ans Team delegierst – und wie Du Dein Team befähigst, sie selbst zu treffen. Das ist der erste Schritt, Deine Zeit freizuschießen für die U- und M-Themen. Und vor allem dafür, dass Du wieder steuerst statt gesteuert zu werden.

Jeder Strich hinter einem F ist eine Entscheidung, die nie auf Deinem Tisch hätte landen dürfen.

Dieser Tipp beschließt Folge 23 von Chefsache Krise: „Krise ist Verlust von Steuerbarkeit – wie sie Dir leise verloren geht". Die ganze Folge mit allen drei Säulen: Jetzt anhören.
Teilen:

8. Juli 2026

Drei Fragen, die Dir zeigen, ob Du noch steuerst

Die Frage „Geht es meinem Unternehmen gut?" ist zu klein. Die beantworten die meisten Unternehmer mit Ja, solange Geld auf dem Konto ist. Die Frage, auf die es ankommt, lautet: Steuere ich mein Unternehmen noch – oder werde ich getrieben? Drei Tests geben Dir die Antwort.

Erstens: der Zwei-Wochen-Test. Mach die Augen zu und stell Dir vor, Du wärst zwei Wochen weg – kein Handy, keine Mail. Läuft Dein Unternehmen weiter in die Richtung, in die es soll? Oder läuft es irgendwohin?

Zweitens: der Entscheidungs-Test. Morgen früh müssen drei wichtige Entscheidungen getroffen werden. Kann Dein Team diese Entscheidungen treffen? Macht es das? Oder steht es bei Dir am Schreibtisch?

Drittens: der Zahlen-Test. Wenn Du heute in Deine Zahlen schaust – siehst Du, wo Du stehst, oder nur, wo Du im letzten Quartal gestanden hast? Weißt Du, was Phase ist, oder machst Du Management im Rückspiegel, weil die BWA vom Februar noch nicht fertig ist?

Das klingt nach Schnelltest aus der Zeitschrift, ist aber keine Spielerei. Die drei Fragen zielen genau auf die drei Säulen, die Dein Unternehmen steuerbar machen: Strategie, Operating Model, Controlling. Läuft der Laden ohne Dich in die falsche Richtung, fehlt Richtung – Strategie. Stehen alle bei Dir am Schreibtisch, bist Du der Engpass – Operating Model. Siehst Du nur alte Zahlen, planst Du nicht nach vorn – Controlling.

Und das ist die gute Nachricht: An genau diesen drei Säulen holst Du Dir die Steuerbarkeit auch wieder zurück – in dieser Reihenfolge.

„Geht es dem Unternehmen gut?" beantwortet Dein Kontostand. „Steuere ich noch?" beantwortest nur Du.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro – der Test stammt aus Folge 23 von Chefsache Krise: „Krise ist Verlust von Steuerbarkeit – wie sie Dir leise verloren geht" – Jetzt anhören.
Teilen:

2. Juli 2026

Steuerbarkeit verlierst Du nicht an einem Tag

Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit. Das Komplizierte daran: Du verlierst die Steuerbarkeit nicht an einem Tag. Du kannst nicht sagen: Heute, Donnerstag, zwölf Uhr, habe ich sie verloren. Es passiert häppchenweise, Stück für Stück – und jeder einzelne Schritt fühlt sich so normal an, dass Du glaubst, das sei normal. Ist es nicht.

Drei Signale, die Du ernst nehmen solltest:

  • Du löschst Buschbrände mit dem Sandschäufelchen. Kaum hast Du den Sand auf das eine Feuer gekippt, brennt es an der nächsten Stelle. Wer nur noch von Brand zu Brand hetzt, ist komplett aus der Steuerung raus.
  • Du sagst: „Das mache ich schnell selber, erklären dauert länger." Du solltest die Zeit haben, Deinen Leuten eine Sache zwei-, dreimal zu erklären – damit Du sie danach nie wieder selbst machen musst. Fehlt Dir dafür die Zeit oder die Lust, stimmt etwas nicht.
  • Die Auswertung vom Steuerberater bleibt ungelesen liegen. „Gucke ich mir später an" darf mal passieren. Als Dauerzustand heißt es: Du steckst viel zu tief im Tagesgeschäft und viel zu wenig in der Strategie.

Und dann mach den Kundenlisten-Test: Markiere grün, wer zu Deinem Wunschkunden passt, und rot, wen Du am liebsten los wärst. Scroll durch und schau, welche Farbe überwiegt. Du wirst überrascht sein.

Das Problem ist nie die einzelne Entscheidung – die kann es immer geben. Das Problem ist das Muster, das sich aus vielen Entscheidungen ergibt: Ich tue nicht das, was ich eigentlich tun sollte und früher einmal wollte.

Steuerbarkeit verlierst Du nicht an einem Tag. Du verlierst sie an vielen Tagen, die sich alle normal anfühlen.

An welchen drei Säulen Du Dir die Steuerbarkeit zurückholst, hörst Du in Folge 23 von Chefsache Krise: „Krise ist Verlust von Steuerbarkeit – wie sie Dir leise verloren geht" – Jetzt anhören.
Teilen:

1. Juli 2026

Krise ist nicht, wenn das Geld weg ist

Wann beginnt eine Krise? Die meisten Unternehmer würden sagen: wenn es ums Geld eng wird. Zahlungsstockung, Bankkonto am Anschlag – das ist tatsächlich der Zeitpunkt, an dem die meisten aufwachen und merken, dass etwas nicht stimmt.

Nur: Da ist die Krise nicht am Anfang, da ist schon Alarm. Deshalb der Satz, an dem alles hängt: Krise ist nicht, wenn das Geld weg ist. Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit. Die fehlende Liquidität ist nur das Endergebnis von allem, was vorher nicht gut gelaufen ist.

Dahinter steht ein einfaches Bild: Es gibt nur zwei Zustände in Deinem Unternehmen. Entweder Du steuerst, oder Du wirst getrieben – dazwischen gibt es nichts. Steuern heißt: Du weißt, wo Du stehst, wohin Du willst und was als Nächstes zu tun ist. Getrieben werden heißt: Du reagierst. Auf den Anruf, auf die Reklamation, auf den Mitarbeiter, der kündigt, auf den Kontostand. Immer in der Reaktion, nie vorne.

Das Tückische: Beides fühlt sich gleich anstrengend an, beides füllt zwölf Stunden am Tag. Der Unterschied ist nicht die Menge der Arbeit. Der Unterschied ist, ob Du die Richtung vorgibst – oder die Richtung vorgegeben bekommst.

Steuerbarkeit ist dabei kein Gefühl, sondern eine Fähigkeit: Dein Unternehmen verlässlich dahin zu bewegen, wo Du es haben willst, ohne dass Du selbst an jedem Hebel ziehen musst. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht „Geht es dem Unternehmen gut?" – die beantwortest Du mit Ja, solange Geld auf dem Konto ist. Die entscheidende Frage lautet: Steuere ich noch, oder werde ich getrieben?

Die Liquidität ist nicht der Anfang Deiner Krise. Sie ist nur der Ort, an dem sie sichtbar wird.

Dieser Satz ist der Kern von Folge 23 von Chefsache Krise: „Krise ist Verlust von Steuerbarkeit – wie sie Dir leise verloren geht" – Jetzt anhören.
Teilen:

30. Juni 2026

Lesefassung Folge 23: Krise ist Verlust von Steuerbarkeit – wie sie Dir leise verloren geht

Zahlungsstockung, Konto am Anschlag – für die meisten beginnt da die Krise. Tatsächlich ist das fehlende Geld nur das Endergebnis. Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit, und die geht Dir leise verloren, Schritt für Schritt. Die Urfolge von Chefsache Krise: was Steuerbarkeit ist, an welchen Signalen sie kippt und wie Du sie zurückholst.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

25. Juni 2026

Der erste Dominostein

Viele Unternehmer in Schieflage glauben, die Wende koste Millionen. Oder sie verlange, das Rad neu zu erfinden. Meine Erfahrung ist eine andere: Vieles davon ist mit Bordmitteln zu bewerkstelligen. Zum Teil sind es kleinere Veränderungen – wir müssen nur gemeinsam herausfinden, welche.

Vergleich Dein Unternehmen mit einer Dominokette: Irgendein Stein ist der erste. Wenn Du ihn identifizierst und umkippst, kippen alle anderen von selbst. Genau das ist meine Aufgabe, wenn ich in ein Unternehmen gehe – diesen ersten Dominostein zu finden. Manchmal sind es auch drei oder vier Ketten. Aber jede dieser Ketten beginnt immer mit einem ersten Stein, und das sind meistens Kleinigkeiten.

Manche dieser Steine liegen nicht einmal im Betrieb, sondern in der Persönlichkeitsstruktur des Unternehmers – und lassen sich zum Beispiel mit einem Führungsseminar beheben, weil danach der Umgang mit dem Personal ein anderer ist.

Und eines sind diese ersten Steine so gut wie nie: Tools. Du brauchst keine weitere App auf dem Handy. In der Regel sind es Dinge in der Organisation Deines Unternehmens, die Du umstellen musst, um ein angenehmeres Leben zu haben.

Denn darum geht es am Ende: Dein Leben könnte entspannt sein, wenn Du ein paar Dinge bei Geschäftsmodell, Strategie und Organisation anders machen würdest. Du könntest drei Wochen in den Urlaub fahren – oder Dich dagegen entscheiden, aber weil Du keine Lust hast, nicht weil Du nicht kannst. Das ist der Unterschied zwischen einem Unternehmen, das Dich trägt, und einem, das Du täglich mit der Sandschaufel vor dem Buschbrand rettest.

Deine Krise braucht selten Millionen. Meistens braucht sie den einen Stein, der alle anderen kippt.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 22 von Chefsache Krise: „Niemand wacht morgens auf und ist insolvent – Krise hat fünf Stadien" – Jetzt anhören.
Teilen:

24. Juni 2026

Rechtsanwalt ist kein Geschäftsmodell

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Geschäftsmodell und Strategie? Das verschwimmt bei vielen. Dabei entscheidet genau diese Unterscheidung darüber, wo Du ansetzt, wenn das Geld nicht reicht.

Ein Beispiel: Rechtsanwalt ist kein Geschäftsmodell. Rechtsanwalt ist eine Berufsbezeichnung. Und nebenbei: Sie ist auch kein Garant dafür, viel Geld zu verdienen – es gibt Rechtsanwälte, die wirtschaftlich in Not sind.

Das Geschäftsmodell beantwortet die Frage, was Du tust und wie Du die Dinge tust. Als Rechtsanwalt könnte es lauten: Ich konzentriere mich auf Familienrecht und, weil es dazu passt, auf Vertragsrecht – und ich baue eine Kanzlei, die genau auf diese beiden Rechtsfelder spezialisiert ist. Kein Verkehrsrecht, nichts anderes.

Die Strategie kommt danach: Wie setze ich dieses Geschäftsmodell in die Praxis um? Wie gewinne ich meine Mandanten? Welche Mitarbeiter brauche ich?

Warum ist das wichtig? Weil mangelnde Rentabilität immer das Ergebnis falscher oder falsch umgesetzter Strategie ist – und die schönste Strategie nicht funktioniert, wenn das Geschäftsmodell nicht funktioniert. Steckt unser Rechtsanwalt in der Liquiditätskrise, muss er deshalb genau diese Fragen stellen: Stimmt meine Strategie? Und bin ich überhaupt richtig aufgestellt – bin ich als Familienrechtler vielleicht ein knochiger Typ, dem es an Empathie mangelt, und wäre woanders besser aufgehoben?

Das funktioniert bei jedem Unternehmen, egal in welcher Größe – ob Amazon, Handwerker, Freiberufler oder Online-Shop: Du brauchst ein funktionierendes Geschäftsmodell und eine saubere Strategie, die es umsetzt. Erst dann lohnt sich der Blick auf alles andere.

Dein Beruf steht auf der Visitenkarte. Ob Du davon leben kannst, entscheidet Dein Geschäftsmodell.

Das ganze Beispiel – und die komplette Kette vom Geschäftsmodell bis zur Insolvenz – gibt es in Folge 22 von Chefsache Krise: „Niemand wacht morgens auf und ist insolvent – Krise hat fünf Stadien" – Jetzt anhören.
Teilen:

18. Juni 2026

Frisches Geld heilt nichts

Stell Dir vor, Du steckst in der Liquiditätskrise – und es gelingt Dir tatsächlich, noch einmal hunderttausend Euro von der Bank zu bekommen. Was passiert dann? Ich habe es oft genug gesehen: Der Unternehmer schmeißt sich in den Sessel, wischt sich den Schweiß von der Stirn – und macht genau das, was er vorher auch gemacht hat. Weil er froh ist, es geschafft zu haben, und es schon irgendwie gut gehen wird.

Nein. Wird es nicht.

Wenn Du dem Unternehmen frische Liquidität zuführst und so weitermachst wie bisher, passiert genau dasselbe wie vorher: Ist das Geld aufgebraucht, stehst Du wieder am selben Punkt – nur mit mehr Schulden. Das ist überall im Leben so: Wenn Du abnehmen willst, aber weiter futterst wie vorher, nimmst Du nicht ab.

Frisches Geld hilft Dir nur, wenn Du gleichzeitig vorne in der Kette etwas veränderst. Denn die Liquiditätskrise ist nicht die Krankheit, sie ist das Symptom. Davor liegt eine Rentabilitätskrise: Das Unternehmen verdient nicht genug. Davor eine Strategie, die falsch ist oder falsch umgesetzt wird. Und ganz vorne das Geschäftsmodell – die Mutter des Ganzen.

Verstehe mich richtig: Wenn der Ballast weg ist und niemand mehr anruft, um Geld einzutreiben, darfst Du Dich gerne zwei Wochen erholen. Aber dann musst Du ran an die drei Fragen: Warum bleibt nicht genug Geld übrig? Stimmt meine Strategie? Funktioniert mein Geschäftsmodell? Erst wenn Du die beantwortest, hat das frische Geld seinen Zweck erfüllt – als Puste für den Weg raus, nicht als Verlängerung des Wegs rein.

Frisches Geld kauft Dir keine Lösung. Es kauft Dir Zeit, eine zu bauen – wenn Du sie nutzt.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 22 von Chefsache Krise: „Niemand wacht morgens auf und ist insolvent – Krise hat fünf Stadien" – Jetzt anhören.
Teilen:

17. Juni 2026

Krise ist kein Zeitpunkt. Krise ist eine Kette.

Du wachst nicht morgens auf, reibst Dir die Augen und bist insolvent. Das passiert nicht. In all den Jahren meiner Arbeit habe ich genau zwei Fälle erlebt, in denen ein Unternehmen quasi über Nacht gekippt ist – einmal durch ein böses Gerücht, einmal durch einen Produkthaftungsfall mit kompletter Chargen-Rücknahme. Der Regelfall sieht anders aus: Man kann drei, vier, fünf Jahre vorher sehen, dass ein Unternehmen auf dem Weg in die Insolvenz ist.

Denn Insolvenz ist kein Zeitpunkt. Sie ist eine Zustandsveränderung Deines Unternehmens – und die läuft in fünf Stadien ab. Stell sie Dir als Linie vor:

Geschäftsmodell – Strategie – Rentabilität – Liquidität – Insolvenz.

Die Kette liest sich so: Ein Geschäftsmodell, das nicht funktioniert, lässt die schönste Strategie ins Leere laufen. Eine falsche oder falsch umgesetzte Strategie führt zu mangelnder Rentabilität – das Unternehmen verdient nicht genug Gewinn. Zu wenig Gewinn führt irgendwann zu zu wenig Liquidität. Und fehlende Liquidität ist nicht der Anfang der Krise, sondern ihr Ende: Zahlungsunfähigkeit heißt Insolvenz. Deshalb ist Cash die wichtigste Kennzahl Deines Unternehmens – sie entscheidet über die Insolvenz. Aber sie entsteht ganz links in der Kette.

Das ist die eigentlich gute Nachricht: Je weiter links Du ansetzt, desto mehr Zeit hast Du. Eine Rentabilitätskrise kündigt sich über zwei bis drei Jahre an. Wer dort handelt, muss nie über Liquidität reden.

Also, sei ehrlich zu Dir: Wo auf dieser Linie steht Dein Unternehmen gerade?

Die Insolvenz ist nicht der Anfang Deiner Krise. Sie ist das Ende einer Kette, die Du Jahre vorher hättest sehen können.

Alle fünf Stadien im Detail – woran Du jedes erkennst und was Du jeweils tun kannst – hörst Du in Folge 22 von Chefsache Krise: „Niemand wacht morgens auf und ist insolvent – Krise hat fünf Stadien" – Jetzt anhören.
Teilen:

16. Juni 2026

Lesefassung Folge 22: Niemand wacht morgens auf und ist insolvent – Krise hat fünf Stadien

Niemand wacht morgens auf und ist insolvent. Die Insolvenz kündigt sich Jahre vorher an – über fünf Stadien, vom Geschäftsmodell über Strategie und Rentabilität bis zur Liquiditätskrise. Wie Du erkennst, in welchem Stadium Dein Unternehmen steht, und was Du jeweils tun kannst: die komplette Lesefassung von Folge 22.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

12. Juni 2026

Planungsrechnung

4 Punkte, die eine gute Planungsrechnung braucht:

  1. Monatliche Aufschlüsselung – nicht nur jährlich
  2. Umsatz, Wareneinsatz, Personal, sonstige Kosten
  3. Drei Jahre voraus
  4. Regelmäßiger Abgleich mit den echten Zahlen

Planen ist keine Hellseherei. Planen ist Disziplin.

Mehr davon? Alle 14 Tage im Podcast Chefsache Krise. Und wenn es bei Dir gerade um mehr geht: das vertrauliche Gespräch – 45 Minuten, kostenfrei.
Teilen:

11. Juni 2026

Drei Fragen vor dem Schlafengehen: Der Steuerbarkeits-Check

Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit – und Steuerbarkeit steht auf drei Säulen: Strategie, Operating Model, Controlling. Eine Strategie ohne Operating Model ist reines Wunschdenken. Ein Operating Model ohne Controlling ist Blindflug. Ob bei Dir eine Säule wackelt, findest Du heute Abend heraus – ohne Berater, ohne Software.

Schreib Dir, bevor Du schlafen gehst, drei Sätze auf. Einer pro Säule, nicht länger als eine Minute pro Frage. Dein Bauchgefühl reicht.

  1. Strategie: Weiß ich, wohin mein Unternehmen in den nächsten drei Jahren will – oder fahre ich immer nur auf Sicht?
  2. Operating Model: Läuft meine Firma, weil das System sie trägt – oder weil ich jeden Morgen um sechs im Büro bin und abends um acht erst wieder rausgehe?
  3. Controlling: Kann ich jeden Monat sehen, wo ich stehe – oder weiß ich das erst, wenn die BWA vom Steuerberater kommt, anderthalb Monate später?

Das Entscheidende: Die Antworten sind gar nicht so wichtig wie die Tatsache, dass Du diese drei Fragen überhaupt stellst – und sie ehrlich beantwortest. Kein Schönreden, kein „läuft schon irgendwie". Drei Minuten Ehrlichkeit mit Dir selbst.

Denn Krisen erkennst Du in der Rückschau oft fünf, sechs Jahre vorher. Diese drei Fragen sind Dein frühester Blick darauf – lange bevor eine Zahl im Minus steht. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt.

Wenn eine dieser drei Antworten wackelt, weißt Du genau, wo Du hinschauen musst – bevor mangelnde Liquidität Dich dazu zwingt, dorthin zu schauen.

Zwanzig Minuten für den nächsten Weg ins Büro – die Folge hinter diesem Selbsttest ist Folge 21 von Chefsache Krise: „Neuer Name, neuer Fokus: Chefsache Krise – und warum Liquidität nicht der Anfang einer Krise ist" – Jetzt anhören.
Teilen:

10. Juni 2026

Verwässere nie Deine Strategie: Wer alles macht, gewinnt nur noch über den Preis

Stell Dir vor, Du hast einen Malereibetrieb, und die Umsätze laufen nicht. Die meisten reagieren dann gleich: Sie nehmen jeden Auftrag von jedem an, der um die Ecke kommt.

Klingt vernünftig. Ist es nicht. Denn es ist ein totaler Unterschied, ob Du für eine Privatperson das Wohnzimmer streichst oder für eine Wohnungsbaufirma das Treppenhaus. Zwei völlig verschiedene Kunden, ganz andere Preissensibilität, andere Anforderungen: Die Wohnungsbaufirma will Zuverlässigkeit, ordentliche Qualität und Tempo – Treppenhaus fertig, nächstes Treppenhaus. Der Privatmensch will, dass es toll aussieht, kein Dreck entsteht und der Maler wieder verschwindet, ohne dass man merkt, dass er da war. Du brauchst unterschiedliche Mitarbeiter, eine unterschiedliche Angebotsstruktur. Es ist ein anderes Business.

Wer beides macht, macht alles und nichts. Und wer für alles und jeden arbeitet, kann Aufträge nur noch über eine einzige Sache gewinnen: den Preis.

Es geht auch anders. Ich kenne Malereibetriebe, die kein Angebot unter weit fünfstellig herausgeben – nicht weil sie bessere Pinsel oder tollere Leitern haben, sondern weil sie Ideen und ein starkes Marketing haben. Einer klebt ein kleines Metallplättchen in den Fußboden: „Gemalt von Malermeister Soundso". Ein Prädikat. Und ums Verrecken würde der niemals ein Treppenhaus streichen.

Die Lektion gilt für jede Branche: Wenn die Aufträge fehlen, passe nicht die Strategie an, sondern das Operating Model – den Marketing-Prozess, Deine Netzwerke, die Frage, warum Du die Aufträge nicht bekommst. Und miss dann über das Controlling, ob das, was Du Dir ausgedacht hast, auch tatsächlich passiert.

Eine verwässerte Strategie fühlt sich an wie mehr Markt – in Wahrheit ist es der Anfang vom Verlust der Steuerbarkeit.

Das ganze Maler-Beispiel und das SOC-Modell dahinter gibt es in Folge 21 von Chefsache Krise: „Neuer Name, neuer Fokus: Chefsache Krise – und warum Liquidität nicht der Anfang einer Krise ist" – Jetzt anhören.
Teilen:

4. Juni 2026

Die Beratungslücke: Wen fragst Du, wenn es knirscht?

Du spürst, dass in Deinem Unternehmen etwas nicht rund läuft. Du weißt nicht genau, was. Die spannende Frage lautet: Wo gehst Du damit hin? Wen fragst Du? Und da haben wir ein Riesenproblem – denn es gibt vier übliche Adressen, und keine schließt die Lücke.

Der Steuerberater macht Management per Rückspiegel. Er schaut auf die Zahlen, aber nach hinten – mit anderthalb bis zwei Monaten Zeitversatz, wenn die Buchhaltung fertig ist, oder anderthalb Jahre später mit dem Jahresabschluss. Er kann nicht sehen, wenn etwas kippt. Er sieht nur, dass etwas gekippt ist.

Der Unternehmensberater liefert nach gefühlten drei Monaten achtzig Seiten Präsentationsfolien. Du liest sie, legst sie in die Schublade, bezahlst die Fünfzehntausend-Euro-Rechnung – und im Unternehmen ändert sich nichts.

Der Sanierer kommt erst, wenn Du voll drin steckst und kein anderer mehr helfen kann.

Der Coach redet von Motivation, vom morgendlichen Eisbad und vom Meditieren. Der hilft vielleicht bei der Stimmung.

Gebraucht wird aber keine Motivation. Gebraucht wird ein System: Klarheit, ein Weg und eine Reihenfolge, was zu tun ist. Genau in diese Beratungslücke stoßen Inhaber kleiner Unternehmen permanent – zwischen dem Blick nach hinten, dem Papier für die Schublade, der letzten Rettung und der guten Laune.

Wer Dir nur Zahlen von gestern, Folien für die Schublade oder Motivation für morgen verkauft, lässt Dich mit dem Problem von heute allein.

Wie die Beratung aussieht, die diese Lücke schließt, hörst Du in Folge 21 von Chefsache Krise: „Neuer Name, neuer Fokus: Chefsache Krise – und warum Liquidität nicht der Anfang einer Krise ist" – Jetzt anhören.
Teilen:

3. Juni 2026

Liquidität ist das Ende der Krise, nicht der Anfang

Frag zehn Unternehmer, was eine Krise ist, und die meisten antworten: „Die Liquidität ist weg." Übrigens antworten die meisten Berater genauso. Das ist nicht falsch – aber es ist viel zu spät.

Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit. Nicht Liquiditätsmangel, nicht Insolvenz. Krise beginnt in dem Moment, in dem Du Dein Unternehmen nicht mehr in die Richtung bekommst, in die es wirklich soll. Dieses diffuse Gefühl, dass irgendetwas nicht funktioniert, das Du nicht greifen kannst – genau da fängt Krise an. Die Liquidität kommt erst ganz am Ende der Fahnenstange. Krise ist kein Zustand, in dem Du morgens aufwachst; sie ist eine Skala, die läuft. In der Rückschau kannst Du Krisen zum Teil fünf, sechs Jahre vorher erkennen.

Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? Weil sie bestimmt, wo Du ansetzt. Häufig kommt jemand zu mir und möchte, dass ich mit ihm zur Bank gehe, um ein neues Darlehen zu holen. Kann man machen. Nur: Wenn Du im System nichts veränderst, sitzt Du, sobald das Darlehen aufgebraucht ist, mit denselben Problemen da – nur mit mehr Schulden. Frisches Geld löst vielleicht einen Engpass. Das strukturelle Problem löst es nie.

Wenn Du einmal verstanden hast, dass Liquiditätsmangel das Ende einer Krise ist und nicht ihr Anfang, brauchst Du schlagartig keine Beratung mehr, die sich nur um Liquidität dreht. Dann suchst Du dort, wo die Kette beginnt: bei der Steuerbarkeit.

Wer erst reagiert, wenn das Konto leer ist, bekämpft das letzte Glied einer Kette, deren Anfang er nie gesucht hat.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 21 von Chefsache Krise: „Neuer Name, neuer Fokus: Chefsache Krise – und warum Liquidität nicht der Anfang einer Krise ist" – Jetzt anhören.
Teilen:

2. Juni 2026

Lesefassung Folge 21: Neuer Name, neuer Fokus: Chefsache Krise – und warum Liquidität nicht der Anfang einer Krise ist

Der Podcast bekommt einen neuen Namen – und einen schärferen Fokus. Warum fast alle Anfragen aus der Community mit Krise zu tun haben, warum Liquiditätsmangel nicht der Anfang einer Krise ist, sondern ihr Ende, und wie die drei Säulen Strategie, Operating Model und Controlling Deine Steuerbarkeit sichtbar machen: die komplette Lesefassung von Folge 21.

Weiterlesen – 9 Minuten

Teilen:

28. Mai 2026

Ein Zettel, fünf Stufen, ein roter Filzer

Wo steht Dein Unternehmen im Marketing gerade? Das findest Du in einer halben Stunde heraus – ohne Agentur, ohne Berater.

Blocke Dir dreißig Minuten zu einem Zeitpunkt, an dem Du fit im Kopf bist. Nimm einen Zettel und einen Stift und schreib die fünf Stufen des Marketings untereinander: Unternehmensleitbild, Marke, Marketingstrategie, Werbung, Vertrieb. Dann beantwortest Du zu jeder Stufe drei Fragen:

  1. Habe ich das? Ja, nein, halb?
  2. Falls ja: Ist das noch aktuell? Wann habe ich es zuletzt überprüft?
  3. Falls nein: Wie viel Geld gebe ich gerade aus – ohne dass diese Vorstufe geklärt ist?

Vor allem die dritte Frage tut weh. Denn sie deckt auf, wie viel Werbebudget gerade in ein System fließt, das es gar nicht gibt.

Dann nimmst Du den dicken roten Filzer und markierst die schwächste Stelle. Das ist die Stelle, an die Du als Erstes heran musst. Ich prophezeie Dir: Bei den meisten ist es das Leitbild. Große Unternehmen haben eines, weil sie es brauchen – inhabergeführte Unternehmen arbeiten fast nie damit. Wichtig ist es für Dich trotzdem, genauso wie für die Großen: Du musst wissen, wer Du bist. Wie willst Du sonst einem anderen erzählen, wer Du bist?

Wenn Du diesen Check gemacht hast, wirst Du feststellen: Du hast gar kein Werbeproblem. Du hast ein Strategieproblem und ein Systemproblem. Und das ist eine gute Nachricht – denn an einer Strategie und einem System kannst Du arbeiten. Neue Agenturen und neue Plattformen auszuprobieren, hat es bisher ja auch nicht gelöst.

Dreißig Minuten, ein Zettel, ein roter Filzer – mehr kostet es nicht, herauszufinden, wo Dein Marketing wirklich klemmt.

Zwanzig Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 20 von Chefsache Krise, „Marketing ist nicht Werbung – und dieser Irrtum kostet dich Geld (Marketing Teil 1)" – Jetzt anhören.
Teilen:

27. Mai 2026

Marke ist ein Bauchgefühl, kein Logo

Was ist eigentlich eine Marke? Marty Neumeier hat es so formuliert: Die Marke ist das Bauchgefühl, das ein Mensch hat, wenn er an Dich oder Deine Produkte denkt. Marke ist eine Emotion. Marke ist nicht das Logo, Marke ist nicht die Farbe – Logo und Farben können die Emotion transportieren, aber sie sind nicht die Marke.

Du kannst das besichtigen. Geh in einen Apple Store – auch wenn Du Apple-Produkte nicht magst, da kannst Du etwas lernen. Da wird nichts beworben, aber Du spürst etwas: große Bilder, kein Kassentresen, niemand drängt Dich zum Kauf. In fast jedem anderen Geschäft läuft die Sichtachse von der Tür direkt auf die Kasse – hier nicht. Das ist klar, das ist Premium. Nespresso hat es geschafft, kleine Kaffeekapseln zu einem horrenden Kilopreis mit einem Nimbus von Premium zu verkaufen. Und ich selbst miete meine Autos bei Sixt – obwohl ich weiß, dass es vielleicht ein paar Euro mehr sind. Interessiert mich nicht. Die Marke trifft bei mir einen Nerv, ich gehöre offensichtlich genau zur Zielgruppe. Würden Avis oder Europcar dieselbe coole Werbung machen, würde sie nicht funktionieren – weil dahinter eine andere Marke steht.

Jetzt sagst Du: Ich bin Dachdecker, was hat das mit mir zu tun? Denk einen Schritt weiter. Ich bin sicher, dass so etwas auch mit einer Dachdeckerei geht. Die Fragen sind dieselben: Was versprichst Du? Wie klingst Du? Wo kommst Du her, wen willst Du bedienen? Das kannst Du nicht an eine Agentur delegieren – denn das Gefühl entsteht überall dort, wo Kunden Deinem Unternehmen begegnen.

Dein Logo kannst Du in Auftrag geben. Das Bauchgefühl Deiner Kunden musst Du führen.

Das ganze Beispiel – vom Apple Store bis zur Eisdiele – gibt es in Folge 20 von Chefsache Krise: „Marketing ist nicht Werbung – und dieser Irrtum kostet dich Geld (Marketing Teil 1)" – Jetzt anhören.
Teilen:

21. Mai 2026

Die fünf Stufen des Marketings – in genau dieser Reihenfolge

Jedes funktionierende Marketing hat fünf Stufen. Nicht sollte – muss. Und die Reihenfolge ist nicht verhandelbar:

  1. Das Unternehmensleitbild. Warum machen wir, was wir tun – und was machen wir überhaupt? Ohne Leitbild dümpelst Du im Mittelmaß.
  2. Die Marke. Was sollen die Kunden über uns fühlen? Marke ist eine Emotion, kein Logo.
  3. Die Marketingstrategie. Der Plan, wie Dein Wunschkunde zu Deiner Marke findet.
  4. Die Werbung. Auf welchen Kanälen verteilen wir konkret unsere Botschaft?
  5. Der Vertrieb. Wie tüten wir den Deal ein?

Der teuerste Fehler: Die meisten Unternehmer steigen direkt bei Stufe vier ein. Sie buchen Werbung, ohne zu wissen, wer der Zielkunde ist – und können deshalb nicht einmal beurteilen, ob eine Werbemaßnahme gut ist. Denn Werbung ist nur dann gut, wenn sie nützt: wenn sie die Strategie erfüllt, auf die Marke einzahlt und das Leitbild lebendig macht.

Ein Beispiel: Du betreibst eine Eisdiele und willst einen Flyer machen, der Jugendliche und Rentner gleichzeitig anspricht. Das geht nicht. Die Rentner gehen Eis essen, um sich den Vormittag zu vertreiben und weil es an die Jugend erinnert; die Jugendlichen, weil sie ihre Freundinnen ausführen. Unterschiedliche Wünsche, unterschiedliche Ansprache, unterschiedliche Orte – den einen Flyer verteilst Du im Seniorenwohnheim, den anderen vor der Schule. Für wen Du ihn machst, kannst Du aber nur entscheiden, wenn Du oben angefangen hast und Dich heruntergearbeitet hast.

Wer die Reihenfolge nicht einhält, gießt mit der Gießkanne über das ganze Beet und hofft auf Zufallstreffer. Es gilt: System schlägt Intensität. Mehr Budget in ein fehlendes System zu kippen, lässt es nur schneller versickern.

Fünf Stufen, eine Reihenfolge: Wer unten bei der Werbung anfängt, bezahlt dafür, dass sie ins Leere läuft.

Wie die fünf Stufen im Einzelnen aussehen und wo Du ansetzt, hörst Du in Folge 20 von Chefsache Krise: „Marketing ist nicht Werbung – und dieser Irrtum kostet dich Geld (Marketing Teil 1)" – Jetzt anhören.
Teilen:

20. Mai 2026

Du sagst Marketing – und meinst Werbung

Die Umsätze dümpeln seit drei Quartalen, die Aufträge kommen nur kleckerweise – und dann fällt der Satz: „Wir müssen mal mehr Marketing machen." Also wird eine Agentur angerufen, das Logo neu gemacht, es gibt LinkedIn-Posts, einen Newsletter, Google Ads. Viel Geld, viel Zeit. Und dann passiert: nichts.

Der Grund ist ein Denkfehler, den neun von zehn Unternehmensinhabern machen: Sie sagen Marketing – und meinen Werbung. Logo, Flyer, Anzeigen, Kugelschreiber: Das alles ist Werbung. Marketing ist etwas anderes.

Peter Drucker hat es so formuliert: Marketing ist nicht eine Funktion neben anderen, sondern das gesamte Unternehmen, gesehen aus der Perspektive des Kunden. Der Store, das Personal, die Verpackung, die Website, der Tonfall am Telefon – alles ist Marketing. Und das Ziel von Marketing ist es, das Verkaufen überflüssig zu machen: Wenn Dein Marketing wirklich gut ist, kommen die Kunden von allein zu Dir.

Werbung dagegen ist nur der Verstärker – die Flüstertüte. Du musst erst etwas haben, das Du hineinrufen kannst: ein Leitbild, eine Marke, eine Strategie. Wer das nicht hat und trotzdem Werbung bucht, arbeitet nach dem Prinzip Gießkanne: Vielleicht triffst Du etwas – aber garantiert nicht die Kunden, die Du haben willst. Daraus wird ein Teufelskreis: keine Wirkung, also neue Agentur, wieder keine Wirkung, also neue Plattform – bis zur falschen Erkenntnis: „Marketing funktioniert bei uns nicht."

Doch. Es hat nur noch nie stattgefunden.

Werbung ist die Flüstertüte. Marketing entscheidet, ob Du etwas hast, das es wert ist, hineingerufen zu werden.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 20 von Chefsache Krise: „Marketing ist nicht Werbung – und dieser Irrtum kostet dich Geld (Marketing Teil 1)" – Jetzt anhören.
Teilen:

19. Mai 2026

Lesefassung Folge 20: Marketing ist nicht Werbung – und dieser Irrtum kostet Dich Geld

Die Umsätze dümpeln, also heißt es: „Wir müssen mal mehr Marketing machen." Dann werden Logo, Posts und Anzeigen bezahlt – und nichts passiert. Der Grund ist ein Denkfehler, den neun von zehn Unternehmensinhabern machen. Was Marketing wirklich ist, welche fünf Stufen es braucht und wo Du gerade stehst: die Lesefassung von Folge 20.

Weiterlesen – 11 Minuten

Teilen:

14. Mai 2026

Dein Banker mag Dich noch. Er darf nur nicht mehr.

Viele Unternehmer haben noch dieses Bild im Kopf: Ich bin seit dreißig Jahren bei meiner Sparkasse, ich gehe zu meinem Banker, sage ihm kurz, was ich brauche, und dann macht er das. Vergiss es. Und zwar nicht, weil er Dich nicht mehr mag – sondern weil er nicht mehr darf.

Die Bank von heute ist ein anderes Unternehmen als die Bank von vor fünf Jahren. Erstens ist sie intern bewusst getrennt: Vorne sitzt Dein Bankberater – im Kern ein Vertriebler. Die Entscheidung trifft die Marktfolge, Menschen, die abgeschottet vor ihren Rechnern sitzen und völlig unvoreingenommen, ohne emotionale Bezugsgrößen, nur auf Faktenlage urteilen. Die kommen nicht einmal mit ins Gespräch. Genau so ist es gewollt, damit keine Kredite mehr vergeben werden, weil man zusammen Tennis spielt.

Zweitens die Regulatorik: Banken sind eigentlich dafür da, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Aber nach Lehman Brothers hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben. Kredite, die kurz vor Not leiden, dürfen Banken faktisch nicht mehr vergeben – selbst wenn sie wollten. Legst Du fünf Barren Gold auf den Tisch und willst zweitausend Euro, bekommst Du sie. Alles andere nicht.

Und drittens der Mensch: Welcher junge Banker, der Karriere machen will, packt sich freiwillig die Akte mit Wackelkrediten voll? Denn die Bank interessiert ein Prozentpunkt Zins viel weniger, als ihr Kapital wiederzubekommen. Lehman ist nicht untergegangen, weil das Geld zu billig war – sondern an den faulen Krediten in der Bilanz.

Was folgt daraus? Hör auf, auf den Handschlag von früher zu hoffen. Die Bank kann nur noch Fakten finanzieren – also bring Fakten mit: Liquiditätsplan, Planungsrechnung, einen Berater, der die Sprache der Bank spricht.

Dreißig Jahre Kundentreue sind kein Kreditargument mehr. Dein Liquiditätsplan ist eins.

Warum die Bank Dich nicht retten kann – und wer es stattdessen tut: Das ganze Gespräch mit Birgit Eschbach in Folge 19 von Chefsache Krise: „Unternehmenskrise: Warum der Steuerberater wichtiger ist als die Bank" – Jetzt anhören.
Teilen:

13. Mai 2026

Das Bankgespräch ist ein Verkaufsgespräch

Wenn Du Deinen Gebrauchtwagen verkaufst, machst Du vorher eine Motorwäsche, saugst ihn aus und polierst ihn. Und dann gehst Du unvorbereitet ins Bankgespräch, an dem Dein Unternehmen hängt?

Ein Bankgespräch ist ein Verkaufsgespräch. Es muss choreografiert sein – nicht geskriptet, aber vorbereitet. Das beginnt bei den Unterlagen: Wer fünfzigtausend Euro will, muss über einen Liquiditätsplan nachweisen, dass die Lücke tatsächlich fünfzigtausend beträgt. „Das spüre ich" wird nichts. Und rechne nicht zu knapp: Wer nach vierzehn Tagen wiederkommt und nachbeantragt, hat verloren. Reicht die Summe laut Plan nicht, sagt die Bank selbst – beantragen Sie lieber das Doppelte.

Dann kommt die Frage, die in jeder Krisenabteilung fällt: Wie sind Sie in diese Situation gekommen? Wer jetzt Löcher in die Luft guckt oder die Weltlage bemüht, ist raus. Die Antwort muss wie aus der Pistole geschossen kommen: Erstens das habe ich gemacht, zweitens das habe ich nicht gemerkt, drittens das ist schiefgegangen. Diese Fehler habe ich abgestellt, diese Maßnahmen laufen – und die Wirkung sehen Sie im Liquiditätsplan der nächsten zwölf Monate.

Lohnt sich die Ehrlichkeit? Ich saß mit einem Unternehmer in der Krisenabteilung, der sagte: Ich hatte drei Jahre private Themen, ich hatte Bretter vor den Augen, mein Berater hat mir alle zwei Wochen E-Mails geschrieben und ich habe auf Löschen gedrückt. Antwort des Bankers: Vielen Dank für die Ehrlichkeit. Dann wollen wir mal gucken, wie wir helfen können.

Denn Dein Banker muss Deinen Fall in seine Gremien tragen – mit schlechten Unterlagen blamiert er sich dort. Du musst dem Banker helfen, damit er Dir helfen kann. Emotionen, Hoffnung, Augenklimpern: Das alles hat im Bankgespräch nichts zu suchen. Fakten und ein Plan schon.

Die Bank kauft keine Geschichte – sie kauft den Beweis, dass Du verstanden hast, warum es gebrannt hat.

Das komplette Gespräch über Banken, Marktfolge und die richtige Vorbereitung gibt es in Folge 19 von Chefsache Krise: „Unternehmenskrise: Warum der Steuerberater wichtiger ist als die Bank" – Jetzt anhören.
Teilen:

7. Mai 2026

Ein Frühwarnsystem ist keine Quantenphysik

Es gibt Unternehmen mit siebenstelligem Umsatz, die keine Liquiditätsvorschau haben. Nicht, weil ein Frühwarnsystem kompliziert wäre – es klingt nur so. Frühwarnsystem hört sich nach Quantenphysik an. Ist es nicht.

Es fängt damit an, dass Deine letzte BWA auf Deinem Tisch liegt, dass Du sie lesen kannst und weißt, worauf Du achten musst. Ein Beispiel aus meiner Praxis: Ein Mandant bekam zu seiner BWA eine transparente Folie. Darauf waren mit wasserfestem Stift die entscheidenden Stellen eingekringelt, daneben die erlaubten Spannen – etwa sechsunddreißig bis zweiundvierzig Prozent. Folie auf die BWA legen, vergleichen. Die Regel: Verlässt eine Zahl ihre Spanne oder nähert sie sich den Rändern, rufst Du mich an. Fertig. Das ist ein Frühwarnsystem, das für Dich lauert.

Wichtig: die Monats-BWA, nicht die Jahreszahlen. Und ja, eine BWA kommt nachgelagert – optimal früh ist das nicht. Aber allemal besser, als sie in die Rundablage zu werfen.

Welche Kennzahlen gehören auf Deine Folie? Die hast Du längst im Kopf. Gib Deinem Unternehmen eine Schulnote von eins bis sechs. In den Sekunden, in denen Du überlegst, ratterst Du Zahlen durch: Auftragslage, Bankbestand, wie es mit den Mitarbeitern läuft. Genau das schreibst Du auf einen Zettel – das sind offensichtlich die Metriken, mit denen Du Dein Unternehmen einschätzt. Damit gehst Du zu Deinem Steuerberater: Das sind die Kennzahlen, die ich brauche. Hast Du welche, die ich brauchen sollte? Dann kommt je nach Branche die Wareneinsatzquote dazu, die Personalkostenquote, die Obergrenze der Gesamtkosten. Und wenn Cash auf Deiner Liste fehlt: Der Cashflow gehört immer dazu.

Dein Frühwarnsystem existiert schon – in Deinem Kopf. Du musst es nur auf einen Zettel schreiben und ihm eine Spanne geben.

Wie aus dem Frühwarnsystem die Planungsrechnung wird und warum beides Dich vor der Krise bewahrt, hörst Du in Folge 19 von Chefsache Krise: „Unternehmenskrise: Warum der Steuerberater wichtiger ist als die Bank" – Jetzt anhören.
Teilen:

6. Mai 2026

Geh nicht zur Bank. Geh zu Deinem Steuerberater.

Wenn es eng wird, führt der erste Weg der meisten Unternehmer zur Bank. Der richtige erste Weg führt zum Steuerberater.

Birgit Eschbach hat es anders gemacht – und bereut es. Ihre Eventagenturen waren in der Corona-Zeit von heute auf morgen einsatzunfähig, zwei Jahre extreme finanzielle Sorgen. Aufgewachsen mit dem Satz „Sorgen löst man allein" ging sie zur Bank und steckte ihr Privatvermögen in die Firma. Sie hat es geschafft, ohne Insolvenzverwalter. Ihr Fazit trotzdem: Ich hätte mir Sorgen sparen können – und Geld.

Warum der Steuerberater zuerst? Wenn Du ein Thema hast, mit dem Du nicht klarkommst, gehst Du zum Arzt. Der Hausarzt des Unternehmers ist der Steuerberater. Er kennt Deine Zahlen, er weiß, was die Bank sehen will, bevor Du dort sitzt – und wenn er Dein Problem nicht selbst lösen kann, kennt er jemanden, der es kann.

Und woran merkst Du, dass es so weit ist? An einem einfachen Test: Wenn Du den Gedanken hast, Oma zu fragen, weißt Du – hier stimmt was nicht. Setz für Oma jeden anderen privaten Geldgeber ein. Wer private Aktien auflöst oder das Haus der Familie beleiht, ist längst in der Krise.

Je früher Du gehst, desto mehr ist möglich. Wolfgang Grupp bringt es auf den Punkt: Jedes große Problem war zu Anfang ein kleines Problem. Hätte man es klein gelöst, gäbe es jetzt kein großes.

Die Bank ist nicht Dein erster Ansprechpartner in der Krise – sie ist die Prüfung, auf die Dich Dein Steuerberater vorbereitet.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 19 von Chefsache Krise: „Unternehmenskrise: Warum der Steuerberater wichtiger ist als die Bank" – das ganze Gespräch mit Birgit Eschbach: Jetzt anhören.
Teilen:

5. Mai 2026

Lesefassung Folge 19: Unternehmenskrise: Warum der Steuerberater wichtiger ist als die Bank

Birgit Eschbach stand mit ihren Eventagenturen in der Corona-Zeit kurz vor der Insolvenz – und ging zur Bank statt zum Steuerberater. Warum das der falsche Weg war, warum die Bank Dich heute gar nicht mehr retten darf und wie Du mit Frühwarnsystem und Planungsrechnung gar nicht erst in die Krise kommst: die komplette Lesefassung von Folge 19.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

30. April 2026

Verschleppung: Jeder Monat geht auf Deine private Rechnung

Vielen Unternehmern ist der Umfang des Haftungspotenzials nicht klar, das sie mit sich herumschleppen. Fachanwalt Claudius Finkbeiner rechnet es vor: Als GmbH-Geschäftsführer haftest Du schlimmstenfalls persönlich für das, was nach Eintritt der Insolvenzreife noch an Zahlungen geleistet wird. Machst Du rund hunderttausend Euro Umsatz im Monat, summiert sich Dein Haftungspotenzial in der Verschleppung jeden Monat etwa um das, was Du an Cash heraustust. Läuft das über einen längeren Zeitraum, wird es schnell sehr teuer – am Ende drohen zivilrechtliche und strafrechtliche Haftung, schlimmstenfalls die Privatinsolvenz.

Die Uhr läuft dabei früher los, als Du denkst: Insolvenzreife stellst Du nicht am Gefühl fest, sondern an den Zahlen. Wer die nicht kennt, sammelt Haftung, ohne es zu merken.

Und wenn Du es merkst? Dann bitte keine kopflosen Maßnahmen. Der Klassiker – schnell noch das halbe Haus auf die Ehefrau übertragen – ist ohne Beratung keine gute Idee. Du musst nämlich zwischen Dir als Person und dem Unternehmen unterscheiden: Als Geschäftsführer bist Du privat vielleicht noch gar nicht in der Krise, die GmbH aber schon. Überträgst Du privat etwas, machst Du Dich wahrscheinlich nicht strafbar. Überträgst Du etwas aus der GmbH, hast Du ein Thema.

Deshalb der Weg, der funktioniert: mit einem Berater die für Dich persönlich wichtigen Schritte und die fürs Unternehmen wichtigen Schritte getrennt angehen. Je rechtzeitiger Du losgehst, desto größer ist die Chance, dass die Sanierungsmöglichkeiten der Insolvenzordnung noch greifen – und desto kleiner die Rechnung, die an Dir persönlich hängen bleibt.

Nach der Insolvenzreife arbeitet Dein Unternehmen nicht mehr für Dich – es arbeitet gegen Dein Privatvermögen.

Das ganze Gespräch über Haftung, Verteidigungslinien und den Weg zurück gibt es in Folge 18 von Chefsache Krise: „Wer seine Zahlen nicht kennt, merkt die Insolvenz erst beim Aufschlag – mit Claudius Finkbeiner" – Jetzt anhören.
Teilen:

29. April 2026

Die vier Verteidigungslinien des Unternehmers

Insolvenzberater sind typische Schmerzdienstleister: Die Leute kommen, wenn es wehtut – nicht, weil es strategisch sinnvoll ist. Dabei ist das Präventionspaket überschaubar. Fachanwalt Claudius Finkbeiner gibt Unternehmern vier Verteidigungslinien mit auf den Weg, die Du aufbaust, solange es Dir gut geht:

  1. Das Frühwarnsystem. Der tollste operative Betrieb bringt Dir nichts, wenn Du keine Ahnung hast, wo Du wirtschaftlich stehst. Liquiditätsplan statt Blick in die Kasse.
  1. Die D&O-Versicherung für GmbH-Geschäftsführer. Sie ist nicht teuer, sichert ein großes Risiko ab und übernimmt nicht nur die Deckung, sondern auch die Abwehr – also die Anwaltskosten für Deine Verteidigung gegen Vorwürfe. Verlass Dich beim Abschluss nicht allein auf den Makler: Lass Profis prüfen, ob die Police Dein tatsächliches Risiko abdeckt. Und schließ sie ab, solange Du keine Probleme hast – sonst bekommst Du keine mehr oder nur eine teure.
  1. Die Struktur im Unternehmen. Wenn Du Dir ein bisschen Bürokratie leisten kannst: Trenne die operative Betriebsgesellschaft, in der die Risiken stecken, von einer Besitzgesellschaft, die die Vermögenswerte hält. Für den Dienstleister mit ein paar Schreibtischen sinnfrei – eine eigene Betriebsimmobilie gehört aber separiert.
  1. Die private Vermögensstruktur. Gütertrennung, Ehevertrag – und der unternehmerisch tätige Partner wird nicht Miteigentümer der privaten Immobilie. Sehr vorausschauende Unternehmer regeln das. Die meisten nicht, denn Statistik sind immer die anderen.

Diese vier Linien machen Dich nicht zum besseren Unternehmer. Aber sie lassen Dich ruhiger schlafen und mit Bedacht entscheiden, weil Du unter Druck nicht kopflos wirst, sondern sagen kannst: Auf diesen Fall bin ich vorbereitet.

Die vier Verteidigungslinien machen Dich nicht zum besseren Unternehmer – aber zu einem, der in der Krise nicht kopflos wird.

Alle vier Linien im Detail – samt der Frage, was passiert, wenn sie fehlen – erklärt Fachanwalt Claudius Finkbeiner in Folge 18 von Chefsache Krise: „Wer seine Zahlen nicht kennt, merkt die Insolvenz erst beim Aufschlag – mit Claudius Finkbeiner" – Jetzt anhören.
Teilen:

23. April 2026

Der Insolvenzverwalter ist nicht Dein Freund

Das häufigste Missverständnis im Insolvenzverfahren: der Glaube, der Insolvenzverwalter sei jemand, der dem Unternehmer hilft. Ist er nicht. Wenn der Verwalter in Dein Unternehmen kommt, ist er im Auftrag Deiner Gläubiger da – und hat alles zu sichern, was an Wert vorhanden ist, um diese Gläubiger maximal mit Geld auszustatten. Deinen Interessen ist er nicht verpflichtet. Der Insolvenzverwalter ist nicht Dein Freund.

Das heißt nicht, dass er Dein Feind ist. Es heißt nur: Im Verfahren sitzt niemand automatisch auf Deiner Seite. Willst Du, dass Deine eigene Position bestmöglich gewahrt bleibt, brauchst Du einen eigenen Berater – im Zweifel vertritt der Dich auch gegen den Insolvenzverwalter.

Fachanwalt Claudius Finkbeiner nennt dazu ein Auswahlkriterium, auf das Du selbst kommen musst: Seine Kanzlei macht bewusst keine Insolvenzverwaltung, sondern ausschließlich Beratung. Dort kann niemand ein Interesse an dem Verfahren haben, das hinter Deinem Unternehmen stecken könnte. Und deshalb ist das erste Ziel dort immer, das Insolvenzverfahren zu vermeiden – etwa über einen außergerichtlichen Sanierungsplan: Prolongationen mit Lieferanten verhandeln, gemeinsam mit dem Steuerberater noch einmal mit den Banken ins Gespräch kommen. Denn ein Insolvenzverfahren kann wahnsinnig teuer sein und greift die Substanz des Unternehmens extrem an – selbst dann, wenn ein profitabler Kern erhalten bleibt.

Noch ein Hinweis: Dein Hausanwalt hilft Dir hier meistens nicht weiter. Der Fachanwalt für Fracht- und Speditionsrecht mag mit Dir ganz dicke sein – vom Instrumentenkasten des Insolvenzrechts hat er keine Ahnung. Hol Dir kundigen Rat vom Spezialisten.

Um Deine Gläubiger kümmert sich das Gesetz. Um Dich kümmert sich nur, wen Du selbst bestellst.

Wie Du Dir in der Krise die richtigen Leute an die Seite holst – und was sie noch vor dem Verfahren retten können –, hörst Du in Folge 18 von Chefsache Krise: „Wer seine Zahlen nicht kennt, merkt die Insolvenz erst beim Aufschlag – mit Claudius Finkbeiner" – Jetzt anhören.
Teilen:

22. April 2026

Zahlungsunfähig bist Du früher, als Du denkst

Der häufigste Satz, den Fachanwalt für Insolvenzrecht Claudius Finkbeiner von neuen Mandanten hört, lautet: „Wir werden wahrscheinlich Ende nächsten Monats die Löhne nicht mehr bezahlen können." Das ist die Benchmark – viele Unternehmer sind ihrem Team so verpflichtet, dass sie sagen: Wenn ich das nicht mehr schaffe, kann ich den Laden auch zumachen. Schlimmstenfalls kommt der Anruf Mitte des Monats: „Ende des Monats geht das Licht aus." Dann gibt es fast keinen Spielraum mehr.

Das Tückische: Wer diesen Satz sagt, ist rechnerisch meist schon zahlungsunfähig im Rechtssinn – obwohl er faktisch noch drei Wochen weitermachen könnte. Unser alltäglicher Begriff von Zahlungsunfähigkeit („die Kasse ist leer") und das, was das Gesetz meint, sind zwei verschiedene Dinge. Genau das ist die erste Falle, in die Unternehmer tappen.

Dabei hat die Insolvenzordnung viele Sanierungsoptionen in sich – für die, die rechtzeitig kommen. Meistens wird stattdessen bis zur letzten Patrone gekämpft, ohne dass jemand den strategischen Überblick hat, wo das Unternehmen steht.

Wie kommst Du früher dran? Nicht über ein Wundertool, sondern über Dein Zahlenwerk: eine Liquiditätsvorschau über die nächsten Wochen, die Dir zeigt, dass ein Problem auf Dich zukommt, bevor es da ist. Claudius erlebt eine professionelle Liquiditätsplanung selbst bei Unternehmen mit siebenstelligen Umsätzen ganz selten. Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit – und wer keine Liquiditätsvorschau hat, hat die Steuerbarkeit schon abgegeben, bevor die Krise überhaupt da ist.

Zahlungsunfähigkeit ist kein Gefühl, sondern eine Rechnung – und das Gesetz rechnet früher als Du.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 18 von Chefsache Krise: „Wer seine Zahlen nicht kennt, merkt die Insolvenz erst beim Aufschlag – mit Claudius Finkbeiner" – Jetzt anhören.
Teilen:

21. April 2026

Lesefassung Folge 18: Wer seine Zahlen nicht kennt, merkt die Insolvenz erst beim Aufschlag – mit Claudius Finkbeiner

Die meisten Unternehmer rufen erst an, wenn die Löhne wackeln – und sind dann rechtlich längst zahlungsunfähig. Fachanwalt Claudius Finkbeiner erklärt, woran Du eine drohende Insolvenz früh erkennst, welche vier Verteidigungslinien Dich schützen, warum der Insolvenzverwalter nicht Dein Freund ist und wie ein Neustart funktioniert. Die komplette Lesefassung von Folge 18.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

16. April 2026

Das Engpass-Audit: In 90 Minuten zum ersten Prozess

Der Engpass in Deinem Unternehmen bist Du. Nicht Deine Mitarbeiter, nicht der Markt, nicht die Wirtschaftslage, nicht die Bundesregierung – Du. Warum? Weil Du es so gebaut hast. Die gute Nachricht: Dann kannst Du es auch umbauen. Dafür gibt es das Engpass-Audit. Nimm Dir neunzig Minuten, Tür zu, Handy aus – die Dinger haben einen Ausknopf.

  1. Dreißig Minuten: Schreib alle Aufgaben auf, die wirklich nur Du durchführen kannst. Sei dabei brutal ehrlich. Du wirst merken: Es ist vermutlich viel weniger, als Du denkst.
  1. Dreißig Minuten: Wähl die eine Aufgabe aus, die Du am häufigsten machst und die einfach delegierbar wäre, wenn es eine Anleitung gäbe. Dann schreibst Du diese Anleitung. Sie muss nicht schön sein, nicht perfekt – derjenige, der sie liest, muss sie nur verstehen. Kleiner Tipp: Sprich alles als Sprachnachricht ins Handy, völlig unstrukturiert, und lass eine KI Struktur hineinbringen.
  1. Dreißig Minuten: Gib die Anleitung an einen Mitarbeiter weiter und lass ihn die Aufgabe einmal machen. Du kontrollierst nichts, Du beobachtest nur. Ihr werdet gemeinsam feststellen, dass die Anleitung an der einen oder anderen Stelle hakt. Du glaubst, Du hättest Dich deutlich ausgedrückt? Darauf kommt es nicht an – der, der liest, muss es verstehen. Dann macht ihr die Anleitung zusammen besser.

Damit hast Du einen Prozess gebaut und Dich entlastet – hat nicht wehgetan. Für die Hardcore-Unternehmer: Geh zurück zu Schritt eins und streich von Deiner Liste noch einmal fünfzig Prozent. Denn die Hälfte dieser Aufgaben musst Du gar nicht machen – Du willst sie machen.

Machst Du das Audit jede Woche, hast Du in zwölf Wochen zwölf Prozesse. Und plötzlich hängt in Deinem Unternehmen nicht mehr alles an Dir – ganz von allein.

Es muss nicht perfekt sein. Es muss gemacht sein.

Das Engpass-Audit ist der Umsetzungs-Tipp aus Folge 17 von Chefsache Krise: „Todeszone: Warum Wachstum dein Unternehmen gefährdet" – warum Du es brauchst, hörst Du hier: Jetzt anhören.
Teilen:

15. April 2026

Stundenlohn: ein Euro vierzig

Rechnen wir Deinen Arbeitsplatz einmal ehrlich nach. Du arbeitest fünfzig bis sechzig Stunden die Woche – laut Statistik rund zehn Stunden mehr als Deine Angestellten. Wahrscheinlich ist es noch mehr: Du arbeitest abends im Kopf weiter, wachst nachts auf und denkst an die offenen Rechnungen, guckst am Wochenende in die E-Mails, und auf jedem Geburtstag bist Du zack im Akquisegespräch. Wenn es richtig gut läuft, arbeitet auch noch Deine Familie umsonst mit – die Kinder fegen den Hof, der Ehepartner klebt die Belege für den Steuerberater zusammen. Gang und gäbe in so vielen deutschen Unternehmen.

Die spannende Frage: Was hast Du da eigentlich geschaffen?

Ein Unternehmen jedenfalls nicht. Du hast Dir den schlechtest bezahlten Job der Welt gebaut:

  • Du kannst nicht kündigen.
  • Du kannst nicht in Urlaub.
  • Du machst massenhaft unbezahlte Überstunden.
  • Wenn Du krank bist, bekommst Du gar kein Geld.

Und wenn Du dann in Deine betriebswirtschaftliche Auswertung schaust und den Gewinn auf Deine tatsächlichen Stunden umlegst, landest Du wahrscheinlich bei einem Stundenlohn von einem Euro vierzig. Das ist der mieseste Job, den Du haben kannst – und Du hast ihn Dir selbst gebaut.

Der Satz, den Du Dir merken solltest, lautet: Wenn Dein Unternehmen von Dir abhängt, hast Du kein Unternehmen – Du hast einen schlecht bezahlten Job. Ein Unternehmen ist erst dann eins, wenn es als System auch ohne Dich läuft: mit Menschen, Prozessen und Produkten, die nicht alle in Deinem Kopf wohnen.

Den schlechtest bezahlten Job der Welt hat Dir niemand angetan. Du hast ihn Dir selbst gebaut – also kannst Du ihn auch selbst in ein Unternehmen umbauen.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Wie Du aus diesem Job wieder ein Unternehmen baust, hörst Du in Folge 17 von Chefsache Krise: „Todeszone: Warum Wachstum dein Unternehmen gefährdet" – Jetzt anhören.
Teilen:

9. April 2026

Wachsen ohne System ist Vollgas ohne Lenkrad

Wenn das Chaos im Betrieb wächst, reagieren viele Unternehmer mit dem Gegenteil von Schrumpfen: Vollgas. Noch mehr Mitarbeiter, noch mehr Kunden, noch mehr Umsatz – wachsen auf Teufel komm raus. Die Hoffnung dahinter: „Wenn wir schneller wachsen, lösen sich die Probleme von allein."

Kleiner Spoiler: Tun sie nicht. Die Probleme verschwinden nicht – sie wachsen einfach mit, nur viel schneller, weil Du schneller läufst und immer noch kein System hast. Du hast jetzt mehr Leute, die Chaos stiften können, und mehr Kosten. Und irgendwann fällt alles in sich zusammen.

Wir haben derzeit so viele Insolvenzen wie seit Jahren nicht. Ich habe es nicht nachgemessen, aber nach meiner Beobachtung aus den Beratungen hängt ein großer Teil davon genau damit zusammen: großes Wachstum ohne System. Ich komme in Unternehmen und erstelle als Erstes ein Organigramm – weil es keins gibt. Der Betrieb wird noch geführt wie mit vier Mitarbeitern, nur sind es inzwischen vierzig.

Und wenn Du nach den Ursachen suchst: Schau nicht nach außen. In diesen Unternehmen wissen alle ganz genau, woran es liegt – die Bundesregierung, die Ukraine, das Öl, die Spritpreise. Alle sind schuld, nur der Unternehmer nicht. Dabei gab es Krisen immer; ich bin als Kind am autofreien Sonntag mit dem Bonanzarad auf der Autobahn gefahren. Existenziell wird eine Krise nicht, weil sie da ist – sondern weil Dein Unternehmen vorher schon fragil war und die Hausaufgaben nicht gemacht sind.

Wachsen ohne System ist wie Vollgas geben ohne Lenkrad: Du kommst schneller voran. Wo Du landest, weiß niemand – aber im Graben bist Du auf jeden Fall schneller.

Nicht die Krise hat Dein Unternehmen in Gefahr gebracht. Sie hat nur aufgedeckt, dass es vorher schon fragil war.

Vollgas ist nur eine von drei Sackgassen – die anderen beiden und den Ausweg durch Tür Nummer vier hörst Du in Folge 17 von Chefsache Krise: „Todeszone: Warum Wachstum dein Unternehmen gefährdet" – Jetzt anhören.
Teilen:

8. April 2026

Die zwei Sätze, die Unternehmen töten

Es gibt zwei Sätze, für die ich gern jedes Mal einen Euro bekommen hätte, wenn ich sie gehört habe: „Bevor ich Dir das erkläre, mache ich es selber." Und: „Wenn Du willst, dass es funktioniert, mach es selber."

Beide klingen nach Pragmatismus. In Wahrheit sind sie der Anfang vom Ende – das sind genau die Sätze, die Unternehmen töten.

Wie es dazu kommt, nenne ich den Teufelskreis der Delegation. Du stellst jemanden ein, der Dir den Rücken freihalten soll. Der macht die Sachen aber ganz anders als Du – nicht schlechter, anders. Und Du hast ihm nie gesagt, wie er sie machen soll, weil Du es nie aufgeschrieben hast. Es gibt zwar ein System in Deinem Betrieb, aber es existiert nur in Deinem Kopf: Das System bist Du. Also machen Deine Leute die Dinge so, wie sie es nach bestem Wissen und Gewissen für richtig halten – und nie so, wie Du es gern hättest. Was machst Du? Du rennst los und machst es lieber selber. Und beim nächsten Mal wieder.

Versteh mich nicht falsch: Eine One-Man-Show zu betreiben ist absolut ehrenhaft und in Ordnung. Wenn Du aber wachsen willst, wenn Du Mitarbeiter haben willst, dann führen diese beiden Sätze geradewegs in ein Unternehmen, das ohne Dich keinen einzigen Tag läuft – und damit in den Verlust der Steuerbarkeit.

Der Ausweg ist unbequem einfach: Schreib auf, was in Deinem Kopf ist. Mach Dein Wissen zum Unternehmenswissen – Wiki, Handbuch oder Zettel, völlig egal. Denn nur das, was aufgeschrieben ist, existiert.

Jedes „Das mache ich schnell selber" spart Dir heute zehn Minuten – und baut an dem Gefängnis, aus dem Du morgen nicht mehr herauskommst.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 17 von Chefsache Krise: „Todeszone: Warum Wachstum dein Unternehmen gefährdet" – Jetzt anhören.
Teilen:

7. April 2026

Lesefassung Folge 17: Die Todeszone: Warum Wachstum Dein Unternehmen gefährdet

Es gibt eine Phase, in der gefühlt alles außer Kontrolle gerät: die Todeszone zwischen drei und fünfzehn Mitarbeitern. Warum Dein Unternehmen in der Wachstumsphase fast zwangsläufig in die Krise gerät, welche drei tödlichen Reaktionen in die Sackgasse führen und wie Du mit System statt Intensität hindurchkommst – die komplette Lesefassung von Folge 17.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

2. April 2026

Fünf Minuten am Tag – über zwei Wochen im Jahr

Was kostet es eigentlich, dass in Deinem Betrieb nirgendwo aufgeschrieben ist, wer was macht, wer was entscheidet und wer an wen berichtet? Rechnen wir es grob durch.

Angenommen, jeder Deiner fünf Mitarbeiter verschwendet dadurch fünf Minuten am Tag – weil er zu Dir laufen und fragen muss, was eigentlich geregelt sein müsste. Weil er auf eine Antwort wartet. Weil er sucht, wer zuständig ist. Fünf Minuten sind bewusst niedrig angesetzt; die Erfahrung zeigt, es ist deutlich mehr.

Die Rechnung: fünf Mitarbeiter mal fünf Minuten mal 222 Arbeitstage – Urlaub und Krankheit sind da schon abgezogen. Das ergibt 92,5 Stunden im Jahr. Das sind über zwei volle Arbeitswochen bei einer Vierzigstundenwoche. Zwei Wochen, in denen ein voll bezahlter Mensch nichts anderes tut, als herumzufragen, was ein Organigramm in einer Minute beantwortet hätte. Lass Dir das auf der Zunge zergehen – für läppische fünf Minuten am Tag.

Dabei ist noch keine Doppelarbeit eingerechnet: zwei Mitarbeiter, die dieselbe Aufgabe erledigen, weil keiner wusste, dass der andere dran ist. Keine Fehler, die entstehen, weil Zuständigkeiten im Nebel liegen. Die wahre Zahl liegt garantiert höher.

Kannst Du das verhindern? Ja – nicht mit mehr Einsatz, nicht mit Appellen, sondern indem Du ein System schaffst: aufgeschriebene Klarheit, wer was macht, wer was entscheidet, wer an wen berichtet. System schlägt Intensität. Immer.

Fünf Minuten am Tag klingen nach nichts – am Jahresende fehlen Dir über zwei Wochen Arbeit eines Menschen, den Du voll bezahlst.

Die ganze Rechnung und den Ausweg – ein Organigramm in zwei Stunden, mit Zettel und Stift – gibt es in Folge 15 von Chefsache Krise: „Struktur vor Menschen: Das Drei-Ebenen-Organigramm für deinen Betrieb" – Jetzt anhören.
Teilen:

1. April 2026

Die Führungskrise kommt beim siebten Mitarbeiter

Es gibt eine Studie aus den Siebzigerjahren, die sieben Krisenstadien von Unternehmen beschreibt. Die erste Krise trifft ein Unternehmen bei etwa sieben Mitarbeitern – und sie heißt Führungskrise.

Das Muster: Du versuchst als Gründer, alles selbst zu entscheiden, alles selbst zu machen, überall dabei zu sein. Nach meiner Erfahrung geht das bis maximal fünf Mitarbeiter einigermaßen gut – dann arbeitest Du aber schon stramm. Ab sieben Mitarbeitern wirst Du der Engpass, der Flaschenhals. Das System funktioniert nicht mehr, und das Unternehmen gerät in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Das ist keine Beraterglaskugel, das sind Zahlen, Daten, Fakten.

Ab zehn, zwölf, fünfzehn Mitarbeitern beginnt dann die Todeszone: zu groß, um klein zu sein, zu klein, um groß zu sein. Genau dort scheitern viele Unternehmer. Wer sein Führungsmodell an dieser Stelle nicht ändert, hat verloren.

Das eigentliche Problem: Viele führen ein Unternehmen mit zwanzig oder dreißig Mitarbeitern immer noch so, als wären es vier. Das funktioniert nicht. Das kann nicht funktionieren – ein einzelner Kopf schafft das schlicht nicht mehr.

Und hier kommt der wichtige Punkt: Du bist nicht der Flaschenhals, weil Du es willst. Du bist es, weil Du ein System gebaut hast, das Dich dazu zwingt – eines, in dem niemand aufgeschrieben hat, wer was macht, wer was entscheidet und wer an wen berichtet. Raus aus dem Flaschenhals geht nur mit Struktur. Und der Beginn von Struktur ist ein Organigramm – gerade in kleinen Betrieben.

Die Führungskrise wartet nicht, bis Du groß bist. Sie kommt beim siebten Mitarbeiter – und sie fragt nicht Dein Team, sondern Dein System.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro – wie Du dem Flaschenhals mit einem Drei-Ebenen-Organigramm entkommst, hörst Du in Folge 15 von Chefsache Krise: „Struktur vor Menschen: Das Drei-Ebenen-Organigramm für deinen Betrieb" – Jetzt anhören.
Teilen:

26. März 2026

Wer entscheiden darf, denkt mit

Frag Deine Mitarbeiter mal, was sie zu Hause alles machen. Die setzen Kinder in die Welt, bauen ganze Häuser, ziehen Wände, führen einen Schrebergarten. Und dann kommen dieselben Menschen in Deinen Betrieb, hängen mit der Jacke das Gehirn in den Schrank und stehen bei jeder Kleinigkeit vor Dir: „Was soll ich machen?" Abends gehen sie heim und bauen weiter am Haus.

Das passt nicht zusammen – also muss der Fehler in Deinem System liegen. Wenn Deine Leute Dich permanent fragen müssen, weil nichts geregelt ist, hast Du sie zum Nicht-Denken erzogen.

Die Lösung ist eine Entscheidungsebene in Deinem Organigramm. Für jede Funktion legst Du fest, wer was entscheiden darf – drei Stufen, mehr nicht:

  1. Ich darf sofort selbst entscheiden, ohne jemanden zu fragen.
  2. Ich darf selbst entscheiden, muss aber die Stelle über mir informieren.
  3. Ich muss erst fragen, dann darf ich entscheiden.

Und zwar nicht nur wer, sondern auch in welchen Fällen: Darf der Einkäufer die Bestellung selbst auslösen? Muss er vorher fragen, muss er hinterher informieren? Klingt aufwendig, ist es nicht – das ist im Grunde der Anfang einer Stellenbeschreibung.

Der Ertrag ist gewaltig: Wer entscheiden darf, denkt mit. Wenn Du Deinem Team Entscheidungskompetenz gibst, gewinnst Du Mitarbeiter statt Befehlsausführer. Und das ist es, was Du willst – Leute, die auch mal allein entscheiden. Dann lass sie bitte auch.

Deine Leute bauen zu Hause ganze Häuser. Wenn sie im Betrieb bei jeder Kleinigkeit fragen, liegt das nicht an ihnen – sondern an Deinem System.

Die Entscheidungsebene ist eine von drei Ebenen eines guten Organigramms. Alle drei baue ich mit Dir in Folge 15 von Chefsache Krise: „Struktur vor Menschen: Das Drei-Ebenen-Organigramm für deinen Betrieb" – Jetzt anhören.
Teilen:

25. März 2026

Ein Organigramm ist am Anfang immer menschenleer

Als ich meine Steuerberatungskanzlei gründete, habe ich drei Dinge getan: Haftpflichtversicherung abgeschlossen, bei der Kammer angemeldet – und ein Organigramm aufgemalt. Auf DIN A3, weil eine Kanzlei viele Funktionen hat. Das Lustige daran: In jedem Kästchen stand exakt ein Name. Meiner. Ich hatte die Struktur einer Großkanzlei – und war allein.

Genau das war richtig. Weil die Struktur stand, konnte ich sie nach und nach mit Köpfen füllen – sinnhaft und mit Plan. Erst das hat das schnelle Wachstum möglich gemacht, das danach kam. Ohne diese Struktur wäre ich bei dem Tempo im Chaos gelandet.

Daraus folgt die wichtigste Regel für Dein Organigramm: Struktur vor Menschen. Ein Organigramm ist beim Aufstellen immer – immer! – menschenleer. Es geht nicht darum, Namen hinzuschreiben und mit Pfeilen zu verbinden. Es geht darum, die Funktionen zu benennen, die Dein Unternehmen braucht, damit es läuft: Einkauf, Lager, Versand, Finanzen, Marketing – alles, was getan werden muss. Wie viele Leute bei Dir arbeiten, spielt an dieser Stelle keine Rolle. Nur die Tätigkeiten zählen.

Denn ein Organigramm ist nicht das Ergebnis von Struktur – es ist der Beginn von Struktur. Und aus der Praxis: Es ist viel leichter, allein oder klein die komplette Struktur vorzudenken, als später vierzig Leute nachträglich in eine Ordnung zu pressen. Wer die Struktur vor dem Wachstum malt, wächst in sie hinein statt ins Chaos.

Schreib erst die Funktionen auf, dann die Namen – wer es andersherum macht, malt kein Organigramm, sondern nur ein Foto seines Chaos.

Wie Du aus den Funktionen ein komplettes Drei-Ebenen-Organigramm baust – in zwei Stunden, mit Zettel und Stift –, zeige ich Dir in Folge 15 von Chefsache Krise: „Struktur vor Menschen: Das Drei-Ebenen-Organigramm für deinen Betrieb" – Jetzt anhören.
Teilen:

24. März 2026

Lesefassung Folge 15: Struktur vor Menschen: Das Drei-Ebenen-Organigramm für Deinen Betrieb

Organigramm? Das ist was für Siemens und SAP, denkst Du – Du hast ja nur fünf Leute. Genau diese Denkweise ist das Problem. Warum das fehlende Organigramm ein Krisen-Warnsignal ist, weshalb es Dich systematisch zum Flaschenhals macht und wie Du in zwei Stunden mit Zettel und Stift ein Drei-Ebenen-Organigramm baust: die komplette Lesefassung von Folge 15.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

19. März 2026

Vertrauen ist kein Bonus

Vertrauen ist keine Belohnung. Vertrauen ist Grundvoraussetzung. Ich vertraue jedem Menschen so lange, bis er mir beweist, dass ich ihm nicht vertrauen darf. Damit falle ich gelegentlich auf die Nase – und es ist mir egal, denn nur so funktioniert es.

Viele Unternehmer glauben insgeheim, jeder Mitarbeiter sei nur auf die Welt gekommen, um sie zu betrügen. Da wird Homeoffice als Belohnung vergeben. Bei uns ist es Standard: keine Anwesenheitspflicht, arbeiten von wo man will. Und Urlaub? Das Arbeitsrecht verlangt eingetragene Urlaubstage – haben wir. Im Innenverhältnis gilt: Die Mitarbeiter nehmen so viel Urlaub, wie sie wollen, ohne Genehmigung, abgesprochen im Team. Ich weiß nicht, wer wann Urlaub hat, und es interessiert mich nicht. Mich interessiert, wenn ein Mandant mich zur Seite nimmt und sagt: „Deine Mitarbeiterin ist auf Zack." Das kommt nicht selten vor.

Denn wenn Du durch Dein Verhalten dokumentierst, dass Du einem Menschen nicht vertraust, bevor er Dir einen Grund dafür gegeben hat, dann hast Du die Beziehung vergiftet, bevor sie angefangen hat. Im Freundeskreis würdest Du das nie machen.

Drei Signale bauen Vertrauen auf:

  1. Zahlen teilen. Umsatz, Kosten, Marge – was hast Du zu verlieren? Wer wie ein Unternehmer denken soll, braucht Zahlen.
  2. Umsatzbeteiligung, wo sie machbar ist: Wer besonders viel leistet, wird dafür belohnt.
  3. Fehler öffentlich zugeben – gerade Du. „Habe ich falsch eingeschätzt, sorry, machen wir anders." Deine Leute wissen ohnehin, dass der Fehler Deiner war. Wer ihn dann noch anderen in die Schuhe schiebt, hat das Vertrauen verspielt.

So ein System bringt nicht alle irgendwie zum Arbeiten – es zieht genau die Menschen an, die in diesem System gut arbeiten wollen.

Vertrauen ist kein Bonus für einen starken Mitarbeiter. Es ist der Boden, auf dem ein starker Mitarbeiter überhaupt erst entsteht.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 14 von Chefsache Krise: „High Performer verlierst du nicht durch Fehler – du verlierst sie durch Toleranz" – Jetzt anhören.
Teilen:

18. März 2026

Delegiere Verantwortung, nicht Aufgaben

Du delegierst nicht Aufgaben. Du delegierst Verantwortung. Der Unterschied ist riesig.

Wenn Du Aufgaben delegierst, bleibt die Ergebnisverantwortung bei Dir: Du bekommst Zwischenergebnisse, Du prüfst, Du korrigierst – Du bleibst der Engpass. Wenn Du Verantwortung delegierst, gehört das Ergebnis demjenigen, der die Verantwortung übernommen hat. Das ist unbequem, denn es bedeutet: Fehler werden passieren, und es läuft nicht so, wie Du es machen würdest.

Wie sich das anfühlt, habe ich selbst gelernt. Meine Mitarbeiter bereiteten die Schreiben ans Finanzamt vor, ich schrieb sie – bis ich mich fragte: Warum eigentlich? Also sollten sie die Briefe selbst fertig machen. Sie legten sie mir vor, und ich korrigierte mit dem Stift so lange darin herum, bis jeder Brief klang, als hätte ich ihn geschrieben. Riesenfehler. Bis eine Mitarbeiterin sagte: „Warum soll ich mir Mühe geben? Du korrigierst es sowieso." Da war der Fehler gefunden – meiner.

Seitdem habe ich die Briefe nur noch auf Rechtsrisiken geprüft – im Steuerrecht können zwei vertauschte Worte den Sinn ändern – und nicht mehr in die Formulierung eingegriffen. Heute schreiben meine Mitarbeiter komplett selbst, so wie sie es wollen. Es klingt nicht wie ich. Hauptsache, das Ziel wird erreicht. Und sie wissen genau, bis wohin sie selbst verantworten können; heikle Fälle landen bei mir – das kommt selten vor.

Fehler sind dabei keine Katastrophen. Ich bin kein Unfallchirurg: Wenn bei uns etwas schiefgeht, stirbt kein Mensch, dann ist eine Buchung verrutscht. Und besonders unangenehm wird es, wenn Du feststellst, dass das Ergebnis besser ist, als wenn Du es selbst gemacht hättest. Das geht gegen das Ego – ich weiß, wovon ich rede.

Solange jedes Ergebnis über Deinen Schreibtisch läuft, hast Du nicht delegiert – Du hast nur die Vorarbeit verteilt.

Das ganze Beispiel und die übrigen Bausteine der Säule „Befähigen statt beschäftigen" gibt es in Folge 14 von Chefsache Krise: „High Performer verlierst du nicht durch Fehler – du verlierst sie durch Toleranz" – Jetzt anhören.
Teilen:

12. März 2026

Dein Job ist nicht, das Beste aus Deinem Team rauszuholen

In regalmeterweise Führungsbüchern steht derselbe Satz: Du musst das Beste aus Deinem Team herausholen. Ich habe eine andere Sichtweise. Mein Job ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem nur die Menschen bleiben und gedeihen, die selbst das Beste aus sich herausholen wollen. Das ist ein fundamentaler Unterschied.

Im ersten Modell bist Du permanent der Antrieb: Du motivierst, Du kontrollierst, Du rennst hinter allen her – Du bist der Motor. Im zweiten Modell bist Du der Spielführer eines Profi-Teams. Ein Freund hat mich einmal als „Rahmenbauer" beschimpft; er meinte es als Vorwurf, ich fand es treffend. Ich setze den Rahmen, ich hole mir echte Profis, ich schütze die Guten vor den Schwachen – und dann lasse ich sie spielen. Und dann passiert etwas: Dann kickt ein norwegischer Fußballmeister, den keiner auf dem Zettel hat, die Großen Europas aus den Turnieren. Auch Holstein Kiel hat Bayern München schon aus dem Pokal geworfen.

Das nennt sich dienende Führung, und falls Du jetzt „Kuschelkurs" denkst: das Gegenteil. Dienende Führung bedeutet nicht, dass ich mich in den Dienst jedes einzelnen Mitarbeiters stelle. Sie bedeutet: Ich baue ein System, in dem Höchstleistung die Norm ist und Mittelmäßigkeit keinen Platz hat. Das ist das härteste Führungsmodell, das ich kenne – und das entspannteste Leben, das ich je hatte. Kuschelkurs habe ich versucht; hat nicht funktioniert.

Der häufigste Denkfehler dabei: dienende Führung mit Nachgiebigkeit zu verwechseln und die Erwartungen an die Schwächsten anzupassen. Das wäre das Gegenteil von Dienen – das wäre Verrat an den Starken. Dienende Führung beginnt nicht mit Zuhören. Sie beginnt mit Klarheit.

Du dienst nicht dem schwächsten Glied – Du schützt das stärkste.

Wie das komplette Führungssystem dahinter aussieht – drei Säulen plus ein wöchentlicher Spielführer-Check –, hörst Du in Folge 14 von Chefsache Krise: „High Performer verlierst du nicht durch Fehler – du verlierst sie durch Toleranz" – Jetzt anhören.
Teilen:

11. März 2026

Was Du tolerierst, wird zum Standard

In Deinem Team gibt es Menschen, die wirklich funktionieren: Die denken mit, liefern ab und lösen Probleme, bevor Du gemerkt hast, dass eins entstanden ist. Und es gibt die anderen – die, die warten. Die lieber fragen, statt selbst nachzudenken. Die halbfertige Aufgaben liegen lassen, die dann bei anderen auf dem Tisch landen.

Weißt Du, was passiert? Deine High Performer räumen auf. Jeden Tag, ohne zu murren, weil die Arbeit einfach weg muss. Sie erklären zum dritten Mal, was schon zweimal erklärt wurde. Sie kompensieren, sie puffern ab, sie halten Dein System am Laufen – weil sie Profis sind und das Team nicht hängen lassen wollen.

Und wenn sie doch einmal etwas sagen? Dann gelten sie plötzlich als schwierig. Als arrogant. Denk an die letzten fünf Beschwerden, die an Deinem Tisch gelandet sind: Wer hat sich beschwert – und über wen? Low Performer oder High Performer?

Irgendwann ist bei Deinen Besten der Tank leer. Nicht wegen Dir, nicht wegen des Gehalts, nicht wegen der Arbeitszeiten – sondern wegen der Kollegen, die immer wieder mit ihrer Mittelmäßigkeit davonkommen. Dann kündigen sie. Erst innerlich, dann wirklich. Und Du verstehst nicht einmal warum, denn das Betriebsklima ist doch so gut.

Das ist die bitterste Form von Führungsversagen – und sie beginnt mit einer Frage, die sich die meisten Unternehmer nie stellen: Welches Verhalten toleriere ich, und was signalisiere ich damit meinem Team? Denn Dein Team beobachtet Dich genau. Was Du durchgehen lässt, wird zur Norm.

Deine Besten kündigen nicht wegen Dir. Sie kündigen wegen der Kollegen, die Du ihnen zumutest.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 14 von Chefsache Krise: „High Performer verlierst du nicht durch Fehler – du verlierst sie durch Toleranz" – Jetzt anhören.
Teilen:

10. März 2026

Lesefassung Folge 14: High Performer verlierst Du nicht durch Fehler – Du verlierst sie durch Toleranz

Deine besten Leute kündigen nicht wegen des Gehalts und nicht wegen Dir – sondern wegen der Kollegen, die immer wieder mit Mittelmäßigkeit davonkommen. Warum das die bitterste Form von Führungsversagen ist und wie ein Führungssystem aussieht, das Höchstleistung zur Norm macht: die komplette Lesefassung von Folge 14.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

5. März 2026

Dein neuer Mitarbeiter sieht, was Du nicht mehr siehst

Wenn ein neuer Mitarbeiter anfängt, fragt jeder Chef irgendwann sein Team: „Wie macht der Neue sich?" Die bessere Frage stellt kaum einer – nämlich an den Neuen selbst: „Was läuft bei uns schief? Was können wir besser machen?"

Feedback funktioniert in zwei Richtungen, nicht nur in eine. Bei mir ist das Standard, mit zwei einfachen Werkzeugen: Der Pate, der den Neuen begleitet, schreibt die Fragen auf, die ihm gestellt werden. Und der Neue schreibt auf, welche Unklarheiten beim Eintritt bestanden haben. Warum? Weil wir unseren Onboarding-Prozess damit bei jedem Durchlauf weiter verbessern können. Zwei Notizzettel – das ist das ganze System.

Das hilft gegen Betriebsblindheit. Denn Du kannst so einen Prozess nicht im Trockendock perfektionieren; er muss sich in der Praxis verbessern. Und niemand sieht die Lücken darin so klar wie der Mensch, der gerade selbst hindurchläuft.

Der Gedanke reicht über das Onboarding hinaus. Wenn bei uns in der Steuerberatung jemand anfängt, frage ich immer: Wie habt ihr das in Deinen bisherigen Betrieben gemacht? Wie seid ihr in der Buchhaltung vorgegangen? Gibt es einen Prozess, bei dem Du sagst: Bei euch hakelt das – wir haben das so und so gelöst, wollen wir das hier nicht auch so machen? Dein neuer Mitarbeiter bringt kostenlos mit, wofür Du sonst einen Berater bezahlst: den Blick von außen auf Deine Abläufe. Das sollte zum Standard gehören – denn das Bessere ist immer der Feind des Guten.

Dein neuer Mitarbeiter ist der letzte Mensch im Betrieb, der Deine Fehler noch sehen kann. Frag ihn, bevor er sich an sie gewöhnt hat.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 13 von Chefsache Krise: „Der 60.000-Euro-Fehler: Warum dein Onboarding-Prozess Kapital verbrennt (und wie du ihn systematisierst)" – das komplette Drei-Phasen-System gibt es hier: Jetzt anhören.
Teilen:

4. März 2026

Der erste Arbeitstag ist ein Date, kein Arbeitstag

Der erste Arbeitstag ist wie ein erstes Date: Es gibt keine zweite Chance für den ersten Eindruck. Klingt nach Glückskeks – aber die Zahlen dahinter sind ernst. Laut einer Umfrage der Page Group kündigen 35 Prozent der Menschen am ersten Arbeitstag oder denken zumindest über die Kündigung nach. Der Mitarbeiter ist noch gar nicht angekommen und überlegt schon, ob er wieder verschwinden soll.

Deshalb darf der erste Tag kein reiner Arbeitstag sein. Er ist der Willkommenstag – und drei Dinge gehören hinein:

Erstens: Die Begrüßung übernimmst Du selbst. Nicht die Vertretung, nicht das Sekretariat, nicht sonst irgendwer. Fünfzehn Minuten Deiner Zeit, dann einmal durch den Betrieb, das Team vorstellen. Die Botschaft dahinter: Du bist mir wichtig.

Zweitens: Ein schriftlicher Einarbeitungsplan. Wirklich auf Papier, in die Hand. Was passiert heute, diese Woche, im ersten Monat? Welche Termine, welche Gespräche? Der neue Mitarbeiter ist gestresst – alles ist neu, alles ist anders. Orientierung nimmt den Stress raus.

Drittens: Ein Pate. Ein erfahrener Kollege als Erstansprechpartner für alles, was in keinem Handbuch steht. Wo ist die Kaffeemaschine? Wie funktioniert der Drucker? Und warum klebt ein gelber Zettel auf dem Fleischsalat im Kühlschrank? Ach, der gehört Martin, da gehen wir nicht bei. Jeder Betrieb hat so einen Martin. Der Pate nimmt Dir die Last von den Schultern – und von Mitarbeiter zu Mitarbeiter wird ohnehin anders gesprochen als vom Chef zum Mitarbeiter.

Am ersten Tag entscheidet sich nicht, was Dein neuer Mitarbeiter kann. Es entscheidet sich, ob er bleibt.

Zwanzig Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 13 von Chefsache Krise, „Der 60.000-Euro-Fehler: Warum dein Onboarding-Prozess Kapital verbrennt (und wie du ihn systematisierst)" – Jetzt anhören.
Teilen:

26. Februar 2026

Funkstille nach der Unterschrift: Die gefährlichste Phase Deines Onboardings

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben, und Du denkst: geschafft, jetzt kann ich mich entspannt zurücklehnen. Falsch. Über dreißig Prozent der Unternehmen haben schon erlebt, dass ein Mitarbeiter genau in dieser Phase – zwischen Unterschrift und erstem Arbeitstag – wieder abspringt. Und rund 36 Prozent kennen laut Studie das No-Show-Phänomen: Der erste Tag ist da, Du wartest, es kommt niemand.

Warum passiert das? Weil in dieser gesamten Phase Funkstille herrscht. Von Dir kommt nichts mehr. Wenn dann ein anderer Arbeitgeber um die Ecke kommt, der netter ist, denkt der Kandidat: „Von dem, bei dem ich unterschrieben habe, habe ich nichts mehr gehört – dann kann ich auch beim anderen unterschreiben."

Die Lösung heißt Preboarding, und sie ist kein Hexenwerk:

  • Schick eine persönliche Willkommensnachricht. „Toll, dass Du anfängst, wir freuen uns auf Dich."
  • Erledige den Papierkram vorab. Steuer-ID, Bankverbindung, alles fürs Lohnkonto. Du hast einen Anlass für Kontakt – und der Neue füllt am ersten Tag keine Formulare aus.
  • Bereite den Arbeitsplatz per Checkliste vor. Computer läuft, E-Mail-Adresse angelegt, Schreibtischstuhl funktioniert. Toll wäre auch, wenn überhaupt einer da ist – auch das schon erlebt.
  • Denk über ein kleines Willkommenspaket nach. Tasse, T-Shirt – Du bist nicht Google, aber von den Konzernen lernen kannst Du trotzdem.
  • Informiere Dein Team. Nichts ist schlimmer als große Augen am ersten Tag: „Oh, Du bist neu hier? Wussten wir gar nicht."

Preboarding heißt: Du zeigst diesem Menschen, dass Du Dich auf ihn freust – bevor er da ist.

Der Arbeitsvertrag ist keine Ziellinie. Er ist der Startschuss – und wer nach dem Startschuss stehen bleibt, verliert.

Das Preboarding ist nur die erste von drei Phasen. Was am ersten Tag und in den ersten neunzig Tagen zählt, hörst Du in Folge 13 von Chefsache Krise: „Der 60.000-Euro-Fehler: Warum dein Onboarding-Prozess Kapital verbrennt (und wie du ihn systematisierst)" – Jetzt anhören.
Teilen:

25. Februar 2026

Die Kündigung nach drei Monaten ist nicht das Problem. Sie ist das Symptom.

Wenn ein neuer Mitarbeiter nach drei Monaten kündigt, ist das nicht das Problem. Es ist das Symptom – die Folge dessen, was vorher falsch gelaufen ist.

Die Zahlen dazu sind ernüchternd. Nur zwölf Prozent der Angestellten sind mit ihrer Einarbeitung zufrieden – fast neun von zehn sagen: Mein Onboarding war nicht gut. Nach einer Studie von Softgarden kündigen achtzehn Prozent der neuen Mitarbeiter in den ersten hundert Tagen wieder. Und jeder dieser Fluktuationsfälle kostet: Studien beziffern ihn auf rund 43.000 Euro, durch die gestiegenen Gehälter heute eher 50.000 bis 60.000 Euro. Suchkosten, Eintrittskosten, verlorenes Know-how – und ein Mitarbeiter, der keine Leistung mehr erbringt, während Du von vorn suchst.

Im Tausend-Mann-Konzern ist das ärgerlich, aber verkraftbar. Wenn Du fünf Mitarbeiter hast und einer geht, fehlen Dir schlagartig zwanzig Prozent der Belegschaft. Du bist wieder der operative Flaschenhals, hängst wieder im Recruiting fest – Du arbeitest wieder im Unternehmen statt am Unternehmen.

Der Denkfehler dahinter: Die meisten behandeln Onboarding als Nebensache, die irgendwie parallel zum Tagesgeschäft passiert. Schreibtisch, Kaffee, „schau Dich mal um". Aber Onboarding ist ein Prozess – Menschen, Prozesse, Produkte, das Betriebssystem Deines Unternehmens. Und wenn dieser Prozess nicht existiert, blockiert das alles, was danach kommt. In jedem Konzern ist ein Onboarding-Prozess Standard, weil es ohne gar nicht geht. In kleinen und mittleren Unternehmen ist er ein Fremdwort. Dabei ist er kein Hexenwerk: Checklisten bauen, besser sein als gestern.

Der teuerste Mitarbeiter ist nicht der, den Du suchst. Es ist der, den Du gefunden und durch schlechte Einarbeitung wieder verloren hast.

Die drei Phasen, mit denen Du diesen Fehler abstellst, bekommst Du in Folge 13 von Chefsache Krise: „Der 60.000-Euro-Fehler: Warum dein Onboarding-Prozess Kapital verbrennt (und wie du ihn systematisierst)" – Jetzt anhören.
Teilen:

24. Februar 2026

Lesefassung Folge 13: Der 60.000-Euro-Fehler: Warum Dein Onboarding-Prozess Kapital verbrennt (und wie Du ihn systematisierst)

Endlich unterschrieben – und drei Monate später ist der Neue wieder weg. Das ist kein Pech, das ist ein fehlender Prozess, und er kostet Dich 50.000 bis 60.000 Euro pro Fall. Die komplette Lesefassung von Folge 13: drei Phasen, mit denen Du Dein Onboarding systematisierst – auch ohne Personalabteilung.

Weiterlesen – 10 Minuten

Teilen:

19. Februar 2026

Die Kündigung kommt vor dem ersten Arbeitstag

Haufe hat in einer Umfrage eine Erfahrung festgehalten, die wehtut: Die Kündigung kommt zwischen der Unterschrift des Vertrages und dem ersten Arbeitstag. Die Leute treten gar nicht erst an. Dieses Ghosting kennst Du vielleicht – eingestellt, eingeplant, und dann kommt einfach niemand.

Das ist kein Charakterfehler der Bewerber. Das hat mit Deinem Onboarding zu tun. Wenn jemand drei Monate Kündigungsfrist hat, bei Dir unterschreibt und dann drei Monate nichts mehr von Dir hört, bis er am Ersten anfangen soll – dann darfst Du Dich nicht wundern. Der Mensch gibt etwas auf, wenn er zu Dir wechselt. In diesen drei Monaten der Stille wächst nur eines: der Zweifel.

Drei Dinge kannst Du sofort anders machen:

  1. Onboarding beginnt vor Tag eins. Binde den neuen Mitarbeiter schon nach der Unterschrift ein, damit er Nähe zu Dir aufbaut und Vertrauen fassen kann. Erkläre ihm am besten schon beim Vertragsabschluss, was dann passiert: erstens, zweitens, drittens.
  2. Stell ihm einen Paten an die Seite – und schule Dein Team darauf, wie es mit Neuen umgeht. Nicht: „Du bist neu? Davon hat der Chef nichts gesagt, geh mal rüber in die Halle."
  3. Gib ihm einen Sitzplan mit Namen. Wer am ersten Tag fünfzehn Kollegen vorgestellt bekommt, hat in der Teeküche alle Namen vergessen – und redet dann lieber mit niemandem.

Wenn Du vorne im Employer Branding hervorragende Arbeit leistest, brauchst Du hinten einen ebenso hervorragenden Onboarding-Prozess. Sonst verlierst Du die Leute genau in dem Moment, in dem Du dachtest, Du hättest sie gewonnen.

Die Unterschrift ist nicht das Ende Deiner Mitarbeitergewinnung – sie ist der Anfang der gefährlichsten Phase.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: In Folge 12 von Chefsache Krise – „Recruiting vs. Branding: Warum niemand deine Stellenanzeigen liest" – steht dieser Gedanke im Zusammenhang der ganzen Strategie: Jetzt anhören.
Teilen:

18. Februar 2026

Würdest Du bei Dir arbeiten?

Irgendwann findet der Mitarbeiter, den Du suchst, Dein Unternehmen. Und jetzt die spannende Frage: Was findet er da?

Er landet auf Deiner Website. Dort: das Betriebsgebäude, selbst mit dem Handy fotografiert – natürlich im Herbst, ohne Blätter am Baum, denn richtige Fotos kosten ja Geld. Darunter Stockfotos, beim Schweißbetrieb die obligatorische Flex mit Funkenflug. Generisch, austauschbar, könnte für jedes Unternehmen stehen. Und eine Jobseite, auf der exakt derselbe Text steht wie bei allen anderen.

Wer von den Leuten, die eigentlich gar nicht wechseln wollen – und das sind die Guten –, soll da sagen: „Oh, wie toll, da will ich arbeiten"?

Mach den Test. Setz Dich auf den Stuhl eines Arbeitnehmers, der den Arbeitgeber wechseln will, und schau mit seinen Augen auf Deine eigene Website. Ich schwöre Dir: Achtzig bis neunzig Prozent aller Unternehmer kommen zu demselben Ergebnis – „Da finde ich genau genommen nichts. Ich würde bei mir auch nicht arbeiten."

Wenn das Deine Antwort ist, weißt Du, wo Dein Employer Branding anfängt. Und zwar strategisch: Deine Website soll nicht bunt und hübsch sein, sie soll einen Zweck haben – die richtigen Mitarbeiter anziehen. Dazu muss sie beantworten, was Bewerber wirklich wissen wollen: Wer bist Du, als zukünftiger Chef? Warum gibt es Dein Unternehmen? Wie arbeitet ihr? Das ist nichts anderes als Vision, Mission und Werte – sichtbar gemacht für den Menschen, der überlegt, ob er Dir seine Zukunft anvertraut. Denn Menschen arbeiten bei Menschen, denen sie vertrauen können.

Bevor Du die nächste Stellenanzeige schaltest, beantworte eine Frage ehrlich: Würdest Du bei Dir arbeiten?

Was nach dem Website-Test kommt – Persona, Touchpoints, Onboarding –, erklärt Folge 12 von Chefsache Krise: „Recruiting vs. Branding: Warum niemand deine Stellenanzeigen liest" – Jetzt anhören.
Teilen:

12. Februar 2026

Die besten Mitarbeiter suchen keinen Job

Betrachte die Mitarbeitersuche wie einen Eisberg.

Über der Wasseroberfläche siehst Du die Spitze: die Leute, die auf dem Markt sind. Die bekommst Du vom Arbeitsamt angeboten, die findest Du leicht – und bei denen wäre ich vorsichtig. Wer die Region wechselt, in Ordnung. Aber es gibt auch Arbeitgeber-Hopping: bei jedem Wechsel fünfhundert Euro mehr, und nach einem Jahr geht die Reise weiter.

Direkt unter der Wasseroberfläche sitzen die Wechselwilligen: noch im Job, aber auf dem Sprung – aus welchem Grund auch immer.

Darunter sitzen die Interessanten: Mitarbeiter, die heute noch gar nicht wissen, dass sie wechseln wollen. Denen geht es gut, das sind gute Leute, sie werden von ihren Arbeitgebern gehegt und gepflegt. Das sind die, die Du haben willst.

Und ganz unten sitzen die, die aus ihrem Job nie herauskommen werden. Die kannst Du vergessen.

Was heißt das für Dich? Die Besten erreichst Du nicht mit einer Stellenanzeige – die lesen keine Stellenanzeigen, sie suchen ja nicht. Du erreichst sie über das Bauchgefühl, das sie mit Deinem Unternehmen verbinden: über die Bande am Fußballplatz, über Deine Autos, über Deine Leute, über das, was man sich über Dich erzählt. Das ist der Unterschied zwischen Recruiting und Employer Branding: Recruiting ist schnell und fischt an der Oberfläche. Employer Branding ist ein Marathon – und holt die Leute unter der Wasserlinie ab, lange bevor sie wechseln.

Ich suche am liebsten Mitarbeiter, die heute noch gar nicht wissen, dass sie bei mir arbeiten wollen.

Wie Du diese Menschen erreichst – mit Mitarbeiter-Persona, Touchpoints und Vertrauen – hörst Du in Folge 12 von Chefsache Krise: „Recruiting vs. Branding: Warum niemand deine Stellenanzeigen liest" – Jetzt anhören.
Teilen:

11. Februar 2026

Die erfolgreichste Stellenanzeige der Welt versprach eisige Kälte

„Wir sind ein führendes, international ausgerichtetes Unternehmen. Unsere Produkte setzen Maßstäbe. Wir wachsen – das ist Ihre Chance! Sie bringen mit: Teamorientierung, Flexibilität, analytisches Denken, Hands-on-Mentalität." Kennst Du. Hast Du wahrscheinlich selbst so ähnlich geschaltet.

Und jetzt die erfolgreichste Stellenanzeige, die es je gegeben hat:

„Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringe Bezahlung, eisige Kälte, lange Monate vollständiger Dunkelheit, ständige Gefahren, Rückkehr ungewiss. Bei Erfolg Ehre und Anerkennung."

Aufgegeben von Sir Ernest Shackleton, der für seine Endurance-Expedition zum Südpol eine Mannschaft suchte. Die Endurance wurde im Packeis zerdrückt und sank – die Mannschaft musste sich über das Eis und in Ruderbooten retten. Und alle haben überlebt.

Warum? Weil sich auf diese Anzeige nur Leute beworben haben, die absolut vollgasfest waren. Seemänner, Haudegen, richtige Typen. Shackleton hat nicht Personal eingestellt, sondern das richtige Personal. Hätte er genommen, wer gerade verfügbar war – sie wären alle draufgegangen.

Was das mit Dir zu tun hat? Dein Problem ist nicht, Mitarbeiter zu finden. Dein Problem ist, die richtigen Mitarbeiter zu finden. Der Kardinalfehler, der überall gemacht wird: Ich suche irgendwen, ich weiß nicht genau wen, ich sage nicht genau wofür – und ich nehme jeden, der nicht bei drei auf dem Baum ist.

Shackletons Anzeige hat funktioniert, weil sie ehrlich war und die Falschen abgeschreckt hat. Deine Anzeige verspricht allen alles – und erreicht deshalb niemanden.

Eine Stellenanzeige, auf die sich jeder bewerben könnte, liest keiner – am wenigsten die Richtigen.

Die ganze Geschichte und das Fünf-Schritte-Framework dahinter gibt es in Folge 12 von Chefsache Krise: „Recruiting vs. Branding: Warum niemand deine Stellenanzeigen liest" – Jetzt anhören.
Teilen:

10. Februar 2026

Lesefassung Folge 12: Recruiting vs. Branding: Warum niemand Deine Stellenanzeigen liest

Deine Stellenanzeige liest sich wie tausend andere – und genau deshalb liest sie niemand. Die erfolgreichste Stellenanzeige der Welt versprach geringe Bezahlung, eisige Kälte und ständige Gefahr. Warum sie funktioniert hat, warum Employer Branding ein Marathon ist und wie Du in fünf Schritten die richtigen Mitarbeiter anziehst: die komplette Lesefassung von Folge 12.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

5. Februar 2026

Die Konfliktprobe: Finde heraus, ob Du wirklich ein Leitbild hast

Hier ist ein Test, den Du morgen umsetzen kannst – ohne Projekt, ohne Workshop, ohne Beraterromantik: die Konfliktprobe. Sie funktioniert, egal ob Dein Leitbild bisher nur in Deinem Kopf existiert oder gerahmt an der Wand hängt.

Schritt eins: Schreib zehn echte Konfliktsituationen auf, die in Deinem Unternehmen regelmäßig für Reibung sorgen. Preisnachlass ja oder nein. Reklamation – Kulanz oder Regel? Der geforderte Termin ist unrealistisch. Ein Bewerber ist fachlich top, aber menschlich schwierig. Ein Kunde passt nicht. Ein Fehler passiert – verstecken oder offenlegen?

Schritt zwei: Ruf Dein Team zusammen, hau die zehn Fälle auf den Tisch und lass jeweils eine Person entscheiden – mit Begründung: „Wir würden das so machen, und zwar weil…"

Und jetzt hör genau hin. Wird die Antwort schwammig, ausschweifend oder kommt eine Worthülse wie „ja, weil Kundenorientierung…", dann ist das Dein Signal: Du hast kein Leitbild. Jeder entscheidet, wie es ihm gerade einfällt – und deshalb landen all diese Fragen am Ende bei Dir.

Das Schöne an der Übung: Sie deckt nicht nur auf, sie baut auch. Machst Du die Konfliktprobe häufiger, sammelst Du die Begründungen – und daraus kristallisiert sich das gelebte Leitbild heraus. Das dauert ein bisschen, aber es hilft. Danach kannst Du vergleichen: Stimmt das, was ihr tatsächlich lebt, mit dem überein, was an der Wand steht? Ein Leitbild ist dann gut, wenn es Dir Entscheidungen abnimmt – nicht, wenn es Applaus bringt.

Ob Du ein Leitbild hast, entscheidet nicht das Papier an der Wand. Es entscheidet die Antwort Deines Teams auf den nächsten Streitfall.

Warum ein Leitbild Strategie ist und keine Werbung – und wie Du alle vier Bausteine baust: Folge 11 von Chefsache Krise: „Die Strategie-Lücke: Warum dein Leitbild dich täglich bares Geld kostet" – Jetzt anhören.
Teilen:

4. Februar 2026

Das Stoppziel: Dein wichtigstes Ziel ist ein Verzicht

Nach meiner Erfahrung setzen sich Unternehmen häufig strategische Ziele, die gegen die eigenen Werte arbeiten. Beispiel: Euer Wert heißt Qualität vor Tempo. Und dann setzt Du das Ziel, mehr Aufträge pro Woche abzuarbeiten. Die beiden widersprechen sich – jetzt wird aufs Tempo gedrückt, und die Qualität rutscht durch.

Die Folge: Du nimmst Deinem Team durch die Ziele genau die Verhaltenssicherheit wieder weg, die Du mit Vision, Mission und Werten aufgebaut hast. Mehr Aufträge oder mehr Qualität – was denn nun? Also landet die Frage wieder bei Dir, und Du bist wieder die Feuerwehr. Die Lösung ist eine präzisere Formulierung: mehr Aufträge pro Woche, aber keinesfalls unter Opferung unserer Qualitätsstandards. Dann funktioniert es.

Damit das System steht, brauchst Du eine Zielarchitektur – im Maximum etwa sechs Ziele:

  1. Ein bis zwei Ergebnisziele: Was soll messbar besser werden?
  2. Zwei bis vier Treiberziele: Welche Fähigkeiten und Prozesse machen das möglich – messbar?
  3. Ein Stoppziel: Womit hören wir auf, auch wenn es kurzfristig Geld bringt?

Das Stoppziel ist das wichtigste der sechs. Es ist der Lackmustest für die Ernsthaftigkeit Deiner Strategie. Denn Fokus und Strategie sagen nicht in erster Linie, was Du tust – sie beschreiben vor allem, was Du nicht tust. Und erst das Stoppziel zwingt Dich dazu, Dinge wirklich zu lassen.

Die Kontrollfrage für jedes einzelne Ziel: Kann ich dieses Ziel erreichen, ohne unsere definierten Werte zu verletzen? Wenn nein, hast Du ein schlechtes Ziel formuliert. Dann bau es neu.

Deine Strategie erkennst Du nicht an dem, was Du tust. Du erkennst sie an dem, was Du nicht mehr tust – obwohl es Geld bringt.

Das ganze Betriebssystem – Vision, Mission, Werte und die komplette Zielarchitektur – gibt es in Folge 11 von Chefsache Krise: „Die Strategie-Lücke: Warum dein Leitbild dich täglich bares Geld kostet" – Jetzt anhören.
Teilen:

29. Januar 2026

Vision oder Produktbeschreibung? Der Zwei-Jahres-Test

Viele Visionen klingen so: „Wir wollen der führende Anbieter in Norddeutschland sein." Als Führungsinstrument ist das viel zu schwach, weil es im Alltag keine einzige Entscheidung erzeugt. Führend kann heißen: billiger, schneller, größer, bekannter – alles und nichts. Und vor allem sagt es nicht, wie die Welt für Deinen Kunden besser wird.

Die meisten Visionen beantworten nur die Frage: Was sind wir? Eine Vision, die Dein Unternehmen wirklich führt, beantwortet eine andere: Wie soll die Welt für unseren idealen Kunden aussehen, wenn wir unseren Job richtig machen?

Ein kleiner Sanitärbetrieb. Der Kunde will seine Heizung modernisieren – und hat Angst vor Baustellenchaos, Terminverschiebungen und Kosten, die nicht im Angebot stehen. Die Vision: „Unsere Kunden können technische Modernisierungen beauftragen, ohne dass ihr Alltag auseinanderfällt." Das ist keine Poesie, das ist eine Ansage. Oder als Steuerberater: „Unsere Mandanten verstehen ihre Zahlen so, dass sie bessere Entscheidungen treffen, bevor es eng wird."

Und hier der Test: Stell Dir vor, Du müsstest in zwei Jahren Dein Angebot austauschen – ein Produkt raus, ein anderes rein. Funktioniert Deine Vision dann noch? Wenn ja, hast Du eine Vision. Wenn nein, hast Du eine Produktbeschreibung.

Warum das gerade für kleine Unternehmen zählt: Sie sind permanent in Gefahr, sich von den Aufträgen durch den Garten treiben zu lassen – umsatzfixiert, alles annehmen. Die Vision ist Deine Leitplanke im Konfliktfall: Nehme ich diesen Auftrag an oder nicht? Wenn Du sie ernst meinst, entscheidest Du so, dass sie Wirklichkeit werden kann. Sonst kannst Du sie von der Wand reißen.

Eine Vision beschreibt nicht, was Du verkaufst. Sie beschreibt, warum es für Deinen Kunden ein Segen ist, dass es Dich gibt.

Wie aus Vision, Mission, Werten und Zielen ein komplettes Betriebssystem für Dein Unternehmen wird, hörst Du in Folge 11 von Chefsache Krise: „Die Strategie-Lücke: Warum dein Leitbild dich täglich bares Geld kostet" – Jetzt anhören.
Teilen:

28. Januar 2026

Ein Wert, der Dich nichts kostet, ist keiner

In den meisten Leitbildern steht eine Liste schöner Begriffe: Respekt, Qualität, Teamgeist, Verantwortung, Familie. Kann niemand etwas gegen haben – wer sagt schon, dass er Familie doof findet?

Genau das ist das Problem. Wenn jeder zustimmen kann, sind Deine Werte zu weich, um Führung in Dein Unternehmen zu bringen. Sie sind keine Entscheidungsregeln für Zielkonflikte – und nur dafür sind Werte da. Werte werden nicht für Sonnenschein aufgestellt, sondern für die Momente, in denen es um die Wurst geht.

Ein Wert ist nur dann ein Wert, wenn er Dich in einer Situation zu einer Entscheidung zwingt, die Dich kurzfristig etwas kosten kann. Werte müssen wehtun, denn sie sagen Dir vor allem, was Du nicht tust:

  • Steht kurzfristiger Umsatz gegen „passt zu uns", entscheiden wir uns für „passt zu uns" – und schmeißen den Umsatz weg.
  • Steht Tempo gegen Sorgfalt und Sorgfalt ist unser Wert, gewinnt die Sorgfalt. „Kannst Du das bis gestern fertig machen?" – Nein.
  • Steht Harmonie gegen Klarheit, gewinnt die Klarheit.

Der Test kostet Dich eine Minute: Der Kunde droht abzuspringen, wenn ihr nicht sofort liefert – obwohl das eure Qualität gefährdet. Kann Dein neuester Mitarbeiter diesen Fall entscheiden, ohne Dich zu fragen? Wenn ja, hast Du gute Werte. Wenn nein, sind Deine Werte Deko – können weg.

Denn ein Leitbild ohne Konfliktlogik erzeugt keine Einheit, sondern Debatten. Und Debatten kosten in kleinen Unternehmen nicht nur Zeit, sondern Geld und Energie – und Du wirst wieder Entscheider für alles.

Ein Wert, dem jeder applaudiert, führt niemanden. Ein Wert beginnt da, wo er Dich etwas kostet.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 11 von Chefsache Krise: „Die Strategie-Lücke: Warum dein Leitbild dich täglich bares Geld kostet" – Jetzt anhören.
Teilen:

27. Januar 2026

Lesefassung Folge 11: Die Strategie-Lücke: Warum Dein Leitbild Dich täglich bares Geld kostet

Beim Wort Leitbild verdrehen die meisten Unternehmer die Augen – und genau deshalb entscheiden sie jeden Konflikt selbst: Kulanz oder Regeln, Auftrag annehmen oder ablehnen, Bewerber einstellen oder nicht. Wie Du Vision, Mission, Werte und strategische Ziele so baust, dass sie Dir Entscheidungen abnehmen statt nur gut zu klingen.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

22. Januar 2026

Siebzig ist das neue Hundert

Wann ist ein Ziel erfolgreich erreicht? Die intuitive Antwort: bei hundert Prozent. Im OKR-System gilt eine andere Regel: Ein Ziel ist erfolgreich, wenn Du etwa siebzig Prozent und mehr erreicht hast. Siebzig ist das neue Hundert. Hundert Prozent wären super – sind aber häufig schwierig. Und siebzig Prozent sind auch gut: Du bist dann immer noch siebzig Prozent weiter, als Du ohne das Ziel wärst.

Diese Rechnung funktioniert nur mit der richtigen Zielhöhe: ambitioniert, aber erreichbar. Wir sind heute Morgen nicht aufgestanden, um durchschnittlich zu sein – also ruhig ambitioniert. Aber wenn Du gleich mit „Wir beherrschen den Markt in Europa" anfängst, sitzt Dein Team mit großen Augen da und fragt sich, wie das gehen soll. Fang klein an. Deine Leute müssen sich erst daran gewöhnen, dass auf einmal ein System da ist und Struktur herrscht – das wird für viele eine Umstellung sein.

Und erwarte keine Wunder. Der erste Zyklus, das erste Quartal, vielleicht das ganze erste Jahr ist eine Lernphase. Was jahrelang schieflief, räumst Du nicht in zwei Wochen auf, und die Kohle fährst Du auch nicht gleich mit der Schubkarre zur Bank. Perfektion ist genau genommen immer nur der Weg zur Perfektion. Mach Dich auf den Weg, lerne – und lauf nicht zu schnell, sonst stolperst Du.

Wer mit dieser Haltung misst, bewertet ehrlich statt schönzurechnen: Das Ziel darf wehtun, die Bilanz darf unvollständig sein – Hauptsache, Du bist messbar weitergekommen.

Siebzig Prozent eines ambitionierten Ziels sind mehr als hundert Prozent von gar keinem.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 10 von Chefsache Krise: „Warum deine Strategie 2026 am 15. Januar sterben wird – und wie du das verhinderst" – Jetzt anhören.
Teilen:

21. Januar 2026

Dein Team merkt, was Dich wirklich interessiert

Kennst Du das als Chef? Du ordnest etwas an – und wenn Du nicht hinterher bist, finden Deine Mitarbeiter irgendwann heraus, dass es Dich gar nicht interessiert. Und lassen es sein. Das ist völlig verständlich; als Arbeitnehmer habe ich es mit Sicherheit genauso gemacht. Vorwerfen kannst Du das niemandem. Du musst Dich kümmern – und klarmachen, dass es Dir wichtig ist.

Genau daran sterben die meisten Ziele: „set and forget". Ziel gesetzt, Messwert definiert, vergessen. Wertvoll wird ein Zielsystem erst, wenn Du die Zahlen regelmäßig hervorholst und Dein Team merkt: Das interessiert jemanden.

Deshalb gibt es bei OKRs das wöchentliche Meeting. Und zwar nicht acht Stunden mit Keksen, Kuchen und Kaffee, sondern: im Stehen, ohne Getränke. Angefangen wird, sobald die Glocke bimmelt – nicht, wenn der Letzte da ist. Zehn, maximal fünfzehn Minuten, dann bimmelt die Glocke wieder, und der Termin ist vorbei, egal ob ihr fertig seid. Wie in der Schule: Es klingelt, Tasche gepackt, auch wenn der Lehrer mitten im Satz ist.

Und das Wichtigste: Du leitest dieses Meeting nicht. Jedes Ziel hat einen verantwortlichen Mitarbeiter, ein OKR-Verantwortlicher führt durch den Termin – Du bist nur Teilnehmer, mit denselben Rechten wie alle anderen: zuhören und nur reden, wenn Du dran bist. Schwierig, funktioniert aber.

Wenn Dir wöchentlich zu viel ist: mindestens alle vierzehn Tage. Monatlich kannst Du vergessen – dann laufen Projekte drei, vier Wochen aus der Spur, und das wieder geradezuziehen nervt total.

Ein Ziel, nach dem nie jemand fragt, ist für Dein Team kein Ziel. Es ist eine Laune, die vorübergeht.

Das ganze System hinter dem Fünfzehn-Minuten-Meeting gibt es in Folge 10 von Chefsache Krise: „Warum deine Strategie 2026 am 15. Januar sterben wird – und wie du das verhinderst" – Jetzt anhören.
Teilen:

15. Januar 2026

Maximal drei Ziele pro Quartal

Bei strategischen Zielen – im OKR-System: Objectives – geht es nicht darum, die Qualität des Klopapiers zu tauschen. Ein Objective ist etwas, das in Deinem Unternehmen tatsächlich einen Unterschied macht. Und das heißt fast immer: ein Eingriff in die Kernstrukturen.

Genau deshalb gilt: maximal drei pro Quartal. Mehr wirst Du nicht hinbekommen. Entweder wird es zu stressig für Deine Leute – oder Du nimmst, weil Du an mehreren Kernprozessen gleichzeitig arbeitest, den ganzen Laden auseinander. Dann blockieren die Ziele Dein Unternehmen, statt es voranzubringen. Das Gegenteil dessen, was Du willst.

Drei pro Quartal, das macht zwölf im Jahr. Zwölf strategische Verbesserungen, wirklich umgesetzt – damit bist Du ganz weit vorne. Vergleich das mit Deiner Vergangenheit: Da waren es vermutlich eine oder zwei. Der Sprung kommt nicht von mehr Arbeit, sondern davon, dass Du der ganzen Geschichte eine Struktur gibst. Und Struktur erhöht immer Geschwindigkeit. Oder – man soll sich ja nicht selbst zitieren, außer wenn es gut ist: System schlägt Intensität.

Eine Faustregel zur Kontrolle: Deine Ziele und ihre Messwerte müssen auf ein Blatt Papier passen. Passt es nicht mehr auf ein Blatt, ist es viel zu viel. Dann erschlägt Dich die Masse, und Dein Unternehmen wird insgesamt unproduktiver.

Also: Nimm Dir weniger vor, als Du gern würdest. Die übrigen Ideen laufen Dir nicht weg – sie kommen im nächsten Quartal dran.

Zwölf umgesetzte Ziele schlagen fünfzig aufgeschriebene. Nicht weil Du mehr arbeitest – sondern weil Struktur Geschwindigkeit erhöht.

Wie das komplette OKR-System funktioniert – vom Ziel über die Messwerte bis zum Wochenrhythmus –, hörst Du in Folge 10 von Chefsache Krise: „Warum deine Strategie 2026 am 15. Januar sterben wird – und wie du das verhinderst" – Jetzt anhören.
Teilen:

14. Januar 2026

Was Du nicht messen kannst, kannst Du auch lassen

Ein Steuerberater aus Kiel nimmt sich vor: Ich möchte zu den Top drei Steuerberatern von Kiel gehören. Eine tolle Aufgabe – aber kein Ziel. Denn es gibt nichts, womit er messen könnte, ob er ankommt.

Wie misst man „Top drei"? Nach Umsatz? Mitarbeiterzahl? Bürofläche? Ein Kollege in Kiel wirbt damit, dass er auf zweieinhalbtausend Quadratmetern Steuerberatung macht. Ich weiß nicht, wofür das ein Kriterium ist – aber zumindest hat er viel Fläche. Und selbst wenn Du Dich auf eine Messgröße einigst: Woher bekommst Du die Daten? Du kannst nicht erheben, wie viele Mandanten die Kollegen haben.

Ein brauchbares Ziel – im OKR-System heißt es Objective – ist ein wünschenswerter Zustand in der Zukunft, formuliert in einem Satz. Und zu jedem Ziel gehören Messwerte, die Key Results: so viele wie nötig, so wenige wie möglich, als Faustformel drei, maximal fünf. Zwei Bedingungen müssen sie erfüllen. Erstens: Die Größe muss überhaupt messbar sein. Zweitens: Du musst mit überschaubarem Aufwand an die Daten kommen. Wenn Du für jede Messung eine achtwöchige Marktforschung brauchst, ist es die falsche Metrik.

„Wir wollen die Durchlaufzeit von Auftrag bis Versand verkürzen" erfüllt beides – die Durchlaufzeit kann Deine IT automatisch mitmessen. „Top drei in Kiel" erfüllt keins von beiden.

Ein Ziel ohne Messwert wabert im Raum. Du kannst nie feststellen, ob Du ihm näher kommst – also ändert es auch nichts an dem, was Du morgen tust.

Ein Ziel, das Du nicht messen kannst, erreichst Du höchstens aus Versehen – und merkst es nicht einmal.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 10 von Chefsache Krise: „Warum deine Strategie 2026 am 15. Januar sterben wird – und wie du das verhinderst" – Jetzt anhören.
Teilen:

13. Januar 2026

Lesefassung Folge 10: Warum Deine Strategie 2026 am 15. Januar sterben wird – und wie Du das verhinderst

Die guten Ideen aus den Tagen zwischen den Jahren stehen im Notizbuch – und zerschellen spätestens am Kalenderblatt des 15. Januar, wenn der Alltag zurück ist. Wie Du mit einem pragmatischen OKR-System die Lücke zwischen Strategie und Tagesgeschäft schließt: die komplette Lesefassung von Folge 10.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

8. Januar 2026

Am Unternehmen arbeiten ist kein Jahresend-Ritual

Ich schätze, achtzig bis neunzig Prozent der Unternehmer nehmen sich keine Zeit, ihren Markt wirklich zu durchdenken. Sie haben denselben Input wie Du und ich – dieselben Gespräche, dieselben Magazine, dieselben Nachrichten. Aber die Synapsen werden nicht verbunden. Die eine Frage bleibt ungestellt: Was bedeutet das für mich?

Wie das konkret aussieht, zeige ich Dir an meiner eigenen Branche. Ich weiß seit Jahren, dass der Steuerberatermarkt implodieren wird – nicht explodieren, in sich zusammenbrechen. Die geburtenstarken Jahrgänge scheiden aus, und mit ihnen die Mitarbeiter. Gleichzeitig existieren die KI-Systeme, die die Finanzbuchhaltung – den größten Umsatzträger der Standardkanzlei – wegwischen werden, bereits. Sie sind nur noch nicht in der Fläche ausgerollt.

Aus diesem Wissen folgen Entscheidungen, keine Sorgenfalten: Ich habe meine Kanzlei vor zehn Jahren strategisch anders aufgebaut, den neuen Mietvertrag bewusst nur über fünf Jahre abgeschlossen, 2025 mich und meine Leute geschult und 2026 zu unserem KI-Jahr ausgerufen. Wenn die Veränderung meinen Markt massiv erreicht, sind wir längst fertig. Das ist Steuerbarkeit – und wer sie verliert, steht am Anfang jeder Krise.

Das Entscheidende: Diese Arbeit ist kein Ritual für die Tage zwischen den Jahren. In einem Satz: Nicht im Unternehmen arbeiten – am Unternehmen arbeiten. Nimm Dir dafür einen festen Termin, jede Woche, gern jeden Tag eine Stunde. Steh um fünf auf, guck aus dem Fenster, trink Kaffee und denk darüber nach, wohin sich Dein Markt entwickelt. Das ist nichts Ausgefallenes. Das ist Deine originäre Unternehmeraufgabe: zu prüfen, ob Dein Unternehmen in fünf Jahren noch existieren wird.

Wenn die Veränderung Deinen Markt erreicht, musst Du fertig sein – anfangen kannst Du dann nicht mehr.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro – das komplette Gespräch über Reflexion, Planung und Marktbeobachtung ist Folge 9 von Chefsache Krise: „Jahresplanung 2026: Warum gute Vorsätze scheitern (und OKRs funktionieren)" – Jetzt anhören.
Teilen:

7. Januar 2026

Formuliere jedes Problem in eine Frage um

Wenn ich in meiner Reflexion ein Problem identifiziert habe, mache ich damit immer dasselbe: Ich formuliere es in eine Frage um.

Ein Beispiel aus meiner eigenen Kanzlei: „Im letzten Jahr ist der Mandatsaufnahmeprozess permanent falsch gelaufen." Das ist ein Problem – und es fühlt sich genauso an. Dieselbe Sache als Frage: „Was kann ich in Zukunft tun, damit der Mandatsaufnahmeprozess besser läuft?"

Der Unterschied ist nicht kosmetisch, er ist psychologisch. Beim Problem bleibst Du im Ärger stecken. Bei der Frage gerätst Du sofort und automatisch in den Lösungsmodus – Dein Gehirn fängt an, sich mit der Lösung zu beschäftigen statt mit dem Problem. Gegen diesen Automatismus kannst Du Dich im Zweifel gar nicht wehren.

Und wenn Dir schon beim Formulieren der Frage eine Lösung in den Kopf schießt: sofort zum Stift greifen und aufschreiben, damit der Gedanke nicht verloren geht. Er ist meistens gar nicht schlecht. In der Unternehmensberatung arbeiten wir mit einem verwandten Prinzip: Wir treffen zu einem Problem eine Annahme und versuchen dann, sie zu falsifizieren – herauszufinden, warum sie falsch ist. Häufig ist der erste Aspekt, der innerhalb von zehn Sekunden kommt, bereits die Lösung. So näherst Du Dich einem Thema, ohne erst tagelang zu recherchieren, was das Problem sein könnte.

Geh also Deine Liste durch – alles, was Dich nervt, was schiefläuft, was Du anders haben willst – und verwandle jeden Eintrag in eine Frage, die mit „Was kann ich tun, damit…" beginnt.

Ein Problem beschreibt, warum Du feststeckst. Eine Frage beschreibt, wie Du da rauskommst.

Wie aus solchen Fragen ein komplettes Planungssystem mit Objectives und Key Results wird, hörst Du in Folge 9 von Chefsache Krise: „Jahresplanung 2026: Warum gute Vorsätze scheitern (und OKRs funktionieren)" – Jetzt anhören.
Teilen:

1. Januar 2026

Dein Jahresrückblick beginnt im Auto

Für den Jahresrückblick brauchst Du kein Hotel, kein Seminar und keine Masterclass von irgendeinem Selbstdarsteller. Du brauchst Dein Auto, Dein Handy und vier Fragen.

Du sitzt ohnehin ständig im Auto und redest mit Dir selbst. Nutze das. Stell Dir diese Fragen:

  • Was hat mich im letzten Jahr total genervt?
  • Was fand ich toll?
  • Wovon will ich mehr?
  • Wovon will ich gar nichts mehr?

Dann startest Du die Sprachaufzeichnung Deines Handys und redest, wie Dir der Schnabel gewachsen ist – alles, was Dir in den Sinn kommt, ungefiltert. Keine Struktur, keine Reihenfolge, einfach raus damit.

Zu Hause lädst Du die Aufnahme in eine KI Deiner Wahl und gibst ihr zwei Aufgaben. Erstens: Sortiere und formuliere das aus. Das klappt hervorragend – Deine Gedanken kommen geordnet zurück. Zweitens: „Du bist Spezialist für Objectives und Key Results – formuliere mir daraus die Ziele für das kommende Jahr." Das Ergebnis ist zu etwa neunzig Prozent brauchbar; den letzten Dreh, der wirklich zu Dir und Deinem Unternehmen passt, musst Du selbst nachschärfen. Aber das meiste steht dann schon.

Danach priorisierst Du, zum Beispiel mit der Eisenhower-Matrix: Was ist wichtig, was ist dringend? Hat mich das nur genervt, oder muss ich etwas ändern? Kann ich es überhaupt beeinflussen?

Und dann kommt der Teil, den Dir keine KI abnimmt. Erfolg hat drei Buchstaben: T-U-N.

Der beste Jahresplan entsteht nicht am leeren Blatt – er entsteht dort, wo Du ehrlich mit Dir redest. Du musst es nur aufnehmen.

Perfekt für die Tage zwischen den Jahren – die komplette Anleitung samt Priorisierung gibt es in Folge 9 von Chefsache Krise: „Jahresplanung 2026: Warum gute Vorsätze scheitern (und OKRs funktionieren)" – Jetzt anhören.
Teilen:

31. Dezember 2025

Eine Idee ist kein Ziel

Warum scheitern gute Vorsätze? Nicht an Deiner Disziplin. Sie scheitern daran, dass sie nie Ziele waren – sondern Ideen.

Meine Podcast-Partnerin Birgit Ersbach hat mir dafür in unserer Jahresplanungs-Folge unfreiwillig das beste Beispiel geliefert. In ihrem Planungsbuch stand ein Vorhaben: eine Podcast-Reise mit allen Hosts ihres Hauses – ein Wochenende an einem schönen Ort, drei Tage Content produzieren, drei Tage Austausch. Klingt großartig. Und was ist passiert? Nichts. Die Idee wurde nie weiterverfolgt, und am Jahresende gab es nichts zu messen.

Genau das ist der Punkt: Eine Idee ist ein „Man könnte ja mal". Ein Ziel ist messbar. Mit Peter Drucker gesagt: Was nicht messbar ist, existiert nicht. Aus der Idee „Podcast-Reise" wird erst dann ein Ziel, wenn dort steht: drei Tage im Juni mit zehn Leuten. Jetzt gibt es einen Termin, eine Zahl – und am Jahresende eine klare Antwort: erreicht oder nicht erreicht.

Ideen habe ich sieben Millionen, und das ist auch gut so – Ideen dürfen liegen bleiben. Aber der Jahresplan ist kein Ort für Ideen. Prüfe deshalb jeden Deiner Vorsätze für das neue Jahr mit einer einzigen Frage: Woran messe ich, ob ich das erreicht habe? Findest Du keine Antwort, hast Du kein Ziel aufgeschrieben, sondern einen Wunsch.

Ein Vorsatz, den Du nicht messen kannst, ist keiner – er ist eine Idee mit Datum vom ersten Januar.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 9 von Chefsache Krise: „Jahresplanung 2026: Warum gute Vorsätze scheitern (und OKRs funktionieren)" – Jetzt anhören.
Teilen:

30. Dezember 2025

Lesefassung Folge 9: Jahresplanung 2026: Warum gute Vorsätze scheitern – und OKRs funktionieren

Zwischen den Jahren nimmt sich fast jeder Unternehmer etwas vor – und die meisten Vorsätze sind im Februar vergessen. Warum? Weil eine Idee kein Ziel ist. Wie Du mit vier Lebensbereichen, Objectives und Key Results eine Jahresplanung baust, die hält: die Lesefassung von Folge 9 mit Birgit Ersbach.

Weiterlesen – 10 Minuten

Teilen:

25. Dezember 2025

Bist Du die beste Fachkraft in Deinem Betrieb? Dann hast Du ein Problem

Deine größte Stärke als Gründer war, die beste Fachkraft zu sein. Genau diese Stärke wird zum Problem – und zwar dann, wenn Du nachhaltig die beste Fachkraft in Deinem Unternehmen bleibst.

Steve Jobs hat das wunderbar formuliert: Bei Apple stellen wir keine Leute ein, denen wir erklären müssen, wie es funktioniert – wir stellen Leute ein, die uns erklären, wie es funktioniert. Bleibst Du in Deinem Betrieb immer der Beste, hast Du eine falsche Personalpolitik. Du wirst immer wieder eingreifen müssen, immer wieder erklären müssen, wie es geht – weil die anderen es nicht können.

Versteh mich richtig: Wissen schadet nicht. Wer Steuerberater werden will, sollte wissen, wie Buchhaltung geht – idealerweise mit einer Ausbildung zum Steuerfachangestellten, damit er seine Mitarbeiter versteht und ihre Probleme erkennt. Eine gute Fachkraft zu sein ist sehr hilfreich. Nur die beste im Haus solltest Du nicht bleiben.

In meinem Unternehmen arbeitet niemand, der nicht irgendetwas besser kann als ich. Das ist mir unglaublich wichtig. Der eine ist der bessere Steuerrechtler, der andere macht Buchhaltung auf Spitzenniveau. Ich bin nicht der liebe Gott, ich kann nicht alles am besten – und ich will es auch gar nicht. Genau deshalb funktioniert mein Unternehmen ohne mich: Ich muss niemanden anleiten, niemanden managen, niemandem erklären, wie eine Buchhaltung funktioniert. Das wissen meine Leute besser als ich.

Und erst diese Freiheit gibt Dir die Zeit für die Fragen, die nur Du beantworten kannst: Was macht die KI mit meinem Geschäft? Wie verschlanke ich die Prozesse? Wo soll das Unternehmen in fünf Jahren stehen?

Versammle Menschen um Dich, die etwas besser können als Du – oder bleib für immer der Engpass Deines eigenen Unternehmens.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 8 von Chefsache Krise: „Am Unternehmen arbeiten – is klar! Nur, was heißt das eigentlich konkret?" – Jetzt anhören.
Teilen:

24. Dezember 2025

Mach Dich in Deinem Unternehmen überflüssig

Wer ist eigentlich der Kunde des Unternehmers? Nicht des Unternehmens – des Unternehmers. Du könntest auf den verwegenen Gedanken kommen: Dein Nachfolger. Bau Dein Unternehmen so, dass Du es eines Tages wie ein Fertighaus schlüsselfertig übergeben kannst. Mit diesem Gedanken kannst Du schon bei der Gründung anfangen.

Warum das wichtig ist, zeigt sich am Ende vieler Unternehmerleben: Viele Unternehmen erzielen bei der Nachfolge schlicht keinen Kaufpreis – weil sie nichts wert sind. Stell Dir vor, ich soll als Nachfolger Deinen Betrieb kaufen. Ein Betrieb, der komplett zusammenbricht, sobald Du weg bist: weil Du mit Deinen Kunden alt geworden bist, weil nur Du die Prozesse kennst, weil nur Du den Draht zu den Lieferanten hast. Was kaufe ich dann? Nichts. Ein paar Leitern, vielleicht ein Auto – und mit Glück Mitarbeiter, die ich permanent anleiten muss, weil sie nie gelernt haben, eigenständig zu arbeiten. Du warst ja immer da.

Ein Wort noch zum Klassiker: das Unternehmen an den besten Mitarbeiter verkaufen. Die Superfachkraft bekommt den Betrieb angeboten, weil sie fachlich so stark ist – und dann geht dieselbe Geschichte von vorn los, Deine eigene: eine Fachkraft, die über Nacht Unternehmer sein soll. Das Peter-Prinzip nennt man das – befördert bis zur Position, die man schlicht nicht kann. Wenn Du an Deinen besten Mitarbeiter übergeben willst, fang rechtzeitig an und bau mit ihm gemeinsam ein Managementsystem auf, damit er nicht in Deine Falle rennt.

Willst Du also einen Unternehmenswert erzielen, lautet die Aufgabe: Mach Dich in Deinem Unternehmen überflüssig.

Ein Unternehmen, das ohne Dich zusammenbricht, ist kein Unternehmen. Es ist Dein Job – und einen Job kauft Dir niemand ab.

Das ganze Bild – vom Franchise-Test bis zum Zielfoto – gibt es in Folge 8 von Chefsache Krise: „Am Unternehmen arbeiten – is klar! Nur, was heißt das eigentlich konkret?" – Jetzt anhören.
Teilen:

18. Dezember 2025

Der Franchise-Test: Wie würde McDonald's Deinen Betrieb bauen?

„Du sollst am Unternehmen arbeiten, nicht im Unternehmen" – der Satz klingt gut und sagt nichts. Hier ist ein Gedankenspiel, das ihn konkret macht.

Stell Dir vor, Du wolltest Dein Unternehmen franchisen: Du klonst es und stellst es in der Nachbarstadt auf der grünen Wiese neu auf. Wie müsste es aufgebaut sein, damit das funktioniert? Eins ist sofort klar: Es kann nicht mehr von Dir abhängen – Du kannst nicht an zwei Orten gleichzeitig sein.

Jetzt denk weiter: zehn Standorte, überall dasselbe Ergebnis. Kennst Du das? Kennst Du. McDonald's, Burger King und wie die Ketten alle heißen. Dort ist vom Kochlöffel bis zur Kleidung der Mitarbeiter alles definiert – deshalb steht eine neue Filiale in wenigen Wochen, von null auf hundert.

Nimm also Deinen Elektrikerbetrieb, Deine Bäckerei, Deine Kanzlei und frag Dich: Wie würde McDonald's das bauen? Was müsstest Du tun, damit Du das Ganze jemandem übergeben könntest, der es für Dich betreibt?

Die Antwort ist immer dieselbe: Du musst ein System schaffen. Prozesse, Dokumentation, Einheitlichkeit – einen Rahmen, in dem die Arbeit beherrschbar wird, statt an Deiner Person zu hängen. Statt dass Du Kuchen backst, baust Du ein System, das Kuchen backt. Statt dass Du Steckdosen anbaust, baust Du ein System, an dessen Ende Steckdosen angebaut werden. Einer meiner Lieblingssätze dazu: System schlägt Intensität – und zwar immer.

Das geht nicht per Fingerschnipp. Aber jeder Prozess, den Du diese Woche dokumentierst, ist ein Schritt in die richtige Richtung.

Du musst Dein Unternehmen nie franchisen. Aber bau es so, als ob – dann funktioniert es irgendwann auch ohne Dich.

Wie Du vom Gedankenspiel zum System kommst, hörst Du in Folge 8 von Chefsache Krise: „Am Unternehmen arbeiten – is klar! Nur, was heißt das eigentlich konkret?" – Jetzt anhören.
Teilen:

17. Dezember 2025

Drei Persönlichkeiten in Dir – und die Fachkraft gewinnt immer

Warum stagnieren Unternehmen – oder scheitern sogar? Meistens nicht an zu wenig Können. Sondern an einer fatalen Annahme: Weil ich gut mauern, backen oder programmieren kann, kann ich auch ein Unternehmen führen. Diese Annahme ist schlicht falsch. Lothar Matthäus war ein begnadeter Fußballspieler – als Trainer ist er eher gescheitert. Gut spielen heißt nicht, eine Mannschaft führen zu können.

Mit der Gründung nimmst Du einen kompletten Jobwechsel vor und bekommst zwei Jobs obendrauf. Ab jetzt wohnen drei Persönlichkeiten in Dir:

  • Die Fachkraft lebt in der Gegenwart, sieht die Arbeit vor den Füßen und erledigt sie am liebsten selbst. Ihr Leitsatz: „Wenn Du willst, dass es klappt, mach es selbst."
  • Der Manager plant, ordnet und schafft Prozesse und Strukturen.
  • Der Unternehmer denkt in der Zukunft: Was wäre, wenn? Welches Produkt, welcher Markt? Er ist derjenige, der verändert.

Diese drei kämpfen permanent in Dir – und eine gewinnt immer: die Fachkraft. Denn die Arbeit, die vor Dir liegt, bringt heute Umsatz. Ob ein angepasstes Geschäftsmodell morgen mehr brächte, fragt eine Fachkraft nicht. Das ist eine Unternehmeraufgabe.

Nach meiner Erfahrung sieht die Verteilung bei den meisten Inhabern so aus: siebzig bis achtzig Prozent Fachkraft, rund zwanzig Prozent Manager, zehn Prozent Unternehmer – in manchen Betrieben geht der Unternehmeranteil fast gegen null.

Das Perfide daran: Der Grund, aus dem Du Dich selbstständig gemacht hast – Deine Stärke als Fachkraft –, wird zum größten Hemmschuh für das Wachstum Deines Unternehmens.

Unternehmen scheitern nicht an zu wenig Können. Sie scheitern daran, dass der Inhaber nie aufhört, Fachkraft zu sein.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 8 von Chefsache Krise: „Am Unternehmen arbeiten – is klar! Nur, was heißt das eigentlich konkret?" – Jetzt anhören.
Teilen:

16. Dezember 2025

Lesefassung Folge 8: Am Unternehmen arbeiten – is klar! Nur, was heißt das eigentlich konkret?

Du sollst am Unternehmen arbeiten, nicht im Unternehmen – den Spruch kennst Du. Aber was sollst Du konkret tun? Diese Folge liefert den wahren Grund, warum Unternehmen stagnieren oder scheitern – die Fachkraft, die Unternehmer wurde und nie aufgehört hat, Fachkraft zu sein – und zwei Bilder, die den Spruch endlich greifbar machen.

Weiterlesen – 9 Minuten

Teilen:

11. Dezember 2025

Sprich mit jemandem, der nichts von Dir will

Als Unternehmer stehst Du oben auf der Pyramidenspitze – und da ist es einsam, kalt und zugig. Der naheliegende Gedanke: Ich bespreche meine Sorgen zu Hause. Das kannst Du in vielen Fällen eben genau nicht.

Denn um Dich herum stehen lauter Stakeholder, jeder mit einem eigenen Interesse – und sei es das liebevollste. Deine Frau oder Dein Mann will, dass es Dir gut geht, dass Du abends rechtzeitig am Tisch sitzt und dass eine bestimmte Sicherheit da ist. Deine Mutter möchte, dass ihr Kind glücklich ist. Dein Vater möchte Leistung sehen. Und Deine Freunde wollen vor allem eines: Zeit mit Dir – wer ahnt, dass Dein nächstes Vorhaben Zeit kostet, rät lieber ab.

Deshalb: Umgib Dich mit Menschen, die kein eigenes Interesse daran haben, Dich in irgendeine Richtung zu lenken. Such Dir ein, zwei, drei Unternehmer, denen Du vertraust, und geh mit ihnen regelmäßig essen. Sie müssen nicht Deine besten Freunde sein, und die Branche ist egal – die Mechanismen und die Ängste sind überall dieselben. Ob Schuhe, Events oder Steuerberatung: Am Ende liegen wir alle nachts wach und denken, es ist der Fünfundzwanzigste, morgen werden die Gehälter fällig.

Was nicht hilft: Visitenkarten- und Häppchenveranstaltungen, auf denen alle „mein Haus, mein Boot" spielen. Da ist niemand ehrlich. Denn Vertrauen beginnt – das beschreibt Patrick Lencioni in „Die fünf Dysfunktionen eines Teams" – immer dort, wo jemand Verletzlichkeit zeigt. Kein Mensch hat Bock auf Superhelden. Das Zugeben von Schwäche ist die größte Stärke.

Wer ein eigenes Interesse an Dir hat, gibt Dir keinen Rat – er lenkt Dich.

Wie das ganze Gespräch über Angst, Flucht und ehrliche Gesprächspartner klingt, hörst Du in Folge 7 von Chefsache Krise: „Stell dich deinen Ängsten – für das Beste für dein Unternehmen!" – Jetzt anhören.
Teilen:

10. Dezember 2025

Dein Unternehmen ist nicht Dein Baby

Viele Unternehmer sagen, ihre Firma sei wie ihr Kind. Verständlich: Du stehst morgens auf, und sie geht Dir durch den Kopf. Sie ist Dein Alltag, Dein Leben. Und genau da wird es gefährlich. Denn wenn Dein Unternehmen Deine Identität ist, wird jede Unternehmenskrise zur Existenzkrise Deiner Person – und die Angst regiert mit.

Eine Grundwahrheit des Buddhismus lautet: Leid entsteht durch Anhaftung – durch Habenwollen, Besitzenwollen, Festhaltenwollen. Wenn Du Dich an Dein Unternehmen klammerst, als würdest Du ohne es nicht mehr existieren, dann ist das Anhaftung. Und die erzeugt Leid.

Meine Haltung dazu: Ich bin kein Steuerberater und kein Unternehmensberater. Ich bin Unternehmer – und eines meiner Unternehmen ist eine Steuerberatung. Das sind nicht meine Babys, das sind Vorhaben, Dinge, die ich tue. Würde morgen jemand die Steuerberatung verbieten, würde ich mit den Schultern zucken und etwas anderes machen. Das wünsche ich vielen, die solche Ängste haben: mit den Schultern zucken zu können und zu sagen – dann eben nicht.

Denn mal ehrlich, als Mensch gefragt: Ist ein gescheitertes Unternehmen wirklich das Schlimmste, was Dir passieren kann? Natürlich nicht. Das Schlimmste im Leben hat mit Deiner Familie zu tun, nicht mit einer Firma. Scheitern ist scheiße für Dein Ego – mehr nicht.

Hundertprozentig gelingt dieses Loslassen niemandem, auch mir nicht. Ich bin eitel, und ich erzähle gern am Tresen, wenn es läuft. Aber jedes Stück, das Du Dein Unternehmen vom Ego löst, nimmt der Angst Gewicht.

Dein Unternehmen ist etwas, das Du tust – nicht etwas, das Du bist.

20 Minuten reichen hier nicht – das Gespräch über Ängste mit Unternehmerin Birgit Ersbach ist Folge 7 von Chefsache Krise: „Stell dich deinen Ängsten – für das Beste für dein Unternehmen!" – Jetzt anhören.
Teilen:

4. Dezember 2025

Zahlen sind Medizin gegen Angst: die Dreizehn-Wochen-Vorschau

Angst als Unternehmer ist diffus: Reicht das Geld? Wie lange noch? Was wird aus meiner Existenz? Solange diese Fragen unbeantwortet im Kopf kreisen, wird die Angst größer – und Du triffst genau dann die falschen Entscheidungen, wenn Du die richtigen am dringendsten brauchst.

Das wirksamste Erste-Hilfe-Mittel kommt ausgerechnet von einer, die diese Ängste selbst durchgemacht hat. Unternehmerin Birgit Ersbach, deren Eventagenturen Corona mit einem Fingerschnippen traf, empfiehlt als ersten Schritt: Zahlen, Daten, Fakten.

Konkret heißt das zweierlei:

  1. Eine knallharte Analyse des Status quo. Wo stehe ich gerade mit meiner Liquidität – nicht gefühlt, sondern schwarz auf weiß?
  2. Eine Vorschau über mindestens neunzig Tage – dreizehn Wochen, ein Quartal: Was kommt an Geld herein, welche Ausgaben stehen an?

Das ist wie beim Arzt, der auf Dein Herz schaut und Dir sagt, wie es wirklich steht: Lass das Unternehmerherz einmal durchchecken. Danach hast Du wieder Luft zum Atmen und eine Grundlage, um von dort aus die nächsten Schritte zu gehen. Denn Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit – und die Vorschau gibt Dir das Steuer zurück: Wenn Du weißt, wo Dein Feind steht, weißt Du, wo Du angreifen musst.

Bei Birgit ist daraus ein tägliches Ritual geworden: Ihre Liquiditätsvorschau ist ein Dashboard, das sie jeden Morgen öffnet – so selbstverständlich wie ihr Mailprogramm. Und wenn Du so eine Vorschau nicht selbst aufstellen kannst: Frag Deinen Steuerberater. Genau dafür ist er da.

Angst wächst im Ungefähren. Dreizehn Wochen Klarheit entziehen ihr den Nährboden.

Das ganze Gespräch mit Birgit Ersbach über Angst, Flucht und den Weg zurück gibt es in Folge 7 von Chefsache Krise: „Stell dich deinen Ängsten – für das Beste für dein Unternehmen!" – Jetzt anhören.
Teilen:

3. Dezember 2025

Achtzig Prozent Angst, zwanzig Prozent Technik

Wenn Unternehmer in die Beratung kommen, nennen sie Symptome: Die Bank gibt keinen Kredit, die Liquidität ist weg, die Mitarbeiter laufen davon. Aber was treibt Dich wirklich aus dem Haus zu jemandem, bei dem Du erst einmal sprichwörtlich die Hose herunterlassen musst? Am Ende aller Tage ist es Angst.

Achtzig Prozent meiner Beratungen haben mit Angst zu tun. Nur zwanzig Prozent sind Technik: Liquiditätsplan, Businessplan, Analyse für die Bank.

Und noch etwas gehört zur ehrlichen Bestandsaufnahme: Schieflagen entstehen – bis auf ganz seltene Ausnahmen – nicht durch äußere Umstände, sondern durch falsche Entscheidungen. Ich kann Dir das Bein schienen, aber wenn ich Deine Birne nicht gerade kriege, brichst Du es Dir morgen wieder. Es nützt Dir kein Kredit, wenn Du Dein Verhalten nicht änderst.

Warum kommen die meisten trotzdem erst, wenn die Bank sie zwingt oder es kurz vor dem Exitus steht? Weil zum ersten Schritt ein Satz gehört, der Mut kostet: Ich habe ein Problem, und ich komme allein nicht klar. Ich muss mir eingestehen, dass ich etwas nicht hingekriegt habe – und dass ich Hilfe brauche.

Dabei ist genau das das Normalste der Welt. Wenn Dir der Magen grummelt, gehst Du zum Arzt und lässt nachsehen – Selbstdiagnosen sind bekanntlich immer schädlich. Warum also nicht auch mit dem Unternehmen? Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche, es ist ein Zeichen von Stärke.

Der Kredit repariert Dein Konto – Deine Entscheidungen repariert er nicht.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 7 von Chefsache Krise: „Stell dich deinen Ängsten – für das Beste für dein Unternehmen!" Das ganze Gespräch mit Unternehmerin Birgit Ersbach: Jetzt anhören.
Teilen:

2. Dezember 2025

Lesefassung Folge 7: Stell Dich Deinen Ängsten – für das Beste für Dein Unternehmen

Kein Kredit, keine Liquidität, Ärger im Team – das sind Symptome. Dahinter steckt fast immer etwas, worüber Unternehmer nicht gern reden: Angst. Warum achtzig Prozent aller Beratungen in Wahrheit davon handeln, weshalb Dein Unternehmen nicht Dein Baby ist und wie Zahlen zur Medizin werden – das Gespräch mit Unternehmerin Birgit Ersbach als Lesefassung.

Weiterlesen – 10 Minuten

Teilen:

27. November 2025

Deine neue Jobbeschreibung: effektiv, effizient, liquide

Was ist eigentlich Deine Aufgabe als Unternehmer? Nicht die Stellenbeschreibung, die Du Dir selbst geben würdest – die tatsächliche. Sie passt in drei Schritte.

Du kaufst Vermögen und Du hast Personal. Personal ist in diesem Sinne auch ein Vermögenswert – Deine guten Leute sind ohnehin der größte Schatz eines Unternehmers. Dieses Vermögen wird durch Effektivität zu Umsatz: Du setzt Autos, Tische, Bagger und Deine Leute wirksam ein. Wenn Du effizient arbeitest, wird aus Umsatz Gewinn. Und wenn Du gutes Management betreibst, wird aus dem Gewinn Cash.

Das ist die Reihenfolge, und sie hat eine klare Spitze: Das ultimative Ziel eines Unternehmers ist, Cash zu generieren. Nicht Umsatz – der kann Dir weglaufen, ohne dass etwas hängen bleibt. Nicht Gewinn – der ist eine Rechengröße auf dem Papier. Cash. Kein Cash inne Täsch, dann stirbt Dein Unternehmen. Punkt.

Denn Geld haben kommt nicht von Geld verdienen, sondern von Geld behalten. Umsatz machen können viele. Aus Umsatz Gewinn machen schon weniger. Und aus Gewinn tatsächlich Geld auf dem Konto machen – das ist die Königsdisziplin, und genau daran entscheidet sich, ob Dein Unternehmen lebt.

Ab sofort hast Du also eine neue Jobbeschreibung: Du bist effektiv, denn Du verwandelst Vermögen und Mitarbeiter in Umsatz. Du bist effizient, denn Du verwandelst Umsatz in Gewinn. Und Du bist liquide, denn Du verwandelst Gewinn in Cash.

Deine Mission: effektiver, effizienter, liquider – jeden Tag. Und wenn Du damit fertig bist, fängst Du wieder von vorne an.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 6 von Chefsache Krise: „Cash inne Täsch: die wichtigste Zahl für alle Unternehmen" – Jetzt anhören.
Teilen:

26. November 2025

Mit vollem Auftragsbuch in die Insolvenz

Stell Dir einen Elektromeister vor, der für kommunale Einrichtungen arbeitet. Kommunale Träger haben meistens sehr lange Zahlungsziele – sagen wir neunzig Tage. Er schreibt im Januar seine Rechnung und weist im Januar den Gewinn in der BWA aus. Das Geld kommt erst Monate später. Laut BWA sieht alles gut aus – auf dem Konto ist nichts. Theoretisch könnte er schon zahlungsunfähig sein, während seine Auswertung Erfolg meldet.

Ich habe einmal einen Malermeister beraten, der genau daran gescheitert ist. Achtzig, neunzig Prozent seines Umsatzes kamen von kommunalen Trägern – damals mit noch längeren Zahlungszielen als neunzig Tagen. Für jeden Auftrag musste er Material, Mitarbeiter und alle anderen Kosten vorfinanzieren. Kommt das Geld der Kunden nicht rechtzeitig, bringst Du es aus eigener Tasche auf – und wenn Du das häufig genug machst und die Aufträge groß genug sind, kannst Du an einer tollen Auftragslage pleitegehen. Er hatte einen sensationellen Gewinn. Und kein Cash auf dem Konto. Und kein Cash auf dem Konto ist ein Insolvenzgrund.

Wir haben versucht, aus den Zahlen die Strategie anzupassen: Für die öffentlichen Auftraggeber brauchte er kein Marketing, die Ausschreibungen kamen automatisch. Also haben wir Privatkunden akquiriert – mit kürzeren Zahlungszielen, um genau dieses Loch zu kompensieren. Für ihn kam die Wende zu spät, die Zahlungsbelastung war zu groß. Bei anderen, die rechtzeitiger gekommen sind, hat genau dieser Schritt funktioniert.

Die Lehre: Deine BWA zeigt Dir den Gewinn. Ob Du überlebst, entscheidet der Cash.

An guten Aufträgen kannst Du pleitegehen – wenn das Geld später kommt, als Deine Kosten fällig sind.

Das ganze Beispiel – und wie Du Deine Cashflow-Rechnung liest, bevor es zu spät ist – gibt es in Folge 6 von Chefsache Krise: „Cash inne Täsch: die wichtigste Zahl für alle Unternehmen" – Jetzt anhören.
Teilen:

20. November 2025

Deine Zahlen sind nicht fürs Finanzamt

Wofür sind die Zahlen eigentlich, die Dein Steuerberater jeden Monat aus Deinen Belegen zusammenbrät? Fürs Finanzamt? Für die Bank? Nein. Die Zahlen sind für Dich. Sie sind dafür da, dass Du Dein Unternehmen steuern kannst. „To control" heißt im Englischen steuern, nicht kontrollieren – Dein Zahlenwerk ist ein Steuerungsinstrument. Denn Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit, und wer seine Zahlen nicht liest, gibt die Steuerung freiwillig ab.

Der Kreislauf ist immer derselbe: Aus Deiner Strategie kommen Entscheidungen. Jede Entscheidung führt zu einer Aktion – Du kaufst, Du verkaufst. Jede Aktion führt zu einem Beleg. Die Belege führen zur Buchhaltung, die Buchhaltung liefert die Zahlen. Und wenn Du die Zahlen liest, triffst Du bessere Entscheidungen – und alles beginnt von vorn. So erkennst Du, ob Deine Entscheidungen dahin führen, wo sie hinführen sollen. Wenn die Summe der Entscheidungen falsch läuft, musst Du eine Etage höher: die Strategie anpassen.

Der Klassiker, der genau das verfehlt: Die Liquidität geht aus, also „brauche ich einen Kredit". Damit beseitigst Du vielleicht einen Zahlungsengpass – aber nur das Symptom, nicht die Mängel in der Strategie.

Und Dein Bauchgefühl? Darf es geben, muss es sogar. Aber Du musst es mit den Zahlen abgleichen – und aus vielen Jahren Beratung kann ich Dir sagen: Die meisten Unternehmer machen sich etwas vor. „Ich überweise mir doch nur dreitausend Euro im Monat." Kann sein. Dazu kommen Krankenkasse, Lebensversicherung, Unfallversicherung, Steuerzahlungen – und plötzlich stehst Du bei zehntausend Euro Privatentnahmen und wunderst Dich über das leere Konto.

Die Zahlen sind nicht fürs Finanzamt. Sie sind das Lenkrad Deines Unternehmens.

Wie der komplette Kreislauf funktioniert – von der Strategie bis zur Cashflow-Rechnung – hörst Du in Folge 6 von Chefsache Krise: „Cash inne Täsch: die wichtigste Zahl für alle Unternehmen" – Jetzt anhören.
Teilen:

19. November 2025

Gewinn ist Feenstaub

Jeden Monat landet die BWA auf Deinem Tisch, und Du schaust auf eine Zahl: den Gewinn. Ist er besser als im Vorjahr, freust Du Dich. Dagegen ist nichts einzuwenden – aber Du musst wissen, worauf Du da schaust.

Der Gewinn ist eine künstliche Zahl. Eine Idee, ein Konstrukt, ein Geist – Feenstaub. Er wird durch Faktoren beeinflusst, die mit dem normalen Betrieb Deines Unternehmens nichts zu tun haben: Abschreibungen, steuerrechtliche Komponenten, handelsrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Vorschriften. In dieser Kombination verfälschen sie den Gewinn so, dass er mit dem, was in Deinem Unternehmen wirklich passiert, relativ wenig zu tun hat.

Ein Beispiel: Du schreibst eine Rechnung über hunderttausend Euro, der Kunde bezahlt nicht. In Deiner BWA steht der Umsatz trotzdem – und damit der Gewinn. Auf Deinem Konto steht: null.

Es ist nicht falsch, auf den Gewinn zu schauen. Aber es ist gefährlich, sich allein auf ihn zu konzentrieren. Denn: Ein Unternehmen kann eine Zeit lang ohne Gewinn überleben – defizitäre Unternehmen leben oft erstaunlich lange. Ohne Liquidität hingegen beträgt die Überlebensdauer eines Unternehmens exakt zwei Wochen. Das ist keine Redensart, sondern – je nach Rechtsform, bei der GmbH zum Beispiel – die Frist, die Du nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit hast, um Insolvenz anzumelden. Danach geht das Licht aus.

Deshalb gehört neben die BWA eine zweite Auswertung: die Cashflow-Rechnung. Sie räumt den Feenstaub beiseite und zeigt Dir, was wirklich auf dem Konto ankommt.

Kein Gewinn ist nicht gut. Kein Cash ist tödlich.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 6 von Chefsache Krise: „Cash inne Täsch: die wichtigste Zahl für alle Unternehmen" – Jetzt anhören.
Teilen:

13. November 2025

Benutz Deinen Steuerberater wie ein Schweizer Taschenmesser

Benutz Deinen Steuerberater wie ein Schweizer Taschenmesser. Er ist ein unternehmerisches Werkzeug – eines, das Du ohnehin bezahlst und das erstaunlich viel kann. Nur: Ein Werkzeug musst Du benutzen. Wenn Du in den Wald gehst, einen Stock schnitzen willst und das Messer nicht dabeihast, wird es schwierig mit den Fingern.

Genau daran scheitert es in vielen Betrieben. Die Mandanten wissen schlicht nicht, wie sie mit ihrem Steuerberater umgehen sollen. Birgit Erspach hat den Grund in unserem Gespräch auf den Punkt gebracht: Wir haben vor dem Steuerberater so viel Angst wie vor dem Zahnarzt. Ich kenne das von der anderen Seite – wenn ich einen Mandanten anrufe, den ich lange nicht gesprochen habe, ist mein erster Satz: „Hier ist Dein Steuerberater. Ist nichts Schlimmes."

Dabei kann Dein Steuerberater eines grundsätzlich nicht: wissen, was Du vorhast. Er sitzt nicht auf Deinem Schoß. Ob Du ein Gerüst kaufen willst, ein Auto oder eine neue Filiale eröffnen – woher soll er das wissen? Deshalb gilt: Ruf ihn an, bevor Du investierst. Nicht für jeden Kugelschreiber, aber bei allem, was strategisch ist. „Ich will ein Auto kaufen – was muss ich beachten?" Das ist keine Störung. Das ist sein Job, und er sitzt den ganzen Tag dafür am Schreibtisch. Manchmal lautet die beste Antwort auf die Frage nach der zweiten Filiale eben: Schließ erst mal die in Berlin, die macht keinen Umsatz.

Ein Schweizer Taschenmesser nützt Dir nichts, solange es zugeklappt in der Tasche steckt.

Das ganze Gespräch mit Birgit Erspach über Zahlen, Anzeigentafeln und den richtigen Umgang mit dem Steuerberater gibt es in Folge 5 von Chefsache Krise: „Kennst du deine Erfolgszahlen? Das muss ein Unternehmer wissen!" – Jetzt anhören.
Teilen:

12. November 2025

Dein Steuerberater kümmert sich nicht um Deine Zahlen

Viele Unternehmer glauben, das Thema Zahlen sei bei ihnen geregelt. Man hat ja „einen für die Zahlen": Belege rein, dann macht es puff, und irgendwann fliegt eine BWA ins Postfach – auf die man schaut, ohne zu wissen, was man da sieht.

Das ist ein Riesenfehler. Der Steuerberater kümmert sich nicht um Deine Zahlen – er stellt sie zusammen. Kümmern muss sich immer der Unternehmer.

Du kannst nicht davon ausgehen, dass der Berufsträger jede BWA liest, die seine Kanzlei verlässt. Im Regelfall passiert das nicht – und unterschreiben muss er sie auch nicht. Schau mal, was unten auf Deiner BWA steht: Sie spiegelt den derzeitigen Stand der Buchhaltung wider, Abschluss- und Abgrenzungsbuchungen können das Ergebnis noch verändern. Mit anderen Worten: Kann sein, dass stimmt, was Du hier siehst.

Ist Information nun eine Bringschuld oder eine Holschuld? Meine Antwort: eine Holschuld. Wessen Unternehmen ist das – Deins oder das Deines Steuerberaters? Du willst etwas über Dein Unternehmen wissen, also frag Deinen Dienstleister. Und bedenke, was die BWA leisten kann: Wenn im Oktober die Auswertung für August kommt, bist Du sechs bis acht Wochen hinterher. Das ist Management per Rückspiegel.

Natürlich ist es hervorragend, wenn Dein Steuerberater mitdenkt und Hinweise gibt. Aber verlass Dich nicht darauf. Denn am Ende zählt nur eine Frage: Wessen Haus brennt, wenn es schiefgeht?

Wenn es schiefgeht, hängt nicht Dein Steuerberater in der Schlinge – sondern Du.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 5 von Chefsache Krise: „Kennst du deine Erfolgszahlen? Das muss ein Unternehmer wissen!" – 20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Jetzt anhören.
Teilen:

6. November 2025

Gib Deinem Unternehmen eine Schulnote

Welche Zahlen musst Du im Blick haben? Die ehrliche Antwort: Das hängt von Deinem Unternehmen ab. Wer Waren bewegt, braucht Umsatz, Wareneinsatz und Rohgewinn; ein Dienstleister hat gar keinen Wareneinsatz. Aber es gibt eine Übung, mit der Du Deine Zahlen in fünf Minuten findest.

Gib Deinem Unternehmen eine Schulnote von eins bis sechs. Mach die Augen zu, denk nach – und Du landest bei einer Drei oder einer Vier. In diesem Moment ist etwas in Deinem Kopf passiert: Du hast Zahlen ablaufen lassen, um zu dieser Einschätzung zu kommen. Das Bankkonto ist leer. Es gibt nur noch Aufträge für einen Monat. Oder: fünfzehn Aufträge in der Pipeline. Irgendetwas hast Du herangezogen.

Jetzt schreib genau diese Zahlen auf einen Zettel – und Du hast Dein Dashboard gebaut. Nicht das der Datev, nicht das Deiner Bank: Deins. Ich nenne das den Spielstand. Beim Fußball zeigt die Anzeigetafel, wer ein Tor geschossen hat und in welcher Minute. Genauso musst Du jederzeit sagen können: Führe ich zwei zu eins – oder liege ich acht zu null hinten?

Wie wenige Zahlen dafür reichen, zeigt meine eigene Steuerberatung: Ich brauche genau zwei. Den Umsatz in Euro und die Personalkostenquote – das Verhältnis zwischen Umsatz und Personalkosten. Liegt die Quote in einer bestimmten Spanne, weiß ich: Ich verdiene Geld. Das funktioniert, weil alle anderen Kosten bei mir weitgehend linear laufen, die springen nicht.

Dein Dashboard musst Du nicht erfinden – Du musst nur aufschreiben, womit Dein Kopf längst rechnet.

Die ganze Übung – und warum mir für meine Kanzlei genau zwei Zahlen reichen – hörst Du in Folge 5 von Chefsache Krise: „Kennst du deine Erfolgszahlen? Das muss ein Unternehmer wissen!" – Jetzt anhören.
Teilen:

5. November 2025

Gewinn ist Feinstaub

Welche Zahl schaust Du Dir als Erstes an, wenn die Auswertung vom Steuerberater kommt? Vermutlich den Gewinn. So machen es die meisten. Ich sage trotzdem: Gewinn ist Feinstaub. Gewinn existiert nicht.

Das ist keine Provokation, das ist Handwerk. Du kannst den Gewinn in bestimmten Grenzen völlig legal so weit hoch- und runterdrehen, dass er kaum Aussagekraft hat. Viele Positionen, die ihn beeinflussen, sind steuerrechtlicher Natur oder stehen im Handelsgesetzbuch – mit Deinem Betrieb haben sie nichts zu tun. Beispiel Ein-Prozent-Methode: Wer sein Auto betrieblich nutzt, treibt damit den Gewinn nach oben. Über das Unternehmen sagt das genau nichts aus.

Es gibt ein einziges Rechenwerk, bei dem dieses Drehen nicht funktioniert: die Cashflow-Rechnung. Dort zählt nur eine Frage: Ist Geld geflossen, ja oder nein? Deinen Bankbestand kannst Du nicht betrügen. Der ist, wie er ist.

Von den drei Anzeigentafeln Deines Unternehmens – Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Cashflow-Rechnung – ist die dritte die wichtigste. Und ausgerechnet sie kennt kaum jemand: Verschickt wird das übliche Paket aus BWA und Summen- und Saldenliste, das die wenigsten verstehen. Die Cashflow-Rechnung wird selten verschickt, noch seltener verstanden – und fast nie benutzt.

Dabei kostet der erste Schritt nichts: Ruf Deinen Steuerberater an und lass Dir die Cashflow-Rechnung geben. Das ist für ihn ein Klick. Und dann lass sie Dir erklären.

Der Gewinn ist eine Meinung. Dein Kontostand ist eine Tatsache.

Warum Cash am Ende das Einzige ist, was zählt, hörst Du in Folge 5 von Chefsache Krise: „Kennst du deine Erfolgszahlen? Das muss ein Unternehmer wissen!" – Jetzt anhören.
Teilen:

4. November 2025

Lesefassung Folge 5: Kennst Du Deine Erfolgszahlen? Das muss ein Unternehmer wissen

Wer seine Zahlen nicht kennt, kennt sein Unternehmen nicht. Warum es so vielen Unternehmern schwerfällt, auf ihre Zahlen zu schauen, warum der Steuerberater Dir das Kümmern nicht abnimmt, welche drei Anzeigentafeln Dein Unternehmen hat und weshalb Gewinn Feinstaub ist: die komplette Lesefassung von Folge 5 – mit Birgit Erspach.

Weiterlesen – 10 Minuten

Teilen:

30. Oktober 2025

Ändere Dein Produkt auf dem Gipfel, nicht im Tal

Jedes Produkt hat einen Lebenszyklus – ein Produkt darf auch mal ein Ende haben. Manche scheitern, bei anderen ist einfach die Zeit vorbei. Der DVD-Player war kein schlechtes Produkt; die Filme kommen heute nur anders ins Wohnzimmer.

Der entscheidende Punkt ist der Zeitpunkt, an dem Du über Veränderung nachdenkst. Nicht, wenn das Produkt tot ist. Sondern auf der Spitze – dann, wenn es am besten läuft. Denn wenn es jetzt am besten läuft, gibt es danach nur noch eine Richtung: abwärts. Genau dann musst Du anfangen zu überlegen, was Du tun wirst, wenn dieses Produkt ausläuft.

Warum fällt das Unternehmern so schwer? Drei Gründe:

  1. Das Eingeständnis. Ich müsste mir und anderen sagen: Das, was ich habe, funktioniert so nicht mehr. Das macht niemand gern.
  2. Die Veränderung selbst. Menschen und Veränderung sind ohnehin ein schwieriges Paar.
  3. Die Ungewissheit. Jetzt weiß ich wenigstens, dass es nicht läuft. Ob das Neue besser läuft, weiß ich nicht.

Dagegen hilft die alte Indianerweisheit: Wenn das Pferd tot ist, steig ab. Und der Blick auf die, die es vorgemacht haben: Der Reisekonzern TUI war früher die Preussag und hat sein Geld mit Stahl verdient. McDonald's ist nach der katholischen Kirche der zweitgrößte Grundstücksbesitzer der Welt – das eigentliche Geschäft sind Grundstücke und ein Franchise-System, nicht Burger.

Genau da zeigt sich unternehmerische Qualität: ehrlich zu Dir selbst sein, feststellen, dass es so nicht mehr funktioniert – und es anders machen. Du bist Unternehmer. Also unternimm etwas.

Wenn Dein Produkt am besten läuft, gibt es nur noch eine Richtung: abwärts. Genau das ist der Moment, das nächste zu bauen.

Eine gute Stunde für den nächsten Weg ins Büro: Den kompletten Produkte-Teil des Dreiklangs Menschen, Prozesse, Produkte hörst Du in Folge 4 von Chefsache Krise: „Nutzen statt Produkt: Warum Deine Kunden wirklich kaufen – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

29. Oktober 2025

Raus aus der Vergleichbarkeit

Ein Malermeister, lange mein Lieblingsbeispiel: Er positioniert sich als der Privatmaler, spezialisiert auf Renovierung. Keine Wohnungsbaugesellschaften, keine Treppenhäuser, kein Neubau. Und sein Kernversprechen lautet: Fahr in den Urlaub – wenn Du wiederkommst, kommst Du in Dein frisch gestrichenes Wohnzimmer. Wir räumen aus, wir malen, wir räumen wieder ein, und wir putzen.

Seine Kundenstimmen heißen Inge, Karl, Gerda, Horst, Erna und Hildegard. Die Zielgruppe ist glasklar: ältere Menschen, die genau davor Angst haben – das ganze Wohnzimmer ausräumen, der Dreck, das Einräumen danach. Diese Sorgen hat er ihnen komplett abgenommen. Das ist Nutzenverkauf in Reinform.

Und er hat damit etwas erreicht, das über das einzelne Angebot hinausgeht: Er ist aus der Vergleichbarkeit raus. Sein Angebot kannst Du nicht neben das eines anderen Malers legen. Der andere ist vielleicht tausend Euro günstiger – aber er bringt nicht diese Leistung. Der Preisvergleich läuft ins Leere, weil es nichts Gleiches zu vergleichen gibt.

Genau das solltest Du als Unternehmer anstreben. Es geht mit jeder Dienstleistung – die Art und Weise, wie Du Deine Leistung erbringst, macht kein anderer genauso. Und es geht über Bündel auch mit Waren: die Kaffeemaschine mit dem Kaffee, das Vogelhäuschen mit dem Futter-Abo, die Saftpresse, die der Hersteller fast verschenken kann, weil er an den Orangen verdient.

Eine Bedingung gibt es: Wenn Du so auftrittst, muss Deine Leistung wirklich gut sein – und Du brauchst Mitarbeiter, die das Versprechen mitleben. Sonst geht es nach hinten los.

Solange Dein Angebot vergleichbar ist, entscheidet der Preis. Sobald es das nicht mehr ist, entscheidest Du.

Das ganze Malermeister-Beispiel – samt Zielgruppe, zehn Grundsätzen und Preisgestaltung – gibt es in Folge 4 von Chefsache Krise: „Nutzen statt Produkt: Warum Deine Kunden wirklich kaufen – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

23. Oktober 2025

Deine Website ist keine Werbeseite. Sie ist ein Türsteher.

Zum Steuerberater kommen drei Sorten Menschen: Der eine möchte am liebsten eine Bombe ins Finanzamt werfen und bis zum Bundesfinanzhof streiten. Der nächste will einfach seine Ruhe haben. Der dritte will möglichst gar keine Steuern zahlen.

Alle drei suchen einen Steuerberater. Die Formulare sind überall dieselben, das Leistungsangebot in der Breite auch. Und trotzdem entscheidet sich an einer einzigen Stelle, welche dieser Kunden Du bekommst: an dem Nutzen, den Du öffentlich versprichst.

Ich habe mich entschieden: Ich will die, die ihre Ruhe haben wollen, die sich auf ihr Geschäft konzentrieren und das Finanzamt als notwendiges Übel betrachten. Also steht auf meiner Website sinngemäß: Wir kümmern uns um das Finanzamt, damit Du Dich auf Dein Unternehmen konzentrieren kannst. Wir halten Dir den Rücken frei. Wer stattdessen schreibt „Wenn Du nie wieder Steuern zahlen willst, bin ich Dein Ansprechpartner", zieht genau die anderen an – und das ist völlig in Ordnung, solange es gewollt ist.

Daraus folgt ein Gedanke, den viele Unternehmer nicht kennen: Deine Website ist keine Werbeseite. Sie ist eine Abwehrseite – ein Türsteher. Ihre wichtigste Aufgabe ist, alle Menschen, die Du nicht haben willst, davon abzuhalten, Dich anzurufen. Wer sich mit dem, was dort steht, nicht identifizieren kann, geht bitte weiter – ihr bekämt sowieso Theater miteinander.

Du kannst Dir Deine Kunden ein Stück weit aussuchen. Wer das nicht tut, dem nehmen die falschen Kunden die Zeit, die Nerven und am Ende die Marge.

Die wichtigste Aufgabe Deiner Website ist nicht, alle anzuziehen – sondern die Falschen davon abzuhalten, Dich anzurufen.

Wie Du herausfindest, welchen Nutzen Deine Wunschkunden wirklich suchen, hörst Du in Folge 4 von Chefsache Krise: „Nutzen statt Produkt: Warum Deine Kunden wirklich kaufen – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

22. Oktober 2025

Menschen kaufen keine Produkte. Menschen kaufen Nutzen.

Wenn man Löcher kaufen könnte, würdest Du vermutlich keine Bohrmaschine kaufen. Denn Menschen kaufen nie Produkte und nie Dienstleistungen – Menschen kaufen ausschließlich Nutzen. Nicht das Ding selbst, sondern das, was sie damit machen können.

Der DVD-Player ist das beste Beispiel: Niemand wollte je einen DVD-Player haben, weil er DVD-Player so toll fand. Alle wollten Filme im Fernsehen sehen. Seit die Filme per Streaming kommen, kauft kein Mensch mehr einen DVD-Player. Das Bedürfnis ist geblieben – das Produkt ist tot.

Nutzen zeigt sich dabei in genau drei Formen:

  • Schmerz, den Dein Angebot nimmt.
  • Freude, die es erzeugt.
  • Arbeit, die es jemandem abnimmt.

Es ist immer eine Mischung, aber eines überwiegt. Ein Vergnügungspark löst kein Problem – er verkauft Freude. Ein Steuerberater verkauft das Gegenteil: Du musst eine Steuererklärung abgeben, hast dazu keine Lust oder kannst es nicht – also holst Du Dir jemanden, der Dir den Job abnimmt und damit den Schmerz, Dich damit beschäftigen zu müssen.

Das Internet ist voll von Gurus, die Dir erzählen, Du müsstest immer an den Schmerzpunkt des Kunden. Das ist nur ein Drittel der Wahrheit. Die richtige Frage lautet: Mit welcher dieser drei Nutzenargumentationen willst Du am Markt auftreten? Bist Du der, der sagt „Gib mir Deinen ganzen Kram, ich kümmere mich"? Der, der vor Risiken schützt? Oder der, der ein Erlebnis verkauft? Das ist Positionierung – und hat der Kunde keinen Nutzen von dem, was Du anbietest, kauft er es nicht. Egal wie gut Du es findest.

Niemand wollte je einen DVD-Player. Alle wollten Filme sehen – und als es dafür einen besseren Weg gab, war das Produkt tot.

Dieser Gedanke ist das Fundament von Folge 4 von Chefsache Krise: „Nutzen statt Produkt: Warum Deine Kunden wirklich kaufen – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

21. Oktober 2025

Lesefassung Folge 4: Nutzen statt Produkt: Warum Deine Kunden wirklich kaufen

Wenn man Löcher kaufen könnte, würde niemand Bohrmaschinen kaufen. Menschen kaufen nie Produkte, sie kaufen Nutzen – in drei Formen: Schmerz, Freude, Arbeit. Warum so viele Unternehmer im Produktdenken feststecken, wie Du Dir Deine Kunden aussuchst und wie Du aus der Vergleichbarkeit kommst: die komplette Lesefassung von Folge 4 mit Birgit Eschbach.

Weiterlesen – 11 Minuten

Teilen:

16. Oktober 2025

Du bist nicht der Kümmerer

Meine Moderatorin Birgit hat es in Folge 3 offen ausgesprochen, stellvertretend für viele: Die Beratung ist gelaufen, die Vorschläge liegen auf dem Tisch – und dann hängt die Umsetzung wieder am Unternehmer, dessen Flaschenhals zu eng ist. Alles ist besprochen, nichts passiert. Das ist der Klassiker.

Und dann gilt ein unbequemer Satz: Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken. Wenn der Unternehmer das Problem ist, dann ist der Unternehmer das Problem.

Die Konsequenz daraus ist einfach: Du bist nicht der Kümmerer für das Prozessmanagement. Das macht bitte ein Mitarbeiter. Deine Leute sind an der Front, sie spüren jeden Tag, wo es hakt – Du rennst nur noch durch die Bude.

Wen nimmst Du? Das hat nichts mit Alter zu tun, sondern mit Neigung: Hat jemand Lust auf Abläufe, auf IT, auf Werkzeuge? Ich bin in meinem Unternehmen der Älteste – und trotzdem der Innovationstreiber. Du kannst so jemanden sogar gezielt einstellen: drei Viertel des Jobs das normale Geschäft, ein Viertel Innovation. Gib ihm Verbündete mit, denn Widerstände sind normal – kein Mensch mag es, wenn Dinge anders werden.

Und Du? Du machst möglichst wenige Fachkraft-Aufgaben, ein paar Management-Aufgaben – und vor allem die Aufgaben, die nur der Unternehmer machen kann: Entscheidungen treffen, die Strategie festlegen. Dass Deine Prozesse funktionieren, ist Deine Verantwortung. Dass Du jeden einzelnen selbst baust, ist es nicht.

Wenn jede Verbesserung über Deinen Schreibtisch muss, ist Dein Schreibtisch der kaputteste Prozess im Haus.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 3 von Chefsache Krise: „Prozesse, Prozesse! – Wer sie im Griff hat, hat Erfolg!" – mit allem, was davor kommt, von der Kostenrechnung bis zum Trockenlauf: Jetzt anhören.
Teilen:

15. Oktober 2025

Erst der Prozess, dann das Tool

Wenn ein Prozess hakt, greifen viele Unternehmer reflexhaft zur Software: ein neues Tool, eine neue Plattform, und das Problem löst sich von selbst. Tut es nicht. Denn ein schlechter analoger Prozess ist – man wundert sich – auch ein schlechter digitaler Prozess.

Nimm die Urlaubsplanung: Der eine meldet seinen Urlaub per WhatsApp, die nächste trägt ihn in Trello ein, der dritte schreibt eine E-Mail. Auch digital kannst Du ein totales Chaos veranstalten, wenn jeder in sein eigenes Werkzeug einträgt und irgendjemand das hinterher zusammenführen muss. Die Schublade, in der Dinge verschwinden, gibt es auch digital.

Deshalb gilt die Reihenfolge: Erst muss der Prozess richtig sein, dann kannst Du ihn digitalisieren und automatisieren. Digitalisierung ist kein Allheilmittel – im Zweifel verschlimmbessert sie sogar. Dazu gehört eine Digitalstrategie: Welche Tools benutzen wir, welche nicht, und wer steuert das zentral?

Und bevor Du irgendetwas Neues kaufst: Schau, was schon da ist. Ein Unternehmen bat uns, ein CRM-System einzuführen. Wir haben erst die Anforderungen aufgenommen – was braucht Ihr wirklich? – und dann ins vorhandene ERP-System geschaut. Ergebnis: Das konnte alles bereits. Wir haben keine Software eingeführt, sondern den Hersteller kommen lassen und die Mitarbeiter schulen lassen. Manchmal lautet die Lösung für die Urlaubsplanung auch schlicht: Outlook-Kalender.

Wenn aus Deinem Team der Satz kommt „Bitte nicht noch ein Tool" – nimm ihn ernst. Er ist meistens berechtigt.

Wer sein Chaos digitalisiert, hat danach digitales Chaos – es sieht nur moderner aus.

Zwanzig Minuten für den nächsten Weg ins Büro: In Folge 3 von Chefsache Krise – „Prozesse, Prozesse! – Wer sie im Griff hat, hat Erfolg!" – geht es um den ganzen Weg vom Packpapier bis zur Automatisierung: Jetzt anhören.
Teilen:

9. Oktober 2025

Eine Rolle Packpapier zeigt Dir, wie Dein Betrieb wirklich arbeitet

Viele Unternehmer fassen Prozessmanagement nicht an, weil sie Bürokratie und Zauberei erwarten. Die Wahrheit: Der Einstieg ist Post-its hintereinanderkleben und ein Foto machen. Mehr nicht.

So geht es: Roll eine Papierrolle auf dem Konferenztisch aus. Deine Mitarbeiter bekommen Post-its und bewusst dicke Stifte – auf die Zettel gehören Stichworte, keine Romane. Dann klebt Ihr die einzelnen Schritte eines Prozesses hintereinander und verbindet sie mit Pfeilen. Nimm einen überschaubaren Prozess wie die Urlaubsplanung, nicht gleich den Maschinenraum.

Achte auf die richtige Flughöhe. Sagt jemand „Dann trage ich mich in die Liste ein", fragst Du nach: Was für eine Liste? Wo hängt die? Wie trägst Du Dich ein – und weißt Du überhaupt, wo sie auf dem Server liegt? Genau das muss der Prozess definieren.

Das Verblüffende: Sehr häufig siehst Du allein durch die Visualisierung, wo es klemmt. An irgendeiner Stelle entstehen Post-it-Wölkchen – ganz viele Zettel auf demselben Fleck. Da muss kein Prozess-Genie danebenstehen, um zu erkennen, dass dort etwas nicht hinhaut.

Danach kommt der Trockenlauf: Ihr spielt den Prozess nach wie ein Theaterstück. Beim Rechnungseingang geht einer vor die Tür, spielt Postboten, sagt „Ding Dong" – und dann zeigt sich, was auf keinem Zettel stand. Ein Mitarbeiter legt den Brief in seine Schublade, der Kollege daneben bringt ihn gleich zum Chef: zwei Leute, dieselbe Aufgabe, zwei Abläufe. So etwas denkst Du Dir am Schreibtisch nicht aus. Übrigens haben die McDonald's-Brüder genau so angefangen – Küche auf den Tennisplatz gemalt, von der Leiter aus zugeschaut.

Im Kopf sieht Dein Prozess immer gut aus. Auf dem Packpapier sagt er Dir die Wahrheit.

Das komplette Vorgehen – vom Ist-Zustand über das Zielfoto bis zum neuen Prozess – erzähle ich in Folge 3 von Chefsache Krise: „Prozesse, Prozesse! – Wer sie im Griff hat, hat Erfolg!" – Jetzt anhören.
Teilen:

8. Oktober 2025

Die Zehn-Minuten-Rechnung: Was schlechte Prozesse Dich wirklich kosten

Warum steht Prozessmanagement in so vielen kleinen und mittleren Unternehmen nicht auf der Agenda? Weil das Problembewusstsein fehlt. Und das fehlt aus einem einfachen Grund: Die Kosten schlechter Prozesse tauchen in Deiner betriebswirtschaftlichen Auswertung nicht auf. Es gibt keine Zeile „Kosten durch schlechte Prozesse". Sie verstecken sich – in der Personalkostenquote oder in Zahlen, die gar nicht in der BWA stehen, etwa darin, dass Aufträge länger dauern, als sie kalkuliert waren.

Deshalb rechne ich es Dir vor, so wie ich es mit jedem Mandanten mache.

Stell Dir vor, jeder Deiner Mitarbeiter verschwendet am Tag zehn Minuten durch schlechte Prozesse: die Liste suchen, die keiner findet, der Gang zum Drucker am anderen Flurende, die dritte Nachfrage, weil niemand weiß, wer zuständig ist.

  • Bei fünf Mitarbeitern und rund 250 Arbeitstagen im Jahr kommen so 187 verschwendete Jahresarbeitsstunden zusammen.
  • Das ist ein Mitarbeiter, der einen ganzen Monat lang nichts anderes tut, als Zeit zu verlieren.
  • In Geld: fast viertausend Euro – wohlgemerkt reine Gehaltskosten. Dass in dieser Zeit auch nichts Produktives entsteht, ist da noch gar nicht eingerechnet.

Bei zehn Mitarbeitern verdoppelt sich die Rechnung. Wie sie weitergeht, kannst Du Dir selbst ausrechnen – das ist keine Raketentechnik.

Und jetzt die unbequeme Wahrheit: Zehn Minuten sind geschmeichelt. Das ist die Rechnung zum Anfüttern. Nach meiner Erfahrung reden wir in den meisten Betrieben nicht über Minuten, sondern über Stunden.

Schlechte Prozesse stehen in keiner BWA. Bezahlen musst Du sie trotzdem – jeden einzelnen Tag.

Wie Du diese Verschwendung findest und abstellst – von der Packpapier-Rolle bis zum Ticketsystem – hörst Du in Folge 3 von Chefsache Krise: „Prozesse, Prozesse! – Wer sie im Griff hat, hat Erfolg!" – Jetzt anhören.
Teilen:

2. Oktober 2025

Der Kunde des Unternehmers ist der Nachfolger

Ein Unternehmen ist dafür da, Kunden zu gewinnen. Ein Kunde ist jemand, der Deine Produkte oder Dienstleistungen kauft. Aber wer ist eigentlich der Kunde des Unternehmers? Der Kunde des Unternehmers ist der Nachfolger.

Bei Unternehmensübertragungen prallen regelmäßig zwei Welten aufeinander. Der Veräußerer ist auf der emotionalen Ebene: Er will sich bezahlen lassen für zwanzig Jahre Aufbau, für den Stress, dafür, dass er seine Kinder selten gesehen hat. Der Erwerber ist auf der Sachebene – und für ihn ist all das nichts wert. Erst recht, wenn der Kundenstamm mit dem Inhaber zusammen altert, weil es die Kumpels aus dem Schützenverein sind. Der Käufer fragt nie, was der Vorgänger in der Vergangenheit gemacht hat. Er fragt, was er in Zukunft mit dem Unternehmen machen kann.

Denn was kauft ein Käufer wirklich? Er kauft Zeit. Gelände, Maschinen, Personal, Kunden, Lieferanten – das alles könnte er selbst aufbauen. Der Kauf ist die Abkürzung, fünf oder sechs Jahre. Ein Unternehmen, in dem er vom ersten Tag an Geld verdient, ist diese Abkürzung wert. Ein Unternehmen, das er erst zur Seite reißen und neu aufbauen muss, entsprechend weniger – oder gar nichts.

Was heißt das für Dich? Bau Dein Unternehmen vom ersten Tag an für den Nachfolger – am besten ab dem Tag, an dem Du die Gewerbeanmeldung vom Amt abholst. Und wenn der Tag länger her ist: egal. Ob ein Jahr oder zwanzig – frag Dich heute, ob Dein Unternehmen bereit ist für einen Nachfolger. Wenn nicht, schreib auf, was zu tun ist, damit Du dorthin kommst. Zu wissen, wo Du hinwillst, und Dir zu überlegen, wie Du dahin kommst – das ist übrigens Strategie, ganz einfach.

Dein Nachfolger bezahlt Dich nicht für Deine Vergangenheit – er bezahlt für seine Zukunft. Bau ihm eine.

20 Wochen Ausfall, Notfallkoffer, Unternehmenswert – der komplette Gedankengang steckt in Folge 2 von Chefsache Krise: „Fällst Du 4 Wochen aus – gibt es Dein Unternehmen danach noch?" – Jetzt anhören.
Teilen:

1. Oktober 2025

„Was machen wir, wenn der Chef ausfällt?" – „Wurscht."

Ich habe meine beiden Führungsmitarbeiter zusammengerufen und gefragt: Was machen wir eigentlich, wenn bei uns jemand ausfällt? Wir haben es durchgespielt. Fällt der eine aus – geregelt. Fällt die andere aus – wird ein bisschen doof, aber das kriegen wir verteilt. Und dann: Was machen wir, wenn Olaf ausfällt?

Die beiden haben mich angeguckt, mit den Schultern gezuckt und gesagt: „Das ist eigentlich wurscht."

Das tat weh. Das tat echt weh. Menschlich würden sie mich vermissen – aber der Betrieb läuft weiter. Und genau hier entscheidet sich, ob Dein Unternehmen inhaberunabhängig wird: an Deinem Ego. Wenn Du feststellst, dass alle ohne Dich klarkommen, macht das etwas mit Dir. Du kannst sauer werden, in hektische Betriebsamkeit verfallen und alles wieder kaputt machen. Oder Du hältst den Stich aus und erkennst: Das ist kein Angriff – das ist der Beweis, dass Dein System funktioniert.

Was dann hilft, ist eine neue Rolle. Ich habe meinen Mitarbeitern eine Stellenbeschreibung von mir selbst gegeben. Oben drüber steht ein einziges Wort: Besonders. Besonders kritisch, besonders emotional, besonders das Finanzamt dreht durch. Ich bin nur noch für die besonderen Fälle zuständig – den Standard macht das Team. Und mein Prinzip dahinter: dienende Führung. Meine Aufgabe ist es, den Leuten Steine aus dem Weg zu rollen. Meine Kollegen arbeiten nicht für mich – ich arbeite für sie.

Niemand nimmt Dir das Ego ab. Aber Du kannst es durch Übung im Zaum halten – und es gegen etwas Besseres eintauschen: Freiheit.

„Dein Ausfall ist uns wurscht" ist kein Angriff auf Dein Ego – es ist das größte Kompliment, das ein Unternehmer bekommen kann.

Wie es sich anfühlt, im eigenen Betrieb überflüssig zu werden – und warum das Freiheit bedeutet: das ganze Gespräch in Folge 2 von Chefsache Krise: „Fällst Du 4 Wochen aus – gibt es Dein Unternehmen danach noch?" – Jetzt anhören.
Teilen:

25. September 2025

Das wichtigste Stück Papier in Deinem Unternehmen

Wenn Du ansprechbar bist, gibt es kein Problem – dann kommt man und fragt Dich. Wenn Du tot bist, gibt es – so hart das klingt – auch kein Problem: Dann gibt es einen Erbschein, dann gibt es Erben, und die sind handlungsfähig.

Aber was ist dazwischen? Du liegst im Koma. Nicht tot, aber auch nicht handlungsfähig. Wer handelt dann für Dich und Dein Unternehmen?

Dafür braucht es jemanden mit einer Generalvollmacht – und zwar einer, die nicht eingeschränkt ist. Häufig sehe ich Vollmachten mit Formulierungen wie „wenn ich nicht mehr in der Lage bin, meinen Willen zu äußern". Nur: Wer stellt das fest? Wenn Du noch blinzeln kannst – äußerst Du dann noch Deinen Willen? Im Zweifel braucht es erst eine gutachterliche Stellungnahme, bevor irgendjemand handeln darf. Genau in dieser Zeit steht Dein Unternehmen still.

Deshalb: eine Vollmacht, die für eine Person uneingeschränkt gilt, quasi ab sofort. Ja, das heißt auch: Diese Person könnte ab dem Moment losziehen und auf Deinen Namen ein Auto kaufen. Damit musst Du leben – es ist eine Frage des Vertrauens. Und nur am Rande: Der Ehepartner ist nicht immer der beste Inhaber dieser Vollmacht.

Drei Hinweise noch. Erstens: Für Geschäftsführertätigkeiten gilt eine Generalvollmacht in der Regel nicht – das klärst Du mit dem Notar Deines Vertrauens. Zweitens: Die Patientenverfügung ist schön, wenn man sie hat – das entscheidende Papier ist die Generalvollmacht. Drittens: Sie gehört in den unternehmerischen Notfallkoffer, zusammen mit Zugängen und Passwörtern. Die Industrie- und Handelskammern bieten dafür Checklisten an. Ich schätze, zwei Prozent der Unternehmen haben so einen Koffer – gesehen habe ich in der Beratung noch keinen.

Zwischen gesund und tot liegt ein Zustand, für den Dein Unternehmen heute keine Antwort hat – ein Blatt Papier ändert das.

Notfallkoffer, Vollmachten und der Vier-Wochen-Test: Wie Du Deinen Betrieb auf Deinen Ausfall vorbereitest, hörst Du in Folge 2 von Chefsache Krise: „Fällst Du 4 Wochen aus – gibt es Dein Unternehmen danach noch?" – Jetzt anhören.
Teilen:

24. September 2025

Wenn alles an Dir hängt, hast Du kein Unternehmen – Du hast einen Job

Ein Mandant rief mich an. Er hatte sich verletzt und fällt für etwa zwanzig Wochen aus. Gerade noch hatte er einen Lieferwagen bestellt – jetzt kann er nicht einmal mehr Auto fahren. Seine Frage: „Was mache ich denn jetzt bloß?"

Meine Antwort war hart: Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Entweder Du gehst mit einem Spezialisten für Insolvenzrecht in die Beratung und schaust, ob man bei diesem Unternehmen auf Pause drücken kann. Oder Du musst abwickeln. Seine Arbeitskraft ist nicht zu ersetzen – und alles, was er sich in zwei Jahren aufgebaut hat, hat sich durch diese eine Verletzung in Luft aufgelöst.

Daraus folgt eine unbequeme Wahrheit: Wenn ein Unternehmen in diesem Maße von Dir abhängig ist, hast Du eigentlich gar keins. Du hast einen hoffentlich hoch bezahlten Job, den Du Dir selbst geschaffen hast – mit dem ganzen Stress, den Du Dir selbst aufbürdest. Du hast keinen Unternehmenswert. Du hast nichts, was Du verkaufen kannst. Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit – und ein Betrieb, der nur läuft, solange Du steuerst, verliert die Steuerbarkeit mit einem einzigen Sturz.

Der Unfall auf der Autobahn, der Sportunfall – das kann jeden treffen, morgen. Ab Tag eins muss es dann weitergehen. Deshalb mein Test für Dich: Stell Dir vor, Du fährst ab morgen unangekündigt für vier Wochen zum Hundeschlittenrennen nach Grönland. Nicht erreichbar. Hättest Du danach noch ein Unternehmen?

Wenn die Antwort Nein lautet, ist nicht die Verletzung Dein Risiko – Dein Bauplan ist es.

Das ganze Gespräch – vom Notfallkoffer bis zur neuen Rolle des Chefs – hörst Du in Folge 2 von Chefsache Krise: „Fällst Du 4 Wochen aus – gibt es Dein Unternehmen danach noch?" – Jetzt anhören.
Teilen:

23. September 2025

Lesefassung Folge 2: Fällst Du 4 Wochen aus – gibt es Dein Unternehmen danach noch?

Ein Mandant verletzt sich und fällt zwanzig Wochen aus – am Telefon bleiben nur zwei Optionen: Insolvenzberatung oder Abwicklung. Warum ein Unternehmen, das von Dir abhängt, kein Unternehmen ist, was in den Notfallkoffer gehört und wie Du Deine Rolle neu definierst: die komplette Lesefassung von Folge 2, im Gespräch mit Birgit Ersbach.

Weiterlesen – 12 Minuten

Teilen:

18. September 2025

Fokus heißt nicht konzentrieren. Fokus heißt Nein sagen.

Beim Fokussieren denken viele Leute, es gehe darum, sich auf eine Sache zu konzentrieren. Das stimmt nicht. Beim Fokussieren geht es darum, zu ganz vielen Dingen Nein zu sagen. Dinge von Dir fernzuhalten – das ist die große Kunst. Und genau das können viele Unternehmer nicht.

Das Nein gilt zuerst für Dich selbst. Wenn Du etwas Neues aufnehmen willst, darfst nicht Du es tun – sondern Leute um Dich herum, die Dir die Arbeit abnehmen. Die können das in der Regel sowieso besser. Und wenn Du als Unternehmer derjenige bist, der alles am besten kann, dann hast Du entweder die falschen Leute. Oder Du bist Kindergärtner und hast Deine tollen Mitarbeiter zu Kindergartenkindern erzogen, die nur darauf warten, dass Papi sagt, wo es langgeht. Gibst Du ihnen Freiheit, entfalten sich Potenziale – das macht den Mitarbeitern mehr Spaß und Dir auch.

Das Nein gilt auch für Dein Angebot. Mancher Produktbauchladen ist zu groß geworden – und die vielen Produkte entstehen meistens, weil das eine Produkt nicht funktioniert. Statt zehn neue Dinge anzufangen, mach das, was Du wirklich gut kannst, besser. Das nennt sich übrigens Innovation: nicht Raketen bauen, sondern das, was Du tust, heute besser machen als gestern.

Und das Nein gilt sogar für Kunden. Wirf die zwanzig Prozent raus, die Dir auf den Nerv gehen und nicht bezahlen. Weniger Umsatz, mehr Gewinn – denn Du lebst nicht vom Umsatz, Du lebst vom Deckungsbeitrag.

Jedes Nein, das Du nicht aussprichst, spricht Dein Kalender für Dich aus – als Überstunde.

20 Minuten für den nächsten Weg ins Büro: Folge 1 von Chefsache Krise: „Arbeite weniger, bewege mehr: Das Betriebssystem Deiner Firma – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

17. September 2025

Elektriker ist ein Beruf, kein Produkt

Elektriker ist eine Berufsbezeichnung – und kein Produkt. Der Unterschied entscheidet darüber, wie Du verkaufst.

Wer nur seinen Beruf anbietet, wird gerufen, wenn es ein Problem gibt, und rechnet nach Stunden ab. Wer ein Produkt hat, bietet proaktiv an: „Ich automatisiere Dir Dein Haus – einmal komplett, kostet fünftausend Euro." Der Kunde weiß genau, was er bekommt, und entscheidet, ob es ihm das wert ist. Das geht in jeder Dienstleistung. Steuerberater ist am Ende auch nur eine Tätigkeitsbeschreibung. Aber ein Jahresabschluss kann mehr sein als eine zusammengetackerte Bilanz: mit Vorabbesprechung, Nachbesprechung und betriebswirtschaftlicher Beratung – „So ist Dein Unternehmen gelaufen, das ist der Stand, das könntest Du tun." Das ist ein Produkt. Damit hebst Du Dich ab, und Du musst nicht nach Stunden abrechnen.

Und dann kommt die Frage, über die viel zu wenige nachdenken: Wann stirbt Dein Produkt? Jedes Produkt hat einen Lebenszyklus, und Du musst wissen, wo Du gerade stehst. Ich habe einen Unternehmer beraten, der Freisprechanlagen für Autos zum Nachrüsten verkaufte und sich wunderte, dass nichts mehr lief. Versuch mal, heute ein Auto ohne Freisprecheinrichtung zu bekommen. Das Produkt war tot – deshalb kam keiner.

Genau das ist Deine Unternehmeraufgabe: Wo bewege ich mich im Markt? Was sind die Risiken? Wie lange trägt das noch? Welche Merkmale braucht mein Produkt? Mit diesen Fragen beschäftigen sich Unternehmer nicht, weil sie das Klopapier bestellen müssen. Und da wird es kritisch.

Dein Kunde kauft kein Gewerk und keine Stunden. Er kauft ein Ergebnis – gib ihm eines mit Namen und Preis.

Das ganze Beispiel – vom Elektriker über den Jahresabschluss bis zur gestorbenen Freisprechanlage – gibt es in Folge 1 von Chefsache Krise: „Arbeite weniger, bewege mehr: Das Betriebssystem Deiner Firma – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

11. September 2025

Schlechte Prozesse stehen in keiner BWA

Prozesse sind ekelhafte Wesen. Nicht, weil sie schlecht laufen – sondern weil Du in der Regel nicht erkennst, dass sie schlecht laufen. In Deiner betriebswirtschaftlichen Auswertung steht keine Kostenposition „schlechte Prozesse".

Du erkennst sie an den Endprodukten: Kunden beschweren sich, Dinge funktionieren nicht, Du musst permanent Mitarbeitern hinterherrennen, ob sie dieses oder jenes getan haben. In den Zahlen verstecken sie sich hinter Kennzahlen – einer hohen Personalkostenquote, einem Materialeinsatz, der für Deine Branche unüblich hoch ist.

Und dann gibt es das größte Zeichen, und das steht in gar keiner Auswertung: Schau Dir die Menschen in Deinem Unternehmen an. Wenn alle nur noch genervt sind und innerlich gekündigt haben, wenn Du als Unternehmer mit dicken Augenringen durch die Gegend rennst und achtzig Stunden die Woche arbeiten musst, um den Laden einigermaßen auf Vordermann zu halten – dann ist das fast immer ein Prozessproblem. Meistens gepaart mit einem Menschen-Problem: Du brauchst nicht irgendwelche Mitarbeiter, sondern die für Dich und Dein Unternehmen richtigen.

Das Tückische: Ein Unternehmen hat hunderttausend Prozesse, angefangen bei der Frage, wie der Kaffee in die Kaffeemaschine kommt, bis hin zur Produktion. Deshalb ruft auch kaum ein Unternehmer an und sagt: „Ich habe ein Prozessproblem." Er sagt: „Es läuft nicht." Dass dahinter die Prozesse stecken, sieht er nicht – weil es eben nirgendwo steht.

Deine BWA zeigt Dir, was schlechte Prozesse kosten. Sie sagt Dir nur nicht, dass es Prozesse sind.

Wie Du Deine Prozesse findest, aufnimmst und dokumentierst – von der Papierrolle auf dem Konferenztisch bis zur durchsuchbaren Datenbank – hörst Du in Folge 1 von Chefsache Krise: „Arbeite weniger, bewege mehr: Das Betriebssystem Deiner Firma – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen:

10. September 2025

Kein Mensch kann alle drei: Idee, Umsetzung, Kohle

Irgendwann bin ich auf einen TED-Talk von Ernesto Sirolli gestoßen, und ein Gedanke daraus hat sich bei mir eingebrannt: Es gibt drei Typen. Diejenigen, die die Idee haben. Diejenigen, die die Idee umsetzen. Und diejenigen, die auf die Kohle aufpassen. Kein Mensch auf diesem Planeten kann alle drei gleich gut.

Für mich war das die Initialzündung. Ich wusste plötzlich, was mein Problem ist: Ich habe gute Ideen – aber ich bin nicht derjenige, der sie auf die Straße bringt. Und aufs Geld aufpassen kann ich für Mandanten hervorragend, für mich selbst: geht so. Also habe ich mich darauf konzentriert, derjenige mit den Ideen zu sein, und mir ein Umfeld aus Menschen, Prozessen und Systemen gebaut, das die beiden anderen Punkte abdeckt.

Die Frage für Dich lautet: Welcher der drei bist Du? Sei ehrlich – Deine Mitarbeiter wissen es ohnehin längst.

Und dann widersteh dem Rat aus den Managementbüchern und von verhinderten Gurus auf Instagram, Du müsstest „an Deinen Schwächen arbeiten". Das ist totaler Quatsch. Du kannst Dein Verhalten ändern, aber nicht Deine Struktur. Ich halte es für eine meiner größten Stärken, dass ich meine Schwächen kenne und offen damit umgehe: Ich lasse andere Leute das tun, was meine Schwäche ist, und konzentriere mich auf meine Stärken. Seit meine Mitarbeiterin auf das Geld aufpasst, weil ich darin nicht gut bin, haben wir keine offenen Forderungen mehr.

Deine Schwäche ist keine Baustelle. Sie ist eine Stelle, die Du besetzen musst.

Dieser Gedanke stammt aus Folge 1 von Chefsache Krise: „Arbeite weniger, bewege mehr: Das Betriebssystem Deiner Firma – mit Birgit Eschbach" – Jetzt anhören.
Teilen: