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Zehn Stunden Unternehmer, dreiundvierzig Stunden Ersatzteil

29. Juli 2026 · Olaf Rosenbaum · 2 Min. Lesezeit

Vollzeitangestellte in Deutschland arbeiten laut Statistischem Bundesamt 40,2 Stunden pro Woche. Selbstständige mit Beschäftigten – also Du, der Arbeitgeber – kommen laut einem Forschungsbericht für das Bundesarbeitsministerium auf 52,7 Stunden. Fast jeder Zweite von ihnen arbeitet regelmäßig mehr als achtundvierzig Stunden; bei den Angestellten sind das vier Prozent.

Man könnte mit den Schultern zucken: Unternehmersein heißt eben arbeiten. Aber das trifft es nicht. Es gibt einen Riesenunterschied zwischen Arbeiten und Beschäftigtsein. In über sechshundert Beratungen habe ich bei den allermeisten Betrieben dasselbe gesehen: Das sind nicht dreiundfünfzig Stunden Unternehmer-Arbeit. Das sind zehn Stunden Unternehmer-Arbeit und dreiundvierzig Stunden Ersatzteil-Arbeit. Du bist das Ersatzteil in Deinem eigenen Betrieb – Du machst alles das, was andere nicht tun.

Und dahinter steckt keine Charakterfrage, sondern eine Mechanik aus drei Sätzen:

  • Jede Entscheidung, die über Deinen Tisch läuft, läuft über Deinen Tisch, weil es keine Regel gibt, nach der jemand anderes sie treffen könnte.
  • Jede Frage, die Dir gestellt wird, wird Dir gestellt, weil die Antwort nur in Deinem Kopf existiert.
  • Jedes Mal, wenn Du einspringst, musst Du einspringen, weil es für diesen Fall keinen Prozess gibt.

Lass Dir das auf der Zunge zergehen: Du musst alles entscheiden, weil Du nicht geregelt hast, dass es jemand anderes entscheiden kann. Deshalb löst mehr Fleiß das Problem nicht. Was Du in acht Stunden nicht hingekriegt hast, wirst Du in vierzehn Stunden auch nicht hinkriegen.

Wenn Du vierzehn Stunden am Tag arbeiten musst, fehlt Dir kein Fleiß – dann stimmt etwas in Deinem System nicht.

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