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Ein Wert, der Dich nichts kostet, ist keiner
In den meisten Leitbildern steht eine Liste schöner Begriffe: Respekt, Qualität, Teamgeist, Verantwortung, Familie. Kann niemand etwas gegen haben – wer sagt schon, dass er Familie doof findet?
Genau das ist das Problem. Wenn jeder zustimmen kann, sind Deine Werte zu weich, um Führung in Dein Unternehmen zu bringen. Sie sind keine Entscheidungsregeln für Zielkonflikte – und nur dafür sind Werte da. Werte werden nicht für Sonnenschein aufgestellt, sondern für die Momente, in denen es um die Wurst geht.
Ein Wert ist nur dann ein Wert, wenn er Dich in einer Situation zu einer Entscheidung zwingt, die Dich kurzfristig etwas kosten kann. Werte müssen wehtun, denn sie sagen Dir vor allem, was Du nicht tust:
- Steht kurzfristiger Umsatz gegen „passt zu uns", entscheiden wir uns für „passt zu uns" – und schmeißen den Umsatz weg.
- Steht Tempo gegen Sorgfalt und Sorgfalt ist unser Wert, gewinnt die Sorgfalt. „Kannst Du das bis gestern fertig machen?" – Nein.
- Steht Harmonie gegen Klarheit, gewinnt die Klarheit.
Der Test kostet Dich eine Minute: Der Kunde droht abzuspringen, wenn ihr nicht sofort liefert – obwohl das eure Qualität gefährdet. Kann Dein neuester Mitarbeiter diesen Fall entscheiden, ohne Dich zu fragen? Wenn ja, hast Du gute Werte. Wenn nein, sind Deine Werte Deko – können weg.
Denn ein Leitbild ohne Konfliktlogik erzeugt keine Einheit, sondern Debatten. Und Debatten kosten in kleinen Unternehmen nicht nur Zeit, sondern Geld und Energie – und Du wirst wieder Entscheider für alles.
Ein Wert, dem jeder applaudiert, führt niemanden. Ein Wert beginnt da, wo er Dich etwas kostet.
Rosenbaum