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Dein Job ist nicht, das Beste aus Deinem Team rauszuholen
In regalmeterweise Führungsbüchern steht derselbe Satz: Du musst das Beste aus Deinem Team herausholen. Ich habe eine andere Sichtweise. Mein Job ist es, ein Umfeld zu schaffen, in dem nur die Menschen bleiben und gedeihen, die selbst das Beste aus sich herausholen wollen. Das ist ein fundamentaler Unterschied.
Im ersten Modell bist Du permanent der Antrieb: Du motivierst, Du kontrollierst, Du rennst hinter allen her – Du bist der Motor. Im zweiten Modell bist Du der Spielführer eines Profi-Teams. Ein Freund hat mich einmal als „Rahmenbauer" beschimpft; er meinte es als Vorwurf, ich fand es treffend. Ich setze den Rahmen, ich hole mir echte Profis, ich schütze die Guten vor den Schwachen – und dann lasse ich sie spielen. Und dann passiert etwas: Dann kickt ein norwegischer Fußballmeister, den keiner auf dem Zettel hat, die Großen Europas aus den Turnieren. Auch Holstein Kiel hat Bayern München schon aus dem Pokal geworfen.
Das nennt sich dienende Führung, und falls Du jetzt „Kuschelkurs" denkst: das Gegenteil. Dienende Führung bedeutet nicht, dass ich mich in den Dienst jedes einzelnen Mitarbeiters stelle. Sie bedeutet: Ich baue ein System, in dem Höchstleistung die Norm ist und Mittelmäßigkeit keinen Platz hat. Das ist das härteste Führungsmodell, das ich kenne – und das entspannteste Leben, das ich je hatte. Kuschelkurs habe ich versucht; hat nicht funktioniert.
Der häufigste Denkfehler dabei: dienende Führung mit Nachgiebigkeit zu verwechseln und die Erwartungen an die Schwächsten anzupassen. Das wäre das Gegenteil von Dienen – das wäre Verrat an den Starken. Dienende Führung beginnt nicht mit Zuhören. Sie beginnt mit Klarheit.
Du dienst nicht dem schwächsten Glied – Du schützt das stärkste.
Rosenbaum