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Liquidität ist das Ende der Krise, nicht der Anfang

3. Juni 2026 · Olaf Rosenbaum · 2 Min. Lesezeit

Frag zehn Unternehmer, was eine Krise ist, und die meisten antworten: „Die Liquidität ist weg." Übrigens antworten die meisten Berater genauso. Das ist nicht falsch – aber es ist viel zu spät.

Krise heißt Verlust der Steuerbarkeit. Nicht Liquiditätsmangel, nicht Insolvenz. Krise beginnt in dem Moment, in dem Du Dein Unternehmen nicht mehr in die Richtung bekommst, in die es wirklich soll. Dieses diffuse Gefühl, dass irgendetwas nicht funktioniert, das Du nicht greifen kannst – genau da fängt Krise an. Die Liquidität kommt erst ganz am Ende der Fahnenstange. Krise ist kein Zustand, in dem Du morgens aufwachst; sie ist eine Skala, die läuft. In der Rückschau kannst Du Krisen zum Teil fünf, sechs Jahre vorher erkennen.

Warum ist diese Unterscheidung so wichtig? Weil sie bestimmt, wo Du ansetzt. Häufig kommt jemand zu mir und möchte, dass ich mit ihm zur Bank gehe, um ein neues Darlehen zu holen. Kann man machen. Nur: Wenn Du im System nichts veränderst, sitzt Du, sobald das Darlehen aufgebraucht ist, mit denselben Problemen da – nur mit mehr Schulden. Frisches Geld löst vielleicht einen Engpass. Das strukturelle Problem löst es nie.

Wenn Du einmal verstanden hast, dass Liquiditätsmangel das Ende einer Krise ist und nicht ihr Anfang, brauchst Du schlagartig keine Beratung mehr, die sich nur um Liquidität dreht. Dann suchst Du dort, wo die Kette beginnt: bei der Steuerbarkeit.

Wer erst reagiert, wenn das Konto leer ist, bekämpft das letzte Glied einer Kette, deren Anfang er nie gesucht hat.

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