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Gewinn ist Feenstaub

19. November 2025 · · 2 Min. Lesezeit

Kurz gesagt: Ein Unternehmen überlebt ohne Gewinn oft erstaunlich lange, ohne Liquidität aber nur so lange, wie die Frist zur Insolvenzanmeldung nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit läuft – bei der GmbH zwei Wochen.

Jeden Monat landet die BWA auf Deinem Tisch, und Du schaust auf eine Zahl: den Gewinn. Ist er besser als im Vorjahr, freust Du Dich. Dagegen ist nichts einzuwenden – aber Du musst wissen, worauf Du da schaust.

Der Gewinn ist eine künstliche Zahl. Eine Idee, ein Konstrukt, ein Geist – Feenstaub. Er wird durch Faktoren beeinflusst, die mit dem normalen Betrieb Deines Unternehmens nichts zu tun haben: Abschreibungen, steuerrechtliche Komponenten, handelsrechtliche und sozialversicherungsrechtliche Vorschriften. In dieser Kombination verfälschen sie den Gewinn so, dass er mit dem, was in Deinem Unternehmen wirklich passiert, relativ wenig zu tun hat.

Ein Beispiel: Du schreibst eine Rechnung über hunderttausend Euro, der Kunde bezahlt nicht. In Deiner BWA steht der Umsatz trotzdem – und damit der Gewinn. Auf Deinem Konto steht: null.

Es ist nicht falsch, auf den Gewinn zu schauen. Aber es ist gefährlich, sich allein auf ihn zu konzentrieren. Denn: Ein Unternehmen kann eine Zeit lang ohne Gewinn überleben – defizitäre Unternehmen leben oft erstaunlich lange. Ohne Liquidität hingegen beträgt die Überlebensdauer eines Unternehmens exakt zwei Wochen. Das ist keine Redensart, sondern – je nach Rechtsform, bei der GmbH zum Beispiel – die Frist, die Du nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit hast, um Insolvenz anzumelden. Danach geht das Licht aus.

Deshalb gehört neben die BWA eine zweite Auswertung: die Cashflow-Rechnung. Sie räumt den Feenstaub beiseite und zeigt Dir, was wirklich auf dem Konto ankommt.

Kein Gewinn ist nicht gut. Kein Cash ist tödlich.

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