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Ein Logbuch ist kein Kompass
„Moment mal – ich habe doch Buchhaltung, einen Steuerberater, eine BWA und einen Jahresabschluss. Ist doch alles da." Diesen Einwand höre ich oft. Und er beruht auf einem Missverständnis.
Stell Dir vor, Du fährst mit Deinem Auto über die Autobahn – aber die Frontscheibe ist mit schwarzer Folie zugeklebt. Du guckst die ganze Zeit in den Rückspiegel und gibst Vollgas. Die Frage, OB Du irgendwo gegenknallst, stellt sich nicht. Nur wann.
Genau das tust Du, wenn Du Dich auf diese drei Werkzeuge verlässt. Die Buchhaltung dokumentiert, was passiert IST. Die BWA fasst zusammen, was in der Buchhaltung passiert ist. Der Jahresabschluss testiert noch einmal, was passiert ist. Alles Vergangenheitsbetrachtung – und nicht einmal zeitnah: Die Januar-BWA kommt, wenn es schlecht läuft, im März. Der Jahresabschluss irgendwann um Pfingsten, oft anderthalb bis zwei Jahre nach Geschäftsjahresende.
Die Fragen, auf die es ankommt, beantwortet Dir keines dieser Papiere: Funktioniert mein Geschäftsmodell? Mit welchem Auftrag verdiene ich Geld, mit welchem vernichte ich Geld? Wie lange reicht meine Liquidität? Dabei ist die Rechnung simpel: Fließen jeden Monat zwanzigtausend Euro ab und liegen hunderttausend auf dem Konto, reicht das Geld fünf Monate. Das steht in keiner BWA.
Buchhaltung, BWA und Jahresabschluss sind Dokumentation, nicht Steuerung. Du brauchst den Blick zurück – um zu lernen. Aber er darf nicht Dein einziger sein. Dazu gehören zwei weitere Blickrichtungen: Wo stehe ich jetzt? Und was kommt auf mich zu?
Ein Logbuch ist kein Kompass – und mit dem Rückspiegel hat noch niemand gelenkt.
Rosenbaum